Wandern im Vinschgau: Sonnenverwöhnte Höhen zwischen Waalwegen, Gletschern und Apfelblüten
Wandern • Vinschgau

Wandern im Vinschgau: Sonnenverwöhnte Höhen zwischen Waalwegen, Gletschern und Apfelblüten

Uralte Waalwege, ein versunkener Kirchturm und der Ortler zum Greifen nah - hier wird jede Wanderung zur Zeitreise durch das sonnigste Tal Südtirols.

Wandern im Vinschgau

Trocken, sonnig, ein bisschen eigensinnig - der Vinschgau tickt anders als der Rest von Südtirol. Wo sonst reibt sich die vergletscherte Wucht des Ortlers an palmengesäumten Talböden, in denen sich das Wasser durch jahrhundertealte Waalwege zieht? Dieses Tal im äußersten Westen Südtirols ist einer der niederschlagsärmsten Flecken der gesamten Alpen, und das merkst du bei jedem Schritt: Die Luft ist klar, das Licht scharf, und die Sonne meint es fast das ganze Jahr ehrlich mit dir.

Der Vinschgau erstreckt sich von den weiten Apfelwiesen rund um Latsch und Schlanders bis hinauf zum Reschenpass, wo der versunkene Kirchturm von Graun aus dem türkisblauen Reschensee ragt - eines der meistfotografierten Motive der Alpen. Dazwischen liegt eine Landschaft der Kontraste: schroffe Trockenhänge mit Wacholder und Feigen auf der einen, saftige Hochalmen und der weiße Panzer des Ortler-Cevedale-Massivs auf der anderen Seite.

Wandern bedeutet hier nicht nur Höhenmeter sammeln. Es bedeutet, entlang murmelnder Waale zu gehen, jene uralten Bewässerungskanäle, die das karge Land seit dem Mittelalter fruchtbar machen. Es bedeutet, in einem Marmordorf wie Laas Steinbrüche zu bestaunen, aus denen weltberühmter weißer Marmor kommt. Und es bedeutet, abends bei einem Glas Vinschger Riesling und einem Stück Schüttelbrot mit Speck den Sonnenuntergang über dem Talschluss zu genießen.

Ob du gemütlich auf einem Waalweg mit Kinderwagen entlangschlenderst oder dich an den Ortler wagst, den höchsten Berg Südtirols: Der Vinschgau nimmt dich, wie du bist. Er ist rau, ehrlich und überraschend mediterran - und genau das macht ihn zu einer Wanderregion, die man so schnell nicht mehr vergisst.

Topografie & Landschaft

Trockental mit Hochgebirge

Höhenlage

500 bis 3.905 m (Ortler)

Geländecharakter

Waalwege, Almpfade, Bergwege

Infrastruktur

Bahn, Busse, Hütten, Gasthäuser

Beste Reisezeit

März bis November

Navigation

Das macht den Vinschgau so besonders

Der versunkene Kirchturm von Graun

Kaum ein Bild steht so sehr für den Vinschgau wie der romanische Kirchturm, der einsam aus dem türkisfarbenen Reschensee ragt. Er ist der letzte sichtbare Rest des alten Dorfes Graun, das 1950 für den Bau eines Stausees geflutet wurde - eine Geschichte, die bis heute nachhallt. Wer im Winter Glück hat und der See zufriert, kann sogar zu Fuß bis zum Turm gehen, was ihm eine fast magische Aura verleiht.

Rund um den See führt ein bequemer, familientauglicher Rundweg von etwa 15 Kilometern, der sich auch prima in Etappen erwandern lässt. Unterwegs erzählen Tafeln die bewegende Geschichte der zwangsumgesiedelten Bewohner. Wusstest du schon? Die Legende, dass an manchen Wintertagen noch die Glocken läuten, hält sich hartnäckig - obwohl die Glocken längst entfernt wurden. Ein bisschen Gänsehaut gehört im Vinschgau eben dazu.

Waalwege - Wasser als Lebensader

Weil im Vinschgau so wenig Regen fällt, ersannen die Bauern schon im Mittelalter ein raffiniertes System aus Bewässerungskanälen, den sogenannten Waalen. Entlang dieser Kanäle verlaufen heute die berühmten Waalwege - nahezu ebene, schattige Pfade, die zu den schönsten und entspanntesten Wanderungen der Region zählen. Das leise Plätschern des Wassers begleitet dich, während dein Blick über Apfelplantagen und Weinberge schweift.

Der Leitenwaal, der Latschanderwaal oder der Berkwaal bei Schlanders gehören zu den Klassikern. Sie sind ideal für heiße Sommertage, für Familien und für alle, die das Wandern ohne Gipfelstress lieben. Früher war der sogenannte Waaler dafür zuständig, das kostbare Wasser gerecht zu verteilen - ein Amt, um das man sich damals durchaus stritt.

Marmor, Äpfel und Kulinarik

Das Dorf Laas ist weltberühmt für seinen strahlend weißen Marmor, der unter anderem für Denkmäler in Washington und für die U-Bahn-Stationen in New York verwendet wurde. Beim Spaziergang durch den Ort begegnest du Marmor an jeder Ecke - sogar Parkbänke und Gehsteige bestehen daraus. Die spektakuläre Bremsberganlage transportiert die tonnenschweren Blöcke noch heute den Berg hinab.

Kulinarisch ist der Vinschgau ein Erlebnis für sich. Der Vinschger Paarl, ein rundes Roggenbrot, das Marille aus Kortsch, würziger Speck und der überraschend gute Wein von den steilen Sonnenhängen machen jede Einkehr zum Genuss. Geheimtipp: Probier unbedingt die Vinschger Marillenknödel im Spätsommer - eine süße Offenbarung, die kaum jemand außerhalb der Region kennt.

Warum der Vinschgau ein Wanderparadies ist

Von mediterran bis hochalpin an einem Tag

Der Vinschgau ist eine der wenigen Regionen, in der du morgens durch Feigen- und Weinhänge wanderst und nachmittags im Gletscherschnee stehst. Diese Bandbreite macht das Wandern hier so reizvoll: Auf den sonnigen Trockenhängen des Sonnenbergs blühen Wacholder und Kakteen, während gegenüber, am schattigen Nörderberg, dichte Lärchenwälder und saftige Almwiesen locken.

Kein Wunder, dass Wanderer aus ganz Europa hierher kommen, um innerhalb weniger Kilometer komplett unterschiedliche Vegetationszonen zu durchqueren. Wer will, kombiniert einen entspannten Waalweg am Vormittag mit einer knackigen Almtour am Nachmittag - der Vinschgau macht es möglich.

Wegequalität und Beschilderung

Die Wanderwege im Vinschgau sind durchweg bestens markiert und gepflegt. Das Netz reicht von kinderwagentauglichen Talwegen über mittelschwere Höhenwanderungen bis zu anspruchsvollen Hochtouren rund um Ortler und Cevedale. Rot-weiße Markierungen weisen dir zuverlässig den Weg, und an nahezu jeder Kreuzung stehen die typischen gelben Wegweiser mit Zeitangaben.

Besonders angenehm: Viele Ausgangspunkte lassen sich bequem mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen. Der Vinschgau ist stolz auf seine autofreien Mobilitätsangebote, und mit der Vinschger Bahn oder Bussen kommst du selbst zu abgelegenen Startpunkten - perfekt, um Rundtouren als Streckenwanderungen zu planen.

Für wen der Vinschgau ideal ist

Familien mit Kindern finden auf den Waalwegen und rund um den Reschensee ein wahres Paradies - flach, sicher und mit vielen Rastplätzen. Genusswanderer kommen bei kurzen Touren mit Hütteneinkehr auf ihre Kosten, während ambitionierte Bergsteiger im Nationalpark Stilfserjoch mit dem König Ortler ihre Herausforderung finden.

Auch Fotografen und Ruhesuchende lieben den Vinschgau. Das intensive Licht, die klare Luft und die weiten Panoramen sorgen für Aussichten, die man so nur selten erlebt. Und weil das Tal weniger überlaufen ist als andere Südtiroler Regionen, findest du hier noch echte Einsamkeit - vorausgesetzt, du weichst ein wenig von den Hauptwegen ab.

Deine Unterkünfte im Vinschgau: Vom Bauernhof bis zum Wanderhotel

Die schönsten Wanderungen im Vinschgau

Reschensee-Rundweg mit dem versunkenen Kirchturm

Diese rund 15 Kilometer lange Rundwanderung um den Reschensee ist der Klassiker schlechthin und für jeden machbar. Vom Dorf Graun aus folgst du dem gut ausgebauten Seeuferweg, der abwechselnd über Wiesen, durch kleine Wälder und entlang des Ufers führt. Der Blick auf den berühmten Kirchturm, der aus dem Wasser ragt, begleitet dich immer wieder und liefert das perfekte Fotomotiv.

Der Weg ist nahezu flach und daher auch mit Kinderwagen oder als gemütliche Familienrunde bestens geeignet. Auf der gegenüberliegenden Seite geht es durch das Dorf Reschen, wo du in einem der Gasthäuser einkehren und Vinschger Spezialitäten probieren kannst. Info-Tafeln erzählen unterwegs die bewegende Geschichte der 1950 gefluteten Dörfer.

Rechne für die gesamte Runde etwa vier bis fünf Stunden ein. Wer es kürzer mag, kann die Strecke problemlos abkürzen oder mit dem Bus zurückfahren. Besonders schön ist die Tour im Herbst, wenn die Lärchen golden leuchten und sich die Berge im See spiegeln.

Latschander Waalweg bei Latsch

Der Latschander Waalweg ist einer der schönsten und zugänglichsten Waalwege des gesamten Vinschgau. Start ist beim Bahnhof Latsch oder in Goldrain, von wo aus du dem historischen Bewässerungskanal fast eben durch Wald und über sonnige Hänge folgst. Das ständige Plätschern des Wassers und der Blick hinunter ins Etschtal machen den Reiz dieser Tour aus.

Die etwa 6 Kilometer lange Strecke ist ideal für heiße Sommertage, da große Teile des Weges schattig verlaufen. Unterwegs passierst du alte Marmorbrüche und genießt Ausblicke auf die gegenüberliegende Talseite mit Schloss Juval, dem Wohnsitz von Reinhold Messner. Der Weg eignet sich hervorragend für Familien und alle, die einen entspannten Wandertag suchen.

Plane etwa zwei bis drei Stunden ein. Wer möchte, kombiniert den Waalweg mit einem Abstecher nach Latsch und einer Einkehr in einem der gemütlichen Cafés. Dank der guten Anbindung an die Vinschger Bahn ist auch eine bequeme Rückfahrt möglich.

Aufstieg zur Sesvennahütte im Ober-Vinschgau

Diese mittelschwere Bergtour startet in Schlinig oberhalb von Mals und führt dich in rund zwei Stunden hinauf zur Sesvennahütte auf etwa 2.256 Metern. Der Weg verläuft durch lichte Lärchenwälder und über weite Almwiesen, bevor sich das Gelände zum weiten Hochtal öffnet. Die Sesvennagruppe mit ihren markanten Gipfeln bildet dabei eine imposante Kulisse.

Die Hütte ist ein beliebter Stützpunkt und ein idealer Ort für eine ausgiebige Rast mit Kaiserschmarrn oder einer deftigen Brettljause. Von hier aus lassen sich weitere Ziele wie der Schwarze See oder Übergänge in die Schweiz und ins benachbarte Engadin erwandern. Die Tour eignet sich für konditionsstarke Wanderer und geübte Familien mit größeren Kindern.

Für den Auf- und Abstieg solltest du insgesamt vier bis fünf Stunden einplanen. Die Landschaft hier oben ist ursprünglich und ruhig, weit weg vom Trubel der bekannten Hotspots - genau das richtige für alle, die echte Bergeinsamkeit suchen.

Schloss Juval und der Schnalstaler Sonnenberg

Diese kulturell wie landschaftlich lohnende Wanderung verbindet Natur mit Geschichte. Ausgangspunkt ist Naturns oder Staben, von wo aus du über den Sonnenberg hinauf zum Schloss Juval wanderst, das Reinhold Messner gehört und ein sehenswertes Museum beherbergt. Der Aufstieg führt durch typische Trockenvegetation mit Wein und Feigen - fast schon mediterran.

Oben angekommen erwartet dich nicht nur ein spannendes Museum rund um die Mythen der Berge, sondern auch ein grandioser Blick ins Vinschgau und ins Schnalstal. Der Buschenschank Unterortl beim Schloss lädt zur Einkehr mit selbst produziertem Wein und regionalen Köstlichkeiten ein - ein echtes Highlight für Genusswanderer.

Die Tour ist mittelschwer und dauert je nach Route etwa drei bis vier Stunden. Achte darauf, dass das Schloss nur zu bestimmten Zeiten geöffnet ist, meist von Frühjahr bis Herbst mit Ruhetag am Mittwoch. Festes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind auf den sonnigen Hängen ein Muss.

Rundtour zum Sonnenberg-Panoramaweg bei Schlanders

Der Sonnenberg oberhalb von Schlanders zählt zu den trockensten und wärmsten Hängen der Alpen und bietet eine faszinierende Steppenlandschaft mit einzigartiger Flora. Diese Panoramarunde führt dich entlang aussichtsreicher Pfade über den Sonnenberg, vorbei an Trockenmauern, Wacholderbüschen und alten Bewässerungsanlagen.

Der Weg belohnt dich mit weiten Ausblicken über das gesamte mittlere Vinschgau bis hin zur vergletscherten Ortlergruppe im Süden. Unterwegs kannst du den Berkwaal einbeziehen, einen der schönsten Waalwege der Region, der ein Stück schattigen Ausgleich zur sonnenexponierten Höhe bietet.

Die Runde ist mittelschwer und dauert etwa drei bis vier Stunden. Da der Sonnenberg sehr sonnig ist, empfiehlt sich diese Tour eher im Frühjahr oder Herbst, wenn es nicht zu heiß ist. Wer die Natur liebt, entdeckt hier eine überraschende Artenvielfalt, die man in den Alpen kaum vermutet.

Zur Düsseldorfer Hütte im Nationalpark Stilfserjoch

Für ambitionierte Bergwanderer ist der Aufstieg zur Düsseldorfer Hütte oberhalb von Sulden ein echtes Erlebnis. Start ist in Sulden am Fuße des Ortlers, von wo aus du in etwa zwei Stunden auf gut angelegtem Bergweg zur Hütte auf rund 2.721 Metern aufsteigst. Der König Ortler und seine vergletscherten Nachbargipfel begleiten dich dabei majestätisch.

Die Landschaft im Nationalpark Stilfserjoch ist hochalpin und beeindruckend: karge Felslandschaften, Gletscherzungen und die Chance, Steinböcke und Murmeltiere zu beobachten. Die Düsseldorfer Hütte ist bewirtschaftet und dient auch als Ausgangspunkt für anspruchsvolle Klettersteige und Gipfeltouren.

Der Weg erfordert Trittsicherheit und eine gute Grundkondition, ist aber technisch nicht schwierig. Für Auf- und Abstieg solltest du rund vier bis fünf Stunden einplanen. Die Nähe zu einem der berühmtesten Berge der Alpen macht diese Tour zu einem unvergesslichen Höhepunkt jedes Vinschgau-Urlaubs.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Zeit zum Wandern im Vinschgau?

Der Vinschgau ist dank seines trockenen und sonnigen Klimas eine der Regionen mit der längsten Wandersaison in den Alpen. Auf den tieferen Waalwegen und am Sonnenberg kannst du oft schon ab März und bis in den November hinein wandern, da hier viel weniger Schnee fällt als in anderen Teilen Südtirols.

Für hochalpine Touren rund um Ortler und Cevedale eignen sich am besten die Monate Juli bis September, wenn die Wege schneefrei und die Hütten geöffnet sind. Der Herbst ist eine besondere Empfehlung: Die goldenen Lärchen, die klare Luft und die milden Temperaturen machen das Wandern zu einem Genuss. Auch die Apfelernte im Herbst verleiht dem Tal eine ganz eigene Atmosphäre.

Sind die Wanderungen im Vinschgau für Kinder geeignet?

Der Vinschgau ist eine ausgesprochen familienfreundliche Wanderregion. Besonders die Waalwege eignen sich hervorragend für Kinder, da sie meist flach verlaufen und das plätschernde Wasser für Unterhaltung sorgt. Der Latschander Waalweg oder der Berkwaal sind ideale Einsteigertouren, bei denen auch kleinere Kinder gut mithalten können.

Auch der Rundweg um den Reschensee ist für Familien bestens geeignet und teilweise sogar mit Kinderwagen befahrbar. Viele Gasthöfe und Almen bieten Spielplätze und kindgerechte Verpflegung. Für ältere Kinder sind mittelschwere Hüttentouren wie zur Sesvennahütte ein spannendes Abenteuer mit Belohnung in Form von Kaiserschmarrn.

Kann ich im Vinschgau mit Hund wandern?

Ja, der Vinschgau ist grundsätzlich sehr hundefreundlich, und die meisten Wanderwege lassen sich problemlos mit Vierbeinern begehen. Auf den schattigen Waalwegen findet dein Hund an heißen Tagen immer wieder Abkühlung im Wasser, was gerade im Sommer sehr angenehm ist.

Beachte jedoch, dass im Nationalpark Stilfserjoch und auf Almen mit Weidevieh oft Leinenpflicht besteht, um Wildtiere und Nutztiere zu schützen. In der Nähe von Kühen, insbesondere Mutterkühen mit Kälbern, solltest du deinen Hund unbedingt anleinen und ausreichend Abstand halten. Viele Unterkünfte im Vinschgau sind auf Wandergäste mit Hund eingestellt und bieten entsprechende Ausstattung.

Was sind Waalwege und warum sind sie so besonders?

Waalwege sind Pfade, die entlang historischer Bewässerungskanäle, der sogenannten Waale, verlaufen. Weil im Vinschgau extrem wenig Regen fällt, legten die Bauern bereits im Mittelalter diese Kanäle an, um Wasser von den Bergen zu den Feldern und Obstwiesen zu leiten. Heute sind die begleitenden Wege beliebte Wanderrouten.

Das Besondere an Waalwegen ist ihr nahezu ebener Verlauf, das beruhigende Plätschern des Wassers und der oft schattige Waldcharakter. Sie sind perfekt für entspannte Wanderungen ohne große Höhenunterschiede und eignen sich für alle Altersgruppen. Gleichzeitig sind sie ein lebendiges Stück Kulturgeschichte, das die Verbindung von Mensch und Natur im Vinschgau eindrucksvoll zeigt.

Wie komme ich am besten in den Vinschgau und zu den Wanderstartpunkten?

Der Vinschgau ist gut mit dem Auto über die Reschenpassstraße von Norden oder über Meran von Osten erreichbar. Besonders praktisch ist jedoch die Vinschger Bahn, die von Meran bis nach Mals fährt und viele Wanderorte direkt anbindet. So kannst du bequem und umweltfreundlich anreisen.

Vor Ort ermöglicht ein gut ausgebautes Busnetz die Anfahrt zu vielen Ausgangspunkten, auch in die Seitentäler wie Sulden oder das Martelltal. Mit der GuestCard, die viele Unterkünfte anbieten, kannst du den öffentlichen Nahverkehr oft kostenlos nutzen. Das macht es besonders einfach, Streckenwanderungen zu planen, bei denen Start und Ziel nicht identisch sind.

Wie schwierig sind die Wanderungen im Vinschgau?

Das Spektrum ist enorm breit und reicht von ganz einfachen Talwegen bis zu hochalpinen Herausforderungen. Die Waalwege und der Reschensee-Rundweg sind leicht und auch für ungeübte Wanderer und Familien bestens geeignet. Hier brauchst du keine besondere Kondition oder Erfahrung.

Mittelschwere Touren wie der Aufstieg zur Sesvennahütte oder Wanderungen am Sonnenberg erfordern etwas Ausdauer, sind aber technisch unproblematisch. Anspruchsvoll wird es im Nationalpark Stilfserjoch rund um den Ortler, wo Trittsicherheit, gute Kondition und teilweise Erfahrung mit Klettersteigen gefragt sind. So findet wirklich jeder die passende Tour für sein Niveau.

Gibt es entlang der Wanderwege genügend Einkehrmöglichkeiten?

Im Vinschgau bist du in Sachen Einkehr bestens versorgt. Auf vielen Touren findest du Almen, Berghütten und Buschenschänke, die regionale Spezialitäten anbieten. Von deftigen Brettljausen mit Speck und Kaminwurzen bis zu süßen Klassikern wie Kaiserschmarrn und Apfelstrudel ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Besonders auf den Talwegen und in den Dörfern gibt es zahlreiche Gasthäuser und Cafés. Bei hochalpinen Touren solltest du dich vorab über die Öffnungszeiten der Hütten informieren, da diese meist nur in der Sommersaison bewirtschaftet sind. Ein kleiner Vorrat an Wasser und Proviant schadet auf längeren Touren aber nie.

Welche Ausrüstung brauche ich zum Wandern im Vinschgau?

Für die einfachen Waalwege und Talwanderungen reichen bequeme Wanderschuhe, wetterangepasste Kleidung und ausreichend Wasser. Da der Vinschgau sehr sonnig ist, gehören Sonnenschutz, eine Kopfbedeckung und ausreichend Trinkwasser unbedingt in den Rucksack, gerade auf den exponierten Sonnenhängen.

Für Bergtouren im hochalpinen Gelände solltest du feste Wanderstiefel mit gutem Profil, Wanderstöcke sowie eine wetterfeste Jacke einpacken, da sich das Wetter in den Bergen schnell ändern kann. Auf Klettersteigen ist entsprechende Sicherungsausrüstung Pflicht. Eine Wanderkarte oder eine gute App hilft dir zusätzlich bei der Orientierung.

Ist der Vinschgau überlaufen oder findet man noch Ruhe?

Im Vergleich zu bekannten Südtiroler Hotspots wie den Dolomiten oder dem Grödnertal ist der Vinschgau angenehm ruhig und ursprünglich geblieben. Zwar ziehen der Reschensee und Schloss Juval durchaus viele Besucher an, doch abseits dieser Highlights findest du schnell Einsamkeit und unberührte Natur.

Besonders in den Seitentälern wie dem Martelltal, dem Schlinigtal oder auf den weiten Hochalmen begegnest du oft nur wenigen anderen Wanderern. Wer die Ruhe sucht, sollte früh morgens starten oder die Nebensaison im Frühjahr und Herbst wählen. Dann gehören dir die Wege fast allein, und du kannst die Stille und Weite des Tales in vollen Zügen genießen.

Kann man im Vinschgau mehrtägige Weitwanderungen unternehmen?

Ja, der Vinschgau bietet sich hervorragend für Mehrtagestouren an. Ein Höhepunkt ist der Vinschger Höhenweg, der über mehrere Etappen entlang der Talhänge verläuft und immer wieder grandiose Ausblicke auf die Ortlergruppe und das Etschtal freigibt. Übernachten kannst du in urigen Höfen und gemütlichen Gasthäusern.

Auch die Durchquerung des Nationalparks Stilfserjoch oder Etappenwanderungen von Hütte zu Hütte in der Sesvennagruppe sind beliebt. Dank der guten Infrastruktur und der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr lassen sich individuelle Routen flexibel planen. Für Weitwanderer, die abwechslungsreiche Landschaften und kulturelle Highlights schätzen, ist der Vinschgau ein echtes Paradies.

Was macht das Klima im Vinschgau so besonders?

Der Vinschgau gilt als eines der trockensten Täler des gesamten Alpenraums. Durch seine geschützte Lage und die umliegenden hohen Berge fällt hier deutlich weniger Niederschlag als in anderen Regionen Südtirols. Das bedeutet für dich als Wanderer viele sonnige Tage und eine besonders lange Wandersaison.

Dieses spezielle Klima hat auch eine einzigartige Vegetation hervorgebracht: An den Sonnenhängen wachsen Feigen, Wein und sogar Kakteen, während die Hochlagen alpin geprägt sind. Diese Kombination aus fast mediterranem Flair im Tal und hochalpiner Bergwelt macht den besonderen Reiz des Vinschgau aus und ist in den Alpen einzigartig.

Welche kulinarischen Spezialitäten sollte ich beim Wandern probieren?

Der Vinschgau ist ein Genussparadies mit vielen regionalen Spezialitäten. Ein absolutes Muss ist der Vinschger Paarl, ein flaches Roggenbrot, das perfekt zu Speck und Kaminwurzen passt. Dazu ein Glas Vinschger Wein von den steilen Sonnenhängen, und dein Wandertag findet einen würdigen Abschluss.

Auf den Almen solltest du unbedingt frische Milchprodukte, hausgemachten Käse und deftige Knödelgerichte probieren. Im Spätsommer sind die Vinschger Marillenknödel eine süße Delikatesse, die du kaum woanders findest. Auch die berühmten Apfelspezialitäten, von Strudel bis Saft, spiegeln die landwirtschaftliche Tradition des Tales wider und sind eine köstliche Belohnung nach der Wanderung.

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