Weites welliges Hochplateau
Seiser Alm: Wandern auf Europas größter Hochalm zwischen Schlern und Rosengarten
Wandern auf der Seiser Alm in Südtirol
Stell dir vor, du stehst frühmorgens auf einer endlosen, sanft gewellten Wiese, die sich bis zum Horizont zieht. Über dir spannt sich ein tiefblauer Himmel, und am Rand dieses grünen Meers erheben sich die schroffen Zacken des Schlern und die verwitterten Türme des Rosengartens. Willkommen auf der Seiser Alm – der größten Hochalm Europas und einem der ergreifendsten Landschaftsbilder der gesamten Dolomiten.
Rund 56 Quadratkilometer Almwiesen, verstreute Heuhütten mit Steinschindeln und ein Netz aus Wegen, das sich sanft durch die Hügel schlängelt: Die Seiser Alm zwischen 1.680 und über 2.200 Metern ist ein Ort, der Wanderherzen höherschlagen lässt, ohne dass man dafür alpinistische Höchstleistungen erbringen müsste. Hier gehst du auf weichem Almboden statt über Geröllfelder, hier duftet es nach Bergklee und frisch gemähtem Heu, und hier begegnen dir Kühe mit läutenden Glocken, die dich mit stoischer Gelassenheit vorbeiziehen lassen.
Was die Seiser Alm so besonders macht, ist dieser einzigartige Kontrast: die weiche, fast schwebende Weite der Wiesen auf der einen, die dramatische Felskulisse der Dolomiten auf der anderen Seite. Seit 2009 gehört das Gebiet rund um Schlern und Rosengarten zum UNESCO-Weltnaturerbe – und wer einmal bei Sonnenuntergang das berühmte Alpenglühen an den Felswänden erlebt hat, versteht sofort, warum.
Ob Familienausflug mit Kinderwagen, gemütliche Hüttenwanderung mit Kaiserschmarrn-Pause oder ambitionierter Gipfelsturm auf den Schlern – die Seiser Alm bietet für jeden das passende Tempo. Und das Beste: Autos bleiben tagsüber weitgehend draußen. Du kommst bequem mit der Seiser Alm Bahn hinauf und tauchst ein in eine Welt, in der die Zeit ein bisschen langsamer zu ticken scheint. Schnür die Wanderschuhe – dieses grüne Hochplateau will erlaufen werden.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
1.680 bis 2.563 m (Schlern)
Geländecharakter
Almwiesen, Wald- und Felswege
Infrastruktur
Bahn, Almbusse, viele Hütten
Beste Reisezeit
Ende Mai bis Oktober
Was du auf der Seiser Alm auf keinen Fall verpassen solltest
Der Schlern – Wächter über der Alm
Kein Berg prägt das Bild der Seiser Alm so sehr wie der Schlern mit seinen markanten Vorgipfeln Santner- und Euringerspitze. Wie ein steinerner Wächter thront er über dem Hochplateau und ist längst zum Wahrzeichen ganz Südtirols geworden. Sein charakteristisches Profil taucht auf unzähligen Postkarten auf, doch keine Aufnahme ersetzt den Moment, in dem du selbst unter seinen Wänden stehst.
Rund um den Schlern ranken sich zahllose Sagen und Legenden. Angeblich trieben hier einst Hexen ihr Unwesen und tanzten bei Vollmond auf den Felsplateaus – ein Mythos, der die raue, geheimnisvolle Ausstrahlung des Massivs bis heute prägt. Wusstest du schon? Der Schlern war einer der ersten Berge Südtirols, der bereits im 19. Jahrhundert touristisch erschlossen wurde, und die Schlernhäuser gehören zu den ältesten Schutzhütten der Ostalpen.
Almhütten und Südtiroler Küche
Die Seiser Alm ist ein Paradies für Genusswanderer. Über das gesamte Plateau verstreut liegen urige Almhütten und bewirtschaftete Schwaigen, in denen du Südtiroler Klassiker in ihrer ehrlichsten Form bekommst. Von deftigen Speckknödeln über cremige Käsespätzle bis zum legendären Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren – hier isst du dich glücklich, während dir die Sonne ins Gesicht scheint.
Viele Hütten setzen auf regionale Produkte direkt aus der Umgebung: Bergkäse aus der eigenen Sennerei, Kräuter von den Wiesen ringsum, Fleisch aus der Region. Ein Geheimtipp ist es, bewusst abseits der Hauptwege eine kleinere Hütte anzusteuern – dort bekommst du oft die authentischsten Gerichte und triffst noch echte Bäuerinnen und Bauern, die ihre Almwirtschaft mit Herzblut betreiben.
Die UNESCO-Weltnaturerbe-Kulisse
Die Dolomiten rund um die Seiser Alm gehören seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe – und das aus gutem Grund. Die bizarren Felsformationen aus fossilem Korallenkalk entstanden vor rund 250 Millionen Jahren aus einem urzeitlichen Meer. Wenn du über die Alm wanderst und die Felstürme betrachtest, blickst du buchstäblich auf versteinerte Riffe einer längst verschwundenen tropischen See.
Besonders eindrucksvoll ist das berühmte Alpenglühen am Rosengarten. In den Abendstunden färben sich die Wände in ein glühendes Rosa und Purpur – ein Naturschauspiel, das der Sage nach vom Rosengarten des Zwergenkönigs Laurin herrührt. Wer diese Farbdramaturgie einmal live erlebt, versteht, warum die Region so viele Dichter und Maler inspiriert hat.
Land und Leute
Die Menschen rund um die Seiser Alm sind tief mit ihrer Landschaft verwurzelt. In den Orten Kastelruth, Seis und Völs am Schlern spürst du den ladinisch-tirolerischen Charakter mit seinen Traditionen, Trachten und Bräuchen. Kastelruth ist übrigens weit über die Landesgrenzen hinaus für seine volkstümliche Musik bekannt – hier hat eine gewisse berühmte Musikgruppe ihre Heimat.
Die Almwirtschaft ist keine museale Kulisse, sondern gelebter Alltag. Im Sommer werden die Kühe auf die Alm getrieben, im Herbst folgt der festlich geschmückte Almabtrieb. Wer zur richtigen Zeit kommt, erlebt dieses jahrhundertealte Ritual mit Blumenkränzen, Glockengeläut und ausgelassener Stimmung hautnah mit.
Warum die Seiser Alm ein Wanderparadies für alle ist
Wandern für wirklich jeden
Was die Seiser Alm zu einem der beliebtesten Wandergebiete der Alpen macht, ist ihre unglaubliche Vielseitigkeit. Anders als in vielen hochalpinen Regionen musst du hier nicht erst mühsam Höhenmeter überwinden, um in eine spektakuläre Landschaft einzutauchen – du steigst aus der Bahn und stehst mittendrin. Die sanft gewellten Almwiesen laden zu gemütlichen Spaziergängen ein, während die umliegenden Gipfel für ambitionierte Bergsteiger genug Herausforderung bereithalten.
Familien mit kleinen Kindern finden hier ein regelrechtes Paradies: Viele Wege sind breit, gut ausgebaut und teils sogar kinderwagentauglich. Gleichzeitig locken für Trittsichere die anspruchsvollen Steige hinauf zum Schlern oder zu den Aussichtslogen am Fuße des Rosengartens. Diese Mischung aus Zugänglichkeit und Erhabenheit ist selten.
Wegequalität und Orientierung
Das Wegenetz der Seiser Alm ist vorbildlich beschildert und gepflegt. Nummerierte Wanderwege, klare Wegweiser an den Kreuzungen und gut sichtbare Markierungen sorgen dafür, dass du dich auch ohne perfekte Ortskenntnis kaum verlaufen kannst. Der Almboden selbst ist meist weich und angenehm zu begehen – ideal für alle, die kein Freund von endlosen Geröllfeldern sind.
Für die etwas höheren Touren, etwa Richtung Schlernhaus oder in die Nähe der Roterdspitze, wird der Untergrund felsiger und die Wege steiler. Doch selbst dort bleibt das Gehen fair und übersichtlich. Ein solides Paar Wanderschuhe und die übliche Bergvorsicht reichen für die allermeisten Routen völlig aus.
Aussichtspunkte, die man nie vergisst
Die Seiser Alm ist eine einzige große Aussichtsloge. Von fast jedem Punkt des Plateaus hast du freien Blick auf die umliegenden Dolomitenmassive – Schlern, Rosengarten, Langkofel und Plattkofel bilden eine Kulisse, die dir immer wieder den Atem raubt. Besonders die Wege in Richtung Süden, hin zur Kante des Plateaus, belohnen mit weiten Panoramen ins Grödner Tal und zu den fernen Gipfelketten.
Ein Geheimtipp für Frühaufsteher: Erlebe den Sonnenaufgang auf der Alm. Wenn die ersten Strahlen die Felswände in warmes Gold tauchen und der Morgennebel wie Watte über den Wiesen hängt, ist die Seiser Alm einfach magisch – und du hast sie beinahe für dich allein.
Naturerlebnis pur
Wer mit offenen Augen wandert, entdeckt hier eine erstaunliche Vielfalt. Im Frühsommer verwandeln sich die Wiesen in ein farbenprächtiges Blütenmeer aus Enzian, Alpenrosen, Trollblumen und Arnika. Murmeltiere pfeifen aus ihren Bauen, Bergdohlen kreisen um die Felskanten, und mit etwas Glück siehst du sogar Steinadler am Himmel.
Die Seiser Alm ist zudem Teil eines Naturparks, was bedeutet, dass die Landschaft konsequent geschützt wird. Diese Balance zwischen bewirtschafteter Kulturlandschaft und geschützter Natur macht das Wandern hier zu einem besonders bewussten und intensiven Erlebnis.
Übernachten auf der Seiser Alm: Hütten, Almhotels und gemütliche Rückzugsorte
Die schönsten Wanderungen auf der Seiser Alm
Panoramarunde von Compatsch nach Saltria
Diese klassische Einsteigerrunde beginnt an der Bergstation der Seiser Alm Bahn in Compatsch und führt dich über sanfte Almwege quer über das Hochplateau bis nach Saltria im Herzen der Alm. Der Weg ist breit, gut markiert und größtenteils kinderwagentauglich – perfekt also für Familien und alle, die es entspannt angehen wollen.
Unterwegs passierst du zahlreiche Almhütten wie die Ritsch- oder Tirler Alm, wo sich eine Einkehr mit Blick auf Schlern und Langkofel geradezu aufdrängt. Die weiten Wiesen wirken fast unwirklich weit, und das Panorama begleitet dich auf Schritt und Tritt. In Saltria kannst du dich für den Rückweg entscheiden oder bequem den Almbus zurück nach Compatsch nehmen.
Die Runde eignet sich hervorragend als erster Einstieg in die Welt der Seiser Alm und vermittelt dir in wenigen Stunden alles, was diese Landschaft so besonders macht: Weite, Ruhe und die grandiose Dolomitenkulisse.
Aufstieg zum Schlernhaus über die Prossliner Schwaige
Wer die Alm von oben erleben möchte, kommt an dieser Tour nicht vorbei. Vom Ausgangspunkt bei Saltria oder der Bergstation der Bahn führt der Weg zunächst gemächlich über die Wiesen, bevor er über die Prossliner Schwaige spürbar steiler wird und dich hinauf zum Schlernplateau bringt. Ziel ist das legendäre Schlernhaus auf rund 2.450 Metern, eine der ältesten und geschichtsträchtigsten Hütten der Dolomiten.
Der Aufstieg verlangt etwas Kondition und Trittsicherheit, belohnt dich aber mit einem völlig anderen Landschaftsbild: Statt weicher Almwiesen wanderst du nun durch karge, felsige Hochgebirgslandschaft. Oben angekommen, öffnet sich ein grandioser Rundumblick über die gesamte Alm bis zu den fernen Zentralalpen.
Konditionsstarke Wanderer können vom Schlernhaus aus noch weiter zur Aussichtskuppe des Pez oder zur Santnerspitze aufsteigen. Diese Tour ist ideal für alle, die den Kontrast zwischen sanfter Alm und wildem Fels an einem Tag erleben wollen.
Rundweg um den Molignon und die Rosszähne
Diese abwechslungsreiche Halbtagestour führt dich in den südlichen Teil der Seiser Alm, wo die Landschaft rauer und alpiner wird. Vom Ausgangspunkt an der Zallinger Alm oder am Mahlknechtjoch startend, umrundest du die markanten Felszacken der Rosszähne und genießt dabei einen der spektakulärsten Ausblicke auf den Rosengarten.
Der Weg schlängelt sich durch alpine Wiesen und über felsigere Passagen, vorbei an der aussichtsreichen Mahlknechthütte. Hier bist du bereits deutlich weiter weg vom Trubel der zentralen Alm und erlebst die Ruhe des Hochgebirges. Murmeltiere und Bergblumen begleiten dich, und die Felstürme scheinen zum Greifen nah.
Diese Tour richtet sich an geübtere Wanderer mit etwas Ausdauer. Als Belohnung wartet bei entsprechender Tageszeit das berühmte Alpenglühen am Rosengarten – ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Gemütliche Wanderung zur Williamshütte und Puflatsch
Der Puflatsch bildet den nördlichen Abschluss der Seiser Alm und ist von Compatsch aus bequem zu erreichen. Diese Tour eignet sich hervorragend für einen entspannten Halbtag und bietet trotz moderater Anforderungen atemberaubende Ausblicke. Von der Puflatsch-Bahn oder zu Fuß erreichst du bald die aussichtsreiche Williamshütte.
Der Rundweg über den Puflatsch führt dich zu den sogenannten Hexenbänken – markanten Felsformationen, um die sich alte Sagen ranken. Von hier oben blickst du hinunter auf das Grödner Tal, hinüber zu den Geislerspitzen und natürlich auf die weite Fläche der Seiser Alm selbst.
Die Wege sind gut ausgebaut und auch für Familien mit etwas älteren Kindern gut zu bewältigen. Wer den Sonnenuntergang erleben möchte, findet auf dem Puflatsch einen der schönsten Logenplätze der gesamten Alm.
Von Saltria zur Zallinger Alm und Plattkofelhütte
Diese Tour bringt dich mitten hinein in das Panorama von Langkofel und Plattkofel, den beiden markanten Gipfeln, die die Seiser Alm im Osten begrenzen. Von Saltria aus wanderst du kontinuierlich ansteigend über Almwiesen und Waldwege hinauf zur idyllisch gelegenen Zallinger Alm mit ihrem charakteristischen Kirchlein.
Von dort kannst du weiter zur Plattkofelhütte aufsteigen, die auf rund 2.300 Metern einen fantastischen Blick auf das Langkofelmassiv bietet. Der Weg wird nach der Zallinger Alm anspruchsvoller und steiler, bleibt aber technisch gut machbar. Die Landschaft wechselt hier eindrucksvoll von grüner Alm zu hochalpinem Ambiente.
Diese Route ist ideal für ambitionierte Genusswanderer, die konditionell fit sind und die imposante Nähe der großen Dolomitengipfel suchen. Die Einkehr in den Hütten gehört selbstverständlich mit dazu.
Häufige Fragen
Wie komme ich am besten auf die Seiser Alm?
Der einfachste und umweltfreundlichste Weg auf die Seiser Alm führt über die Seiser Alm Bahn, eine Umlaufkabinenbahn, die dich von Seis am Schlern bequem hinauf nach Compatsch bringt. Von dort aus verkehren Almbusse zu den verschiedenen Ausgangspunkten wie Saltria.
Wichtig zu wissen: Die Seiser Alm ist tagsüber weitgehend für den privaten Autoverkehr gesperrt, in der Regel zwischen etwa 9 und 17 Uhr. Diese Regelung schützt die einzigartige Landschaft und sorgt für herrliche Ruhe. Wer im Hotel auf der Alm übernachtet, erhält meist eine Zufahrtsberechtigung. Am besten planst du deine Anreise über die Bahn – das erspart Parkplatzsuche und Stress.
Ist die Seiser Alm für Wanderungen mit Kindern geeignet?
Absolut, die Seiser Alm gilt als eines der familienfreundlichsten Wandergebiete Südtirols. Viele Wege sind breit, gut ausgebaut und teilweise sogar kinderwagentauglich, etwa die Runden rund um Compatsch und Saltria. Die sanften Almwiesen ohne steile Abgründe geben Eltern ein sicheres Gefühl.
Kinder lieben die weiten Wiesen zum Herumtollen, die neugierigen Kühe und die zahlreichen Almhütten, an denen es Kaiserschmarrn und Kuchen gibt. Viele Hütten haben Spielplätze oder Streicheltiere. Plane die Etappen kindgerecht und nutze bei Bedarf den Almbus für die Rückfahrt, dann wird der Wandertag auch für die Kleinsten zum Erlebnis statt zur Qual.
Kann ich meinen Hund mit auf die Seiser Alm nehmen?
Ja, Hunde sind auf der Seiser Alm grundsätzlich willkommen und viele Wanderwege eignen sich bestens für einen Ausflug mit dem Vierbeiner. Allerdings solltest du deinen Hund unbedingt an der Leine führen, besonders in der Nähe von Weidevieh. Die Almen sind bewirtschaftet, und freilaufende Hunde können Kühe verunsichern – was gefährlich werden kann.
Achte darauf, immer genug Wasser für deinen Hund dabeizuhaben, da nicht überall Trinkwasser verfügbar ist. Viele Almhütten sind hundefreundlich und stellen sogar Wassernäpfe bereit. In der Bahn und im Almbus ist die Mitnahme von Hunden meist möglich. Nimm Rücksicht auf die Weidewirtschaft, dann steht einem tollen Tag mit Hund nichts im Wege.
Wann ist die beste Zeit zum Wandern auf der Seiser Alm?
Die klassische Wandersaison auf der Seiser Alm reicht von Ende Mai bis in den Oktober. Im Frühsommer, etwa im Juni, verwandeln sich die Wiesen in ein farbenprächtiges Blütenmeer – ein absolutes Highlight für Naturliebhaber. Die Temperaturen sind angenehm, und die Alm zeigt sich in sattem Grün.
Der Herbst, besonders September und Oktober, ist bei Kennern besonders beliebt: klare Fernsicht, stabiles Wetter, weniger Trubel und die goldene Herbststimmung machen diese Zeit magisch. Im Hochsommer kann es voller werden, dafür sind alle Hütten und Bahnen in Betrieb. Meide möglichst die Mittagshitze im Juli und August, indem du früh startest.
Brauche ich eine besondere Ausrüstung zum Wandern?
Für die meisten Touren auf der Seiser Alm genügt eine solide Grundausstattung: feste Wanderschuhe mit gutem Profil, wetterfeste Kleidung nach dem Zwiebelprinzip, ausreichend Wasser und Sonnenschutz. Da du dich im Hochgebirge befindest, kann das Wetter schnell umschlagen, daher gehört eine Regenjacke immer ins Gepäck.
Für die einfacheren Almrunden reicht auch bequemes Schuhwerk, für die anspruchsvolleren Touren zum Schlernhaus oder zur Plattkofelhütte solltest du trittsicher sein und knöchelhohe Wanderschuhe tragen. Wanderstöcke sind bei längeren Auf- und Abstiegen hilfreich. Vergiss die Sonnencreme nicht – auf über 2.000 Metern ist die UV-Strahlung deutlich intensiver als im Tal.
Gibt es genug Einkehrmöglichkeiten unterwegs?
Ja, und das ist einer der großen Pluspunkte der Seiser Alm. Über das gesamte Plateau verteilt findest du zahlreiche bewirtschaftete Almhütten und Schwaigen, sodass du kaum je länger als eine Stunde ohne Einkehrmöglichkeit unterwegs bist. Von der Tirler Alm über die Zallinger Alm bis zum Schlernhaus – überall bekommst du gutes Essen und Getränke.
Die Küche ist bodenständig-südtirolerisch: Speckknödel, Käsespätzle, Gulasch und natürlich der berühmte Kaiserschmarrn. Viele Hütten verwenden regionale Produkte und teils Erzeugnisse aus der eigenen Landwirtschaft. In der Hauptsaison empfiehlt es sich, bei beliebten Hütten frühzeitig da zu sein, da es zur Mittagszeit voll werden kann.
Wie anstrengend sind die Wanderungen wirklich?
Das kommt ganz auf die gewählte Tour an – und genau das macht die Seiser Alm so vielseitig. Die Runden über das zentrale Plateau sind flach bis leicht wellig und ohne große Anstrengung machbar, ideal für Genusswanderer und Familien. Hier gehst du hauptsächlich über weiche Almwege ohne nennenswerte Höhenmeter.
Deutlich fordernder sind die Aufstiege in die umliegenden Berge, etwa zum Schlernhaus mit rund 800 Höhenmetern oder zur Plattkofelhütte. Diese Touren verlangen Kondition und Trittsicherheit. Der Vorteil: Du kannst dein Wanderprogramm perfekt an deine Fitness anpassen und dank Bahn und Almbus jederzeit abkürzen, wenn die Beine schwer werden.
Kann man auf der Seiser Alm auch mehrtägig wandern?
Definitiv. Die Seiser Alm eignet sich hervorragend als Basis für mehrtägige Wandertouren, und dank der zahlreichen Hütten und Almhotels kannst du bequem oben übernachten. Besonders reizvoll ist es, den Trubel des Tagestourismus hinter dir zu lassen und die Alm in den frühen Morgen- und späten Abendstunden nahezu für dich allein zu haben.
Von der Seiser Alm aus lassen sich auch mehrtägige Dolomiten-Durchquerungen starten, etwa Richtung Langkofelgruppe, Rosengarten oder in den Naturpark Schlern-Rosengarten. Der berühmte Schlern lässt sich mit Übernachtung im Schlernhaus wunderbar erkunden. Für solche Touren solltest du im Voraus reservieren, gerade in der Hochsaison sind die Hütten oft gut ausgebucht.
Ist die Seiser Alm auch bei schlechtem Wetter einen Besuch wert?
Ehrlich gesagt entfaltet die Seiser Alm ihre volle Pracht bei Sonnenschein und guter Fernsicht – bei dichtem Nebel siehst du von den grandiosen Panoramen leider wenig. Trotzdem hat die Alm auch bei durchwachsenem Wetter ihren Reiz: Wenn Nebelschwaden über die Wiesen ziehen, bekommt die Landschaft eine fast mystische Stimmung.
Bei Regen oder Gewittergefahr solltest du hochalpine Touren wie den Schlernaufstieg meiden und dich auf die geschützteren Almwege konzentrieren, die schnell eine Hütte erreichbar machen. Im Zweifel ist eine gemütliche Hütteneinkehr mit Blick durchs Fenster auf die ziehenden Wolken auch nicht das Schlechteste. Ein Blick auf den Wetterbericht vor dem Start lohnt sich immer.
Wo kann ich auf oder rund um die Seiser Alm übernachten?
Die Auswahl an Unterkünften ist groß und reicht von urigen Almhütten über gemütliche Pensionen bis zu komfortablen Almhotels direkt auf dem Plateau. Wer mitten in der Natur übernachten möchte, findet in Compatsch, Saltria oder bei den einzelnen Almen passende Optionen mit dem großen Vorteil der abendlichen Ruhe.
Alternativ bieten die Orte am Fuße der Alm – Seis am Schlern, Kastelruth und Völs am Schlern – ein breites Spektrum an Hotels und Ferienwohnungen. Von dort erreichst du die Alm bequem mit der Bahn. Diese Orte punkten mit ihrem dörflichen Charme, guten Restaurants und der Nähe zur Bahn. Für Wanderer, die täglich auf die Alm möchten, ist das eine praktische und oft günstigere Basis.
Sind die Wanderwege gut markiert?
Das Wegenetz der Seiser Alm zählt zu den bestausgeschilderten der Alpen. An praktisch jeder Kreuzung findest du klare Wegweiser mit Zielangaben, Gehzeiten und Wegnummern. Die einzelnen Wege sind durchgehend nummeriert und mit den typischen rot-weißen Markierungen versehen, sodass Verlaufen kaum möglich ist.
Trotzdem empfiehlt es sich, eine Wanderkarte oder eine Wander-App mit dabeizuhaben, besonders für die höheren Touren. Auf den offenen Almflächen behältst du meist gut die Orientierung, in nebligen Situationen im Hochgebirge kann eine Karte aber Gold wert sein. Insgesamt ist die Seiser Alm aber ein sehr sicheres und übersichtliches Wandergebiet, auch für weniger erfahrene Wanderer.
Kann man auf der Seiser Alm Murmeltiere oder Wildtiere beobachten?
Ja, mit etwas Glück und Geduld lassen sich auf der Seiser Alm einige Wildtiere beobachten. Besonders in den höher gelegenen, felsigeren Bereichen wie rund um den Schlern oder die Rosszähne pfeifen Murmeltiere aus ihren Bauen – ein untrügliches Zeichen der Alpenlandschaft. Vor allem in den ruhigeren Morgenstunden zeigen sie sich am ehesten.
Über den Felskanten kreisen häufig Bergdohlen, und mit viel Glück entdeckst du sogar einen Steinadler am Himmel. Auf den Wiesen tummeln sich unzählige Schmetterlinge und Bergblumen. Wer die Natur beobachten möchte, sollte sich leise verhalten, ein Fernglas mitnehmen und die frühen oder späten Tagesstunden nutzen, wenn weniger Menschen unterwegs sind.