Die Ostseeküste auf der Insel Rügen
Wandern • Rügen & Jasmund

Wandern auf Rügen & im Nationalpark Jasmund: Kreidefelsen, Buchenwälder und das Rauschen der Ostsee

Weiße Kreidefelsen, uralte Buchenwälder und das endlose Blau der Ostsee – Rügen wandert sich an wie ein Traum.

Wandern auf Rügen & Jasmund

Es gibt diesen einen Moment, in dem du oben am Königsstuhl stehst, der Wind dir das Salz auf die Lippen weht und vor dir die strahlend weißen Kreidefelsen senkrecht ins türkisgrüne Meer abfallen. Genau dieser Moment ist Rügen. Deutschlands größte Insel ist ein Sammelsurium aus dramatischen Steilküsten, uralten Buchenwäldern, mondänen Seebädern und stillen Boddenlandschaften, in denen Kraniche ihre Bahnen ziehen.

Im Nordosten der Insel liegt das Herzstück für alle Wanderfreunde: der Nationalpark Jasmund, der kleinste Nationalpark Deutschlands und zugleich einer der eindrucksvollsten. Hier wächst ein Buchenwald, der so urig und ursprünglich ist, dass er es bis ins UNESCO-Weltnaturerbe geschafft hat. Schmale Pfade schlängeln sich entlang der Abbruchkanten, immer wieder öffnen sich spektakuläre Ausblicke aufs Meer, und mit etwas Glück knabbert eine Kreideklippe genau dann ein Stück mehr ab, wenn du gerade nicht hinschaust.

Doch Rügen ist weit mehr als Jasmund. Auf der Halbinsel Mönchgut wanderst du durch eine sanft gewellte Hügellandschaft mit Reet gedeckten Fischerhäusern, auf Wittow weht dir der raue Wind um die Ohren, und an der Schaabe spazierst du kilometerlang über feinen Sandstrand. Die Seebäder Binz, Sellin und Göhren laden mit ihrer Bäderarchitektur und langen Seebrücken zum Verweilen ein, während im Hinterland Alleen, Felder und kleine Dörfer ein Stück norddeutsche Gemütlichkeit versprühen.

Wer hier wandert, erlebt eine seltene Mischung: das Erhabene der Steilküste, die Stille der Wälder und die Weite des Meeres. Schnür die Wanderschuhe, pack die Regenjacke ein (denn das Wetter hat hier seinen eigenen Kopf) und lass dich von Rügen verzaubern.

Topografie & Landschaft

Steilküste, Wald, Boddenland

Höhenlage

höchster Punkt Piekberg 161 m

Geländecharakter

Waldpfade, Sandstrand, Promenaden

Infrastruktur

Sehr gut ausgebaut, gut erreichbar

Beste Reisezeit

Frühling bis Herbst

Navigation

Sehenswürdigkeiten & Naturwunder auf Rügen

Der Königsstuhl und die Kreideküste

Der Königsstuhl ist die unangefochtene Ikone Rügens – ein 118 Meter hoher Kreidefelsen, der schon Caspar David Friedrich zu seinem berühmten Gemälde inspirierte. Wenn du auf der modernen Aussichtsplattform stehst, die seit 2023 als freischwebender Skywalk über die Klippe ragt, blickst du senkrecht hinab in eine Welt aus blendend weißer Kreide und tiefblauem Wasser. Es ist einer dieser Orte, an denen man unwillkürlich kurz die Luft anhält.

Rund um den Königsstuhl erstreckt sich die gesamte Kreideküste mit ihren markanten Formationen wie den Wissower Klinken oder der Victoria-Sicht, die vielen als der schönste Aussichtspunkt der Insel gilt. Die Küste ist ständig in Bewegung: Immer wieder brechen Teile ab und legen Feuersteine und manchmal sogar versteinerte Seeigel frei. Wusstest du schon? Die Kreide besteht aus den Schalen winziger Meeresorganismen, die sich über Millionen Jahre am Boden eines urzeitlichen Meeres ablagerten.

Der UNESCO-Buchenwald

Hinter der Steilküste verbirgt sich ein wahres Naturjuwel: die alten Buchenwälder des Nationalparks Jasmund, die 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurden. Hier wachsen Buchen, die teils über 200 Jahre alt sind, und der Wald darf weitgehend sich selbst überlassen bleiben. Totholz bleibt liegen, Pilze und seltene Käfer finden ein Zuhause, und im Frühjahr leuchtet der Waldboden grün vor lauter Buschwindröschen.

Besonders magisch sind die kleinen Moore und Kesselseen mitten im Wald, etwa der Herthasee, um den sich uralte Sagen ranken. Der Legende nach soll die Göttin Hertha hier gebadet haben – und ihre Dienerinnen anschließend im See ertränkt worden sein. Heute liegt der See still und dunkel zwischen den Buchen, und es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, warum die Menschen hier einst Geister vermuteten.

Seebäder und Bäderarchitektur

Binz, Sellin und Göhren sind die Glanzstücke der mondänen Ostseebäder. Weiße Villen mit verspielten Veranden, Türmchen und Schnitzereien säumen die Promenaden, und die Seebrücken ragen weit ins Meer hinaus. Die Seebrücke von Sellin mit ihrem markanten Brückenhaus ist eines der meistfotografierten Motive der Ostsee – besonders im Morgenlicht, wenn die ersten Sonnenstrahlen über das Wasser tanzen.

Wer eine Pause vom Wandern braucht, findet hier Cafés mit Strandkorb-Blick und kleine Eisdielen, die ihren Ruf zu Recht haben. Gönn dir ein Stück Rügener Sanddorntorte – der orangefarbene Sanddorn wächst überall auf der Insel und wird hier als Saft, Likör und Marmelade verarbeitet.

Kulinarik und Land & Leute

Rügen schmeckt nach Meer. Fangfrischer Hering, geräucherter Aal und Fischbrötchen direkt am Hafen gehören zum Pflichtprogramm. In den kleinen Fischerorten wie Vitt oder Lobbe bekommst du den Fisch noch dort, wo er gefangen wurde. Vitt, ein winziges Dorf bei Kap Arkona, steht komplett unter Denkmalschutz und sieht aus, als wäre die Zeit vor 150 Jahren stehengeblieben.

Die Rügener selbst gelten als wortkarg, aber herzlich – ein typischer Küstenschlag eben. Wer hier ins Gespräch kommt, erfährt oft die besten Geheimtipps. Ein solcher ist etwa die kleine Halbinsel Mönchgut, wo der Massentourismus bislang außen vor blieb und du auf den Hügeln des Zickerschen Höft fast allein bist.

Warum Rügen ein Wanderparadies an der Ostsee ist

Wandern zwischen Klippe und Meer

Was Rügen für Wanderer so besonders macht, ist die unvergleichliche Nähe zum Meer. Anders als in den Bergen, wo man stundenlang aufsteigen muss, liegt hier das Spektakuläre oft direkt am Wegesrand. Der berühmte Hochuferweg im Nationalpark Jasmund führt dich kilometerlang entlang der Abbruchkante, mal durch dichten Buchenwald, mal mit freiem Blick auf die schäumende Brandung. Es ist ein ständiges Wechselspiel aus Schatten und Licht, Stille und Meeresrauschen.

Die Wege sind dabei abwechslungsreich: weiche Waldpfade, sandige Strandabschnitte und gut ausgebaute Promenaden. Größere Höhenunterschiede gibt es kaum, der höchste Punkt der Insel, der Piekberg, misst gerade einmal 161 Meter. Trotzdem fordert die Steilküste mit ihrem ständigen Auf und Ab gelegentlich die Wadenmuskulatur heraus.

Für wen sich das Wandern lohnt

Rügen ist erstaunlich vielseitig, was die Zielgruppen angeht. Familien mit Kindern finden flache Küstenwege und Strandabschnitte, an denen kleine Entdecker nach Feuersteinen und Bernstein suchen können. Genusswanderer kommen auf den Promenaden der Seebäder und in den weiten Boddenlandschaften auf ihre Kosten, wo das Tempo gemächlich bleibt.

Aber auch ambitionierte Wanderer werden glücklich: Wer den gesamten Hochuferweg von Sassnitz bis Lohme geht, legt rund 14 Kilometer mit reichlich Treppen und Steigungen zurück. Und für Weitwanderer gibt es sogar einen markierten Rügen-Rundweg, der die ganze Insel umrundet und mehrere Tage in Anspruch nimmt.

Naturerlebnisse zu jeder Jahreszeit

Die Vogelwelt Rügens ist ein eigenes Kapitel. Im Frühjahr und Herbst rasten Tausende Kraniche an den Boddengewässern, und ihr trompetenartiger Ruf hallt über das Land. An der Küste segeln Seeadler über die Klippen, und in den Buchenwäldern hämmern Spechte. Ein Fernglas im Rucksack lohnt sich hier wirklich.

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz: Im Frühling blüht der Waldboden, im Sommer locken Strand und Baden, im Herbst leuchten die Buchen golden, und im Winter liegt eine fast meditative Ruhe über der schneeverwehten Steilküste. Wusstest du schon? Die Kreidefelsen wirken im Winterlicht besonders strahlend weiß, weil die tief stehende Sonne sie regelrecht zum Leuchten bringt.

Aussichtspunkte, die süchtig machen

Neben dem Königsstuhl gibt es zahlreiche weitere Logenplätze. Die Victoria-Sicht bietet den klassischen Postkartenblick auf den Königsstuhl von der Seite. Am Kap Arkona im Norden stehen gleich zwei historische Leuchttürme, von deren Plattform aus du bei klarer Sicht weit über die Ostsee blickst. Und auf dem Tempelberg bei Garz schaust du über das sanfte Hinterland der Insel.

Geheimtipp: Die kleinen Aussichtskanzeln entlang des Hochuferwegs werden oft übersehen, weil alle zum Königsstuhl strömen. Hier hast du die Kreideküste fast für dich allein – und der Blick ist mindestens genauso atemberaubend.

Übernachten zwischen Kreideküste und Buchenwald

Die schönsten Wandertouren auf Rügen & Jasmund

Hochuferweg von Sassnitz zum Königsstuhl

Diese Königsetappe unter den Rügener Wanderungen startet am Stadthafen von Sassnitz und führt dich auf etwa 11 Kilometern bis zum berühmten Königsstuhl. Der gut markierte Hochuferweg verläuft fast durchgehend entlang der Abbruchkante durch den UNESCO-Buchenwald des Nationalparks Jasmund, immer wieder mit spektakulären Tiefblicken auf die Kreideküste.

Unterwegs passierst du die markanten Wissower Klinken, die einst als Vorlage für Caspar David Friedrichs Gemälde gedient haben sollen, und die Victoria-Sicht mit ihrem berühmten Blick auf den Königsstuhl. Der Weg wechselt zwischen schattigem Wald und freien Aussichtskanzeln, und an mehreren Stellen führen steile Treppen hinunter zum Kreidestrand, wo du nach Feuersteinen suchen kannst.

Die Tour ist mittelschwer und durch das ständige Auf und Ab durchaus fordernd. Festes Schuhwerk ist Pflicht. Am Ziel angekommen lohnt sich der Besuch des Nationalpark-Zentrums und des neuen Skywalks. Zurück nach Sassnitz kommst du bequem mit dem Bus, sodass die Tour als Einbahnstrecke ideal planbar ist.

Rundweg um Kap Arkona und Vitt

Am nördlichsten Zipfel Rügens erwartet dich eine etwa 8 Kilometer lange Rundwanderung, die von Putgarten über das Kap Arkona und das Fischerdorf Vitt führt. Da Kap Arkona autofrei ist, beginnt die Tour am Parkplatz in Putgarten, von wo aus du gemütlich zu den beiden historischen Leuchttürmen und dem alten Peilturm spazierst.

Vom Kap aus folgst du dem Küstenweg entlang der Steilküste mit Blick auf die rauschende Ostsee. Hier oben weht meist eine steife Brise – Wind- und Wetterfestigkeit gehören dazu. Ein absolutes Highlight ist das winzige Dorf Vitt, das komplett unter Denkmalschutz steht und mit seinen reetgedeckten Häusern und der kleinen Kapelle wie aus der Zeit gefallen wirkt.

Die Wanderung ist leicht bis mittelschwer und auch für Familien gut geeignet. Am Hafen von Vitt kannst du fangfrischen Räucherfisch genießen, bevor du über die Felder zurück nach Putgarten wanderst. Die Slawenburg am Kap, eine Wallanlage aus dem 9. Jahrhundert, gibt der Tour eine Prise Geschichte mit.

Mönchgut – Zickersche Berge und Klein Zicker

Im Südosten Rügens liegt die Halbinsel Mönchgut, ein wahres Wanderparadies abseits der großen Touristenströme. Diese rund 9 Kilometer lange Rundtour startet in Gager und führt dich über die Zickerschen Berge, eine sanft gewellte Hügellandschaft, die durch die letzte Eiszeit geformt wurde.

Vom Höhepunkt der Wanderung, dem Bakenberg auf dem Zickerschen Höft, hast du einen grandiosen Rundblick über die Boddengewässer, das offene Meer und die umliegenden Halbinseln. Die kargen, von Wind und Salz geprägten Hänge wirken fast wie eine norddeutsche Steppe – ein ganz eigener, rauer Charme.

Weiter geht es hinunter zum beschaulichen Dorf Klein Zicker mit seinen Reetdachhäusern und einem kleinen Strand. Die Tour ist mittelschwer, da die Hügel einige Höhenmeter abverlangen, aber landschaftlich ein Genuss. Perfekt für alle, die Einsamkeit, Weite und Naturschutzgebiete schätzen – hier brüten zahlreiche Wat- und Wasservögel.

Strandwanderung über die Schaabe

Die Schaabe ist eine schmale Landzunge, die die Halbinseln Jasmund und Wittow verbindet, und bietet eine der entspanntesten Strandwanderungen der Insel. Auf etwa 10 Kilometern wanderst du von Juliusruh über den feinen, breiten Sandstrand bis nach Glowe oder umgekehrt – ganz ohne Steigungen, dafür mit viel Meeresrauschen.

Hinter dem Strand erstreckt sich ein lichter Kiefernwald, durch den ebenfalls Wege führen, falls dir der Wind am Strand zu kräftig wird. Die Schaabe gilt als einer der saubersten und schönsten Strände Rügens und ist im Sommer ideal, um Wandern und Baden zu kombinieren.

Diese Tour ist besonders familienfreundlich, da der Untergrund weich und flach ist und unterwegs jede Menge Platz zum Spielen, Muschelsuchen und Picknicken bleibt. Achte nur auf festes Schuhwerk oder gehe barfuß – stundenlang durch tiefen Sand zu stapfen, kann durchaus in die Beine gehen. In Glowe und Juliusruh findest du Einkehrmöglichkeiten und Eisdielen für die wohlverdiente Pause.

Granitz und Jagdschloss von Binz aus

Diese rund 12 Kilometer lange Rundwanderung beginnt im mondänen Seebad Binz und führt dich in das ausgedehnte Waldgebiet der Granitz. Über schattige Buchenwege steigst du sanft an, bis du den Tempelberg erreichst, auf dem das berühmte Jagdschloss Granitz thront – ein neogotisches Bauwerk mit einem gusseisernen Aussichtsturm.

Wer die 154 Stufen des Turms erklimmt, wird mit einem fantastischen Panoramablick über die Insel, die Boddengewässer und die Ostsee belohnt. Das Jagdschloss selbst beherbergt ein sehenswertes Museum und ist eines der meistbesuchten Schlösser Mecklenburg-Vorpommerns.

Auf dem Rückweg nach Binz kannst du einen Abschnitt entlang der Küste und der Strandpromenade wählen, sodass sich Wald und Meer abwechseln. Die Tour ist mittelschwer und durch das schattige Walddach auch an heißen Sommertagen angenehm. Mit etwas Glück begegnet dir der historische Dampfzug Rasender Roland, der mitten durch die Granitz schnauft – ein Erlebnis für Groß und Klein.

Häufige Fragen

Ist Wandern auf Rügen mit Hund erlaubt?

Ja, Rügen ist insgesamt ein sehr hundefreundliches Wanderziel. Auf den meisten Wegen, auch im Nationalpark Jasmund, dürfen Hunde mitgenommen werden, allerdings gilt dort eine Leinenpflicht zum Schutz der sensiblen Tier- und Pflanzenwelt. Gerade entlang der Steilküste ist die Leine ohnehin dringend zu empfehlen, da die Abbruchkanten gefährlich sind.

An den Stränden gibt es ausgewiesene Hundestrände, etwa in Binz, Sellin oder an der Schaabe, wo dein Vierbeiner toben und baden darf. In der Hauptsaison sind viele Badestrände hingegen für Hunde gesperrt. Im Hinterland und in den Boddenlandschaften findest du viel Freiraum. Denk im Sommer an ausreichend Wasser für deinen Hund, da es entlang der Küstenwege nicht immer Trinkgelegenheiten gibt.

Eignet sich Rügen zum Wandern mit Kindern?

Absolut, Rügen ist ein hervorragendes Ziel für Familien. Die Höhenunterschiede sind moderat, und es gibt zahlreiche flache Strand- und Küstenwege, die auch kleinere Kinder gut bewältigen. Besonders beliebt ist die Suche nach Feuersteinen, Bernstein und versteinerten Seeigeln am Kreidestrand – das hält den Nachwuchs garantiert bei Laune.

Empfehlenswert für Familien sind die Strandwanderung über die Schaabe oder kürzere Abschnitte des Hochuferwegs. Auch das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl bietet eine kindgerechte, interaktive Ausstellung. Achte am Königsstuhl und entlang der Steilküste unbedingt darauf, dass Kinder nicht zu nah an die Abbruchkanten gehen. Mit Bollerwagen oder Kinderwagen sind die Waldpfade allerdings nur bedingt befahrbar – hier eignen sich eher die Promenaden der Seebäder.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern auf Rügen?

Rügen lässt sich grundsätzlich das ganze Jahr über erwandern, doch jede Jahreszeit hat ihren eigenen Charakter. Frühling und Herbst gelten als ideal: Im Mai und Juni blüht der Buchenwald, das Wetter ist mild und die Strände sind noch nicht überlaufen. Der Herbst lockt mit goldenen Wäldern und dem beeindruckenden Schauspiel der rastenden Kraniche.

Der Sommer ist Hauptsaison – dann ist es zwar belebt, aber du kannst Wandern und Baden perfekt kombinieren. Wer Ruhe sucht, kommt im Winter: Dann liegt eine fast meditative Stille über der Insel, und die Kreidefelsen leuchten im tief stehenden Sonnenlicht besonders eindrucksvoll. Bedenke nur, dass viele Gastronomiebetriebe außerhalb der Saison geschlossen haben können.

Wie schwierig ist der Hochuferweg im Nationalpark Jasmund?

Der Hochuferweg gilt als mittelschwer. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in großen Höhen, sondern im ständigen Auf und Ab entlang der Steilküste sowie in den zahlreichen Treppen, die teils hinunter zum Strand führen. Über die gesamte Strecke von Sassnitz bis Lohme summieren sich durchaus einige Höhenmeter.

Festes, knöchelhohes Schuhwerk ist dringend empfohlen, da der Waldboden bei Nässe rutschig werden kann. Für die rund 11 Kilometer von Sassnitz zum Königsstuhl solltest du mit etwa drei bis vier Stunden reiner Gehzeit rechnen, plus Pausen an den Aussichtspunkten. Wer es kürzer mag, kann einzelne Abschnitte gehen und mit dem Bus zurückfahren. Eine gewisse Grundfitness und Trittsicherheit sind für die gesamte Strecke von Vorteil.

Muss ich für den Nationalpark Jasmund Eintritt zahlen?

Das Wandern in der Natur des Nationalparks Jasmund ist grundsätzlich kostenlos – die Wege und der Hochuferweg sind frei zugänglich. Eintritt zahlst du lediglich für bestimmte Einrichtungen, insbesondere das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl mit seiner Ausstellung und dem Skywalk direkt am Königsstuhl.

Wenn du den Königsstuhl von der unmittelbaren Plattform aus erleben möchtest, führt der Weg über das kostenpflichtige Zentrum. Wer das umgehen will, kann die kostenlose Victoria-Sicht nutzen, von der aus du den Königsstuhl von der Seite siehst – viele empfinden diesen Blick sogar als den schöneren. Beachte außerdem, dass das Gebiet am Königsstuhl autofrei ist und du entweder zu Fuß, mit dem Bus oder per Fahrrad anreisen musst.

Wie komme ich ohne Auto zu den Wanderwegen?

Rügen ist erstaunlich gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Die Insel ist per Bahn an das Fernverkehrsnetz angebunden, und vor Ort verkehren regelmäßig Busse, die viele Wanderausgangspunkte ansteuern. Besonders praktisch sind die Verbindungen nach Sassnitz, Binz und zum Königsstuhl-Gebiet.

Ein echtes Highlight ist der historische Schmalspurzug Rasender Roland, der zwischen Putbus, Binz, Sellin und Göhren verkehrt und mit dem du gemütlich von Wanderung zu Wanderung tuckern kannst. Da das Königsstuhl-Areal autofrei ist, ist die Anreise mit dem Bus dort sogar die bequemste Variante. Mit der Kurkarte sind in vielen Orten Busfahrten sogar inklusive – das lohnt sich also doppelt.

Gibt es Mehrtagestouren auf Rügen?

Ja, für Weitwanderer bietet Rügen einen ausgeschilderten Rügen-Rundweg, der die gesamte Insel umrundet und sich in mehrere Tagesetappen unterteilen lässt. Je nach Streckenwahl bist du dabei eine bis zwei Wochen unterwegs und erlebst die ganze Vielfalt der Insel: Steilküste, Bodden, Strände, Wälder und Seebäder.

Auch kürzere Mehrtagestouren lassen sich gut zusammenstellen, etwa eine Drei-Tages-Wanderung durch den Nationalpark Jasmund kombiniert mit der Halbinsel Wittow. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in nahezu allen Orten reichlich, von Pensionen über Ferienwohnungen bis zu Hotels. Da Rügen relativ dicht besiedelt ist, musst du selten lange Strecken ohne Einkehr oder Unterkunft zurücklegen – das macht die Planung angenehm flexibel.

Kann ich an der Kreideküste Fossilien finden?

Ja, und das ist einer der schönsten Nebeneffekte des Wanderns am Kreidestrand. Durch die ständige Erosion der Kreidefelsen werden immer wieder Feuersteine und Fossilien freigelegt. Besonders begehrt sind versteinerte Seeigel, die hier im Volksmund auch Donnerstein genannt werden, sowie Belemniten, die fingerförmigen Überreste urzeitlicher Tintenfische.

Mit etwas Glück und einem geübten Auge findest du nach Stürmen die schönsten Stücke direkt am Spülsaum. Das Sammeln einzelner loser Funde am Strand ist erlaubt, das Graben in den Kreidefelsen selbst hingegen verboten, da dies die Steilküste destabilisiert. Halte ohnehin Abstand zur Felswand, da immer wieder Material abbrechen kann. Ein kleines Tütchen für deine Schätze sollte beim Strandspaziergang nicht fehlen.

Wie gefährlich sind die Steilküsten und Abbruchkanten?

Die Kreidefelsen sind ständig in Bewegung, und Abbrüche können jederzeit und ohne Vorwarnung passieren. Deshalb ist Vorsicht oberstes Gebot. Halte sowohl oben am Klippenrand als auch unten am Strand ausreichend Abstand zur Felswand. Insbesondere nach Regen, Frost oder Tauwetter ist die Gefahr erhöht, da das Material dann besonders instabil ist.

Verlasse die markierten Wege nicht und kraxle keinesfalls eigenmächtig an den Klippen herum. Die offiziellen Aussichtsplattformen und Treppen sind sicher und bieten genug Spektakel. Eltern sollten Kinder am Königsstuhl und entlang des Hochuferwegs besonders gut im Auge behalten. Wenn du diese einfachen Regeln beachtest, ist das Wandern an der Kreideküste vollkommen sicher und ein unvergessliches Erlebnis.

Welche Ausrüstung brauche ich zum Wandern auf Rügen?

Die wichtigste Grundausstattung sind feste, wasserfeste Wanderschuhe mit gutem Profil, da die Waldwege bei Nässe rutschig und die Strandabschnitte sandig sein können. Da das Wetter an der Ostsee schnell umschlagen kann, gehört eine winddichte und wasserabweisende Jacke unbedingt in den Rucksack – selbst an sonnigen Tagen kann es an der Küste deutlich frischer und windiger sein.

Sonnenschutz, eine Kopfbedeckung und ausreichend Trinkwasser sind besonders im Sommer wichtig, da viele Küstenwege wenig Schatten bieten. Ein Fernglas lohnt sich für die Vogelbeobachtung, und ein kleines Behältnis für Strandfunde macht Freude. Wer fotografieren möchte, sollte das Morgenlicht nutzen, wenn die Kreidefelsen am eindrucksvollsten leuchten. Ein Wanderstock kann beim Auf und Ab der Steilküste hilfreich sein.

Sind die Wanderwege gut ausgeschildert?

Ja, Rügen verfügt über ein gut ausgebautes und überwiegend solide ausgeschildertes Wanderwegenetz. Der Hochuferweg im Nationalpark Jasmund sowie die wichtigsten Rundwege sind klar markiert, sodass du dich auch ohne große Vorbereitung gut zurechtfindest. An Knotenpunkten findest du häufig Übersichtstafeln mit Karten und Entfernungsangaben.

Trotzdem ist es ratsam, eine gute Wanderkarte oder eine Wander-App mit GPS-Funktion dabeizuhaben, gerade in den weitläufigen Waldgebieten oder auf weniger frequentierten Wegen wie auf Mönchgut. Die Mobilfunkabdeckung ist auf der Insel überwiegend gut. Insgesamt gehört Rügen zu den unkompliziertesten Wanderzielen Deutschlands, was die Orientierung angeht.

Kann ich Wandern und Baden gut kombinieren?

Das ist eine der größten Stärken Rügens. Kaum ein anderes Wanderziel in Deutschland erlaubt es, am Vormittag durch dramatische Steilküsten zu wandern und sich am Nachmittag in die erfrischende Ostsee zu stürzen. Besonders gut funktioniert das an der Schaabe, in Binz, Sellin oder Göhren, wo lange, feine Sandstrände direkt an die Wanderrouten grenzen.

Im Sommer ist die Wassertemperatur angenehm, und die flach abfallenden Strände eignen sich auch für Familien hervorragend. Pack also ruhig die Badesachen ein, wenn du in der warmen Jahreszeit unterwegs bist. Nach einer schweißtreibenden Wanderung gibt es kaum etwas Schöneres, als die müden Füße im kühlen Ostseewasser zu erfrischen und anschließend im Strandkorb die Sonne zu genießen.

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