Wandern im Mühlviertel: Sanfte Hügel, wilde Wälder und stille Granitwelten
Wandern • Mühlviertel

Wandern im Mühlviertel: Sanfte Hügel, wilde Wälder und stille Granitwelten

Granitblöcke, Weitblicke bis zu den Alpen und eine Stille, die man fast hören kann, dieses Land musst du zu Fuß erleben.

Wandern im Mühlviertel

Im Norden Oberösterreichs, dort wo das Land sanft gegen die tschechische Grenze ansteigt, liegt eine Region, die so herrlich unaufgeregt ist, dass man beim Wandern beinahe automatisch tief durchatmet: das Mühlviertel. Zwischen den Flüssen Donau und Moldau erstreckt sich ein wellenförmiges Land aus bewaldeten Kuppen, weiten Hochebenen und geheimnisvollen Granitfeldern, die aussehen, als hätte ein Riese seine Murmeln vergessen.

Wer hier unterwegs ist, entdeckt eine Landschaft, die ohne große Gesten auskommt. Keine schroffen Dreitausender, keine überlaufenen Selfie-Punkte, dafür stille Moorwiesen, murmelnde Bäche, uralte Steinformationen und ein Licht, das über den Feldern liegt wie flüssiges Gold. Das Mühlviertel ist Wandern für Genießer, für alle, die das Tempo herausnehmen und die kleinen Dinge lieben: das Rascheln im Buchenwald, den Duft von frisch gemähtem Heu, den ersten Schluck Most beim Bauern nebenan.

Charakteristisch sind die endlosen Weitblicke. Von den sanften Höhen schweift der Blick über Hügelwellen bis zu den Alpen am südlichen Horizont, während im Norden der Böhmerwald grüßt. Historische Handelswege wie der Goldene Steig, verträumte Dörfer aus Granit und Ortschaften mit lebendigem Handwerk erzählen von einer Region, die ihre Wurzeln nie verloren hat.

Das Mühlviertel ist ein Paradies für Weitwanderer und Tagesausflügler gleichermaßen. Gut markierte Wege, ein dichtes Netz an Themenrouten und die berühmte Mühlviertler Gastfreundschaft machen jede Tour zum kleinen Fest. Und wenn am Abend die Nebel über den Wiesen aufsteigen und die Frösche im Teich ihr Konzert anstimmen, weißt du: Hier bist du angekommen, ganz ohne Getöse, aber mit vollem Herzen.

Topografie & Landschaft

Sanfte bewaldete Hügellandschaft

Höhenlage

bis 1.125 m (Sternstein)

Geländecharakter

Waldpfade, Forstwege, Wiesensteige

Infrastruktur

Gut markiert, viele Einkehrmöglichkeiten

Beste Reisezeit

Mai bis Oktober

Navigation

Was das Mühlviertel so besonders macht

Granitwelten und geheimnisvolle Steinformationen

Das Mühlviertel ruht auf einem der ältesten Gesteinsböden Mitteleuropas. Der berühmte Mühlviertler Granit prägt die gesamte Landschaft und taucht immer wieder in Form spektakulärer Formationen auf. Besonders eindrucksvoll ist die Wackelsteinregion rund um Sandl und Königswiesen, wo riesige Felsblöcke wie von Zauberhand aufeinandergestapelt liegen und manche sich mit einem Fingerdruck bewegen lassen.

Diese sogenannten Wackelsteine und Blockheiden sind über Jahrmillionen durch Verwitterung entstanden. Der Pferdchen- oder der berühmte Wackelstein bei Gutau sind beliebte Wanderziele und erzählen Geschichten von Sagen, Kraftorten und alten Grenzsteinen. Wusstest du schon, dass der Granit aus dem Mühlviertel einst bis nach Wien transportiert wurde und dort in prächtigen Gebäuden verbaut ist?

Land der Mühlen, Moore und Flusstäler

Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Region wird von unzähligen kleinen Flüssen wie der Großen und Kleinen Mühl, der Aist und der Naarn durchzogen, an denen einst hunderte Mühlen klapperten. Viele davon sind heute liebevoll restauriert und lassen sich auf idyllischen Mühlenwanderwegen entdecken.

Besonders faszinierend sind die Hochmoore der Region, etwa das Tannermoor bei Liebenau, eines der größten Latschenhochmoore Österreichs. Über Holzstege wanderst du durch eine urzeitlich anmutende Welt aus Torfmoosen, dunklen Moorseen und knorrigen Kiefern. Ein Naturschauspiel, das an skandinavische Landschaften erinnert und im Herbst in warmen Rottönen leuchtet.

Kulinarik zwischen Most, Brot und Bierkultur

Das Mühlviertel schmeckt nach Ehrlichkeit. Der Mostbirnbaum gehört ebenso zum Landschaftsbild wie die zahlreichen Bauernhöfe, die ihren eigenen Most keltern. Auf den sogenannten Moststraßen lädt manch versteckter Hof zur Verkostung, wo du süffigen Apfel- und Birnenmost direkt vom Erzeuger bekommst.

Berühmt ist die Region auch für ihr kräftiges Bauernbrot, das würzige Selchfleisch und die Leinölspezialitäten, das goldene Leinöl wird hier seit Generationen gepresst und über Erdäpfel mit Topfen geträufelt, ein echter Klassiker. Kleiner Geheimtipp: Die zahlreichen Brauereien und Braugasthäuser rund um Freistadt, wo die Bürger noch heute Miteigentümer der Brauerei sind, bieten eine Bierkultur, die man so kein zweites Mal findet.

Historische Städte und lebendiges Handwerk

Freistadt zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten Österreichs. Die vollständig erhaltene Stadtmauer, das trutzige Schloss und die verwinkelten Gassen versetzen dich zurück in die Zeit, als hier der Salz- und Handelsweg nach Böhmen verlief. Ein Bummel durch die Altstadt lässt sich wunderbar mit einer Wanderung im Umland verbinden.

Auch das Handwerk lebt: In Gutau wird noch der traditionelle Blaudruck gepflegt, ein Färbeverfahren, das zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO zählt. In den Dörfern findest du Steinmetze, Webereien und kleine Manufakturen, die zeigen, dass das Mühlviertel seine Traditionen nicht ins Museum verbannt, sondern lebendig hält.

Warum Wandern im Mühlviertel dein Herz erobert

Sanfte Wege für Genusswanderer

Wer im Mühlviertel wandert, muss keine alpinen Heldentaten vollbringen. Die Landschaft ist von weichen Hügeln geprägt, die zwar stetig auf und ab führen, aber selten wirklich steil werden. Das macht die Region ideal für alle, die lange, entspannte Etappen lieben, ohne sich in Serpentinen zu quälen. Familien mit Kindern, Genusswanderer und alle, die einfach den Kopf frei bekommen wollen, fühlen sich hier besonders wohl.

Die Wegequalität ist durchweg hoch. Ob breite Forstwege, weiche Waldpfade oder schmale Wiesensteige, die Beschilderung ist zuverlässig und die Wege sind gepflegt. Viele Routen führen von Dorf zu Dorf, sodass sich Einkehr und Rast ganz natürlich in den Wandertag einfügen.

Weite Blicke bis zu den Alpen

Das große Geschenk des Mühlviertels sind seine Panoramen. Weil das Land aus zahllosen Kuppen besteht, öffnet sich immer wieder der Blick in die Ferne. Von Aussichtspunkten wie dem Sternstein bei Bad Leonfelden, dem höchsten Punkt der Region, oder dem Viehberg reicht die Sicht an klaren Tagen über die gesamte Alpenkette im Süden bis hinein in den Böhmerwald im Norden.

Besonders magisch sind die frühen Morgenstunden, wenn die Täler noch im Nebel liegen und die Hügelkuppen wie Inseln aus einem weißen Meer ragen. Wer für diesen Anblick früh aufsteht, wird mit einem der schönsten Naturschauspiele belohnt, das man ganz ohne Hochgebirge erleben kann.

Weitwandern auf historischen Pfaden

Das Mühlviertel ist ein Eldorado für Weitwanderer. Fernwege wie der Johannesweg, ein besinnlicher Rundweg über 84 Kilometer, oder der Nordwaldkammweg entlang der tschechischen Grenze ziehen jedes Jahr Menschen an, die auf mehreren Etappen zur Ruhe kommen wollen. Der Johannesweg gilt als spiritueller Weg mit 15 Stationen und ist so beliebt, dass er mittlerweile ein regelrechtes Kultziel geworden ist.

Auch der historische Goldene Steig, einst wichtige Salzhandelsroute nach Böhmen, lässt sich in Teilstücken erwandern. Auf diesen alten Wegen spürst du förmlich, wie hier über Jahrhunderte Menschen mit ihren Lasten unterwegs waren, ein Wandern, das Geschichte unter die Sohlen legt.

Natur pur und tierische Begegnungen

Die Wälder, Moore und Wiesen des Mühlviertels sind Lebensraum für eine erstaunliche Artenvielfalt. Mit etwas Glück begegnest du dem scheuen Schwarzstorch, siehst Rehe am Waldrand oder hörst nachts den Ruf des Uhus. In den Mooren gedeihen fleischfressende Pflanzen wie der Sonnentau, und im Frühsommer verwandeln sich die Wiesen in ein Blütenmeer.

Diese unaufdringliche, aber reiche Natur macht das Wandern hier so besonders. Es geht nicht darum, den nächsten Gipfel abzuhaken, sondern darum, genau hinzuschauen, zu lauschen und die kleinen Wunder am Wegesrand zu entdecken.

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Die schönsten Wanderungen im Mühlviertel

Johannesweg Rundwanderung ab St. Thomas am Blasenstein

Der Johannesweg ist der wohl bekannteste Weitwanderweg des Mühlviertels und führt auf rund 84 Kilometern als Rundweg durch das südöstliche Mühlviertel. Ein besonders lohnender Startpunkt ist St. Thomas am Blasenstein, wo du zugleich das berühmte lufttrocknete Mumienphänomen der örtlichen Pfarrkirche besichtigen kannst. Von hier führt der Weg über sanfte Höhen, durch Wälder und vorbei an 15 besinnlichen Stationen.

Die gesamte Runde wird meist in drei bis vier Etappen gegangen, aber auch einzelne Abschnitte lohnen sich. Der Weg führt über den Blasenstein mit seinen markanten Granitformationen, vorbei am Kraftplatz beim Naarntal und durch stille Dörfer, die zum Verweilen einladen. Unterwegs findest du zahlreiche Einkehrmöglichkeiten und Unterkünfte.

Der Johannesweg ist ideal für alle, die das Wandern mit Entschleunigung und Besinnung verbinden möchten. Er ist bestens markiert, technisch einfach und dennoch fordernd genug, um am Abend das wohlige Gefühl geschaffter Etappen zu genießen.

Auf den Sternstein bei Bad Leonfelden

Der Sternstein ist mit 1.125 Metern der höchste Berg des zentralen Mühlviertels und ein Klassiker für alle, die Weitblick suchen. Vom Kurort Bad Leonfelden führt ein aussichtsreicher Weg durch Mischwald und über Almwiesen hinauf zum Gipfel, wo der Sternsteinturm thront. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick an klaren Tagen über den gesamten Alpenhauptkamm bis zum Böhmerwald.

Der Anstieg ist moderat und in gut zwei Stunden zu bewältigen, sodass die Tour auch für weniger geübte Wanderer und Familien geeignet ist. Wer möchte, kombiniert die Wanderung mit einem Besuch beim Aussichtsturm und einer Einkehr in der Gipfelgastronomie.

Besonders schön ist diese Tour im Herbst, wenn die Wälder in warmen Farben leuchten und die Fernsicht am besten ist. Bad Leonfelden selbst lädt danach mit seiner Kurtradition und der berühmten Lebzelterei zum genussvollen Abschluss ein.

Moorwanderung im Tannermoor bei Liebenau

Das Tannermoor bei Liebenau ist eines der größten und schönsten Latschenhochmoore Österreichs und ein Naturerlebnis der besonderen Art. Ein gut angelegter Rundwanderweg führt über Holzstege und weiche Pfade durch die urzeitliche Moorlandschaft mit ihren dunklen Moorseen, dem sagenumwobenen Rubner Teich und knorrigen Latschenkiefern.

Die Wanderung ist mit rund fünf bis sechs Kilometern gut an einem halben Tag zu schaffen und weitgehend flach, was sie ideal für Familien und Genusswanderer macht. Unterwegs erfährst du auf Infotafeln viel über die einzigartige Flora, darunter der fleischfressende Sonnentau und seltene Moorpflanzen.

Besonders stimmungsvoll ist das Moor in den frühen Morgenstunden oder im Herbst, wenn Nebelschwaden über die Wasserflächen ziehen. Das Tannermoor fühlt sich an wie eine andere Welt, mystisch, still und voller Leben zugleich.

Rundweg durch die Wackelsteinregion bei Königswiesen

Rund um Königswiesen und Sandl liegt die geheimnisvolle Welt der Wackelsteine, riesige Granitblöcke, die durch Verwitterung entstanden sind und teilweise so ausbalanciert liegen, dass sie sich mit der Hand bewegen lassen. Ein markierter Rundweg verbindet die schönsten dieser Formationen und führt durch lichte Wälder und über sanfte Höhen.

Die Tour ist eine echte Entdeckungsreise, denn immer wieder tauchen zwischen den Bäumen bizarre Steingebilde auf, die zum Staunen und Fotografieren einladen. Der Weg ist familienfreundlich und lässt sich flexibel an die eigene Kondition anpassen.

Unterwegs erfährst du viel über die Entstehung der Landschaft und die Sagen, die sich um die Steine ranken. Ein Zwischenstopp beim Pferdchen oder anderen berühmten Formationen gehört ebenso dazu wie die Einkehr in einem der urigen Gasthäuser der Umgebung.

Historischer Stadtrundgang und Wanderung in Freistadt

Freistadt gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten Österreichs und ist ein perfekter Ausgangspunkt für eine Kombination aus Kultur und Natur. Der Weg beginnt in der von einer vollständigen Stadtmauer umgebenen Altstadt, führt vorbei am Schloss mit seinem markanten Bergfried und hinaus in die umliegende Hügellandschaft.

Vom Stadtkern aus lassen sich mehrere Rundwege gehen, die durch Wälder und über Anhöhen mit Blick zurück auf die historische Stadtsilhouette führen. Besonders reizvoll ist der Weg zum nahen Aussichtsberg, von dem du Freistadt eingebettet in die grüne Landschaft überblickst.

Zum Abschluss lohnt sich ein Besuch in der Freistädter Braucommune, der einzigen Bürgerbrauerei Österreichs, wo du ein frisch gezapftes Bier im historischen Ambiente genießen kannst. Diese Tour verbindet Geschichte, Genuss und Natur zu einem runden Erlebnis.

Häufige Fragen

Ist Wandern im Mühlviertel für Anfänger geeignet?

Absolut. Das Mühlviertel ist geradezu ideal für Wandereinsteiger, da die Landschaft von sanften Hügeln geprägt ist und kaum schwierige alpine Passagen aufweist. Die meisten Wege verlaufen über gut ausgebaute Forststraßen, weiche Waldpfade und Wiesensteige, die keine besondere Trittsicherheit erfordern.

Die Höhenunterschiede halten sich in Grenzen, und selbst der höchste Berg, der Sternstein, ist über bequeme Wege erreichbar. Zudem sind die Touren gut markiert und lassen sich flexibel verkürzen, da viele Wege an Dörfern mit Einkehrmöglichkeiten vorbeiführen. So kannst du dein Tempo und deine Etappenlänge ganz nach Belieben anpassen.

Kann ich im Mühlviertel gut mit Hund wandern?

Ja, das Mühlviertel ist eine sehr hundefreundliche Wanderregion. Die weiten Wälder, Wiesen und Feldwege bieten deinem Vierbeiner viel Platz zum Schnüffeln und Erkunden. Da die Wege selten stark frequentiert sind, findest du oft herrlich ruhige Strecken, auf denen ihr fast für euch alleine seid.

Bitte beachte dennoch die Leinenpflicht in Naturschutzgebieten wie dem Tannermoor sowie während der Brut- und Setzzeit, um die Tierwelt zu schützen. Viele Gasthäuser und Unterkünfte heißen Hunde willkommen, und Wasserstellen findest du dank der zahlreichen Bäche fast überall. Nimm im Sommer trotzdem ausreichend Trinkwasser für deinen Hund mit.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten zum Wandern?

Grundsätzlich kannst du im Mühlviertel von Frühjahr bis Herbst wunderbar wandern. Der Frühling verzaubert mit blühenden Wiesen und frischem Grün, während der Sommer angenehm mild ist, da die Höhenlage für kühlere Temperaturen als im Flachland sorgt.

Besonders empfehlenswert ist der Herbst, wenn die Wälder in warmen Farben leuchten, die Fernsicht am klarsten ist und die Moore in stimmungsvolle Nebel gehüllt sind. Auch der Winter hat seinen Reiz für Schneeschuhwanderungen und Winterwanderer, sofern genug Schnee liegt. Die absolute Hochsaison für Weitwanderungen liegt in den Monaten Mai bis Oktober.

Wie gut ist das Mühlviertel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar?

Das Mühlviertel ist über Linz gut angebunden. Von der Landeshauptstadt aus verkehren Regionalbusse und die Mühlkreisbahn in viele Orte der Region. Größere Städte wie Freistadt, Bad Leonfelden oder Rohrbach sind mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.

In den ländlicheren Gebieten und für abgelegene Startpunkte von Wanderungen ist ein Auto allerdings oft praktischer, da die Taktung der Busse dort dünner ausfällt. Für Weitwanderungen wie den Johannesweg empfiehlt es sich, die An- und Abreise gut zu planen. Viele Unterkünfte bieten zudem einen Abholservice oder Gepäcktransport an.

Ist das Mühlviertel für Familien mit Kindern geeignet?

Sehr gut sogar. Die moderaten Höhenunterschiede und die abwechslungsreiche Landschaft machen das Wandern hier zum Vergnügen für Groß und Klein. Besonders die Wackelsteinregion begeistert Kinder, denn riesige Felsen, die man bewegen kann, sind ein echtes Abenteuer.

Auch die Moorwanderung im Tannermoor mit ihren Holzstegen und die vielen Themenwege mit Erlebnisstationen sorgen dafür, dass Kindern nicht langweilig wird. Achte darauf, Strecken zu wählen, die nicht zu lang sind, und plane genug Pausen mit Einkehrmöglichkeiten ein. Viele Höfe bieten zudem Tiere zum Streicheln und regionale Jause, was den Wandertag zum Erlebnis macht.

Wie anspruchsvoll ist der Johannesweg?

Der Johannesweg ist mit seinen rund 84 Kilometern zwar eine echte Weitwanderung, technisch aber nicht besonders schwierig. Er verläuft über sanfte Hügel, durch Wälder und über Feldwege, ohne alpine Herausforderungen. Die meisten Wanderer teilen ihn in drei bis vier Etappen auf.

Wichtig ist eine gewisse Grundkondition, da du täglich zwischen 20 und 28 Kilometer zurücklegst. Gutes Schuhwerk und eine sorgfältige Etappenplanung sind empfehlenswert. Der Weg ist hervorragend markiert, und entlang der Route findest du zahlreiche Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten, sodass du dein Gepäck oft transportieren lassen kannst und leicht wandern gehst.

Gibt es geführte Wanderungen im Mühlviertel?

Ja, in vielen Orten werden geführte Wanderungen und Themenexkursionen angeboten. Besonders in den Tourismusregionen rund um Freistadt, Bad Leonfelden und im Naturpark finden sich zertifizierte Wander- und Naturführer, die dir die Besonderheiten der Landschaft näherbringen.

Beliebt sind geführte Kräuterwanderungen, Moorführungen im Tannermoor sowie geologische Touren durch die Granitwelt. Diese Angebote sind eine wunderbare Möglichkeit, tiefer in die Natur und Geschichte der Region einzutauchen und Orte zu entdecken, die man alleine leicht übersehen würde. Am besten informierst du dich vorab bei den örtlichen Tourismusverbänden über Termine und Anmeldung.

Wo kann ich unterwegs gut einkehren?

Die Einkehrmöglichkeiten im Mühlviertel sind ein echtes Highlight. Zahlreiche Mostschenken, Gasthäuser und Braugasthöfe säumen die Wanderwege und laden zu deftiger, regionaler Küche ein. Probiere unbedingt das würzige Selchfleisch, das kräftige Bauernbrot und die berühmten Erdäpfel mit Leinöl.

In der Region rund um Freistadt lohnt sich der Besuch der Braucommune, der einzigen Bürgerbrauerei Österreichs. Auf den Mostwegen findest du versteckte Bauernhöfe, die selbst gekelterten Most ausschenken. Achte darauf, dass viele kleinere Gasthäuser Ruhetage haben, es lohnt sich also, die Öffnungszeiten vorab zu prüfen, damit dir unterwegs die verdiente Jause nicht entgeht.

Brauche ich eine spezielle Ausrüstung?

Für die meisten Wanderungen im Mühlviertel reicht eine solide Grundausstattung. Feste, wasserabweisende Wanderschuhe mit gutem Profil sind empfehlenswert, da manche Wege durch feuchte Wald- und Moorgebiete führen. Ansonsten genügen dem Wetter angepasste Kleidung, ein Regenschutz und ausreichend Wasser.

Für Weitwanderungen wie den Johannesweg solltest du zusätzlich an einen bequemen Rucksack, Wechselkleidung und eventuell Wanderstöcke denken. Da das Wetter im Mühlviertel wechselhaft sein kann, ist Zwiebellook immer eine gute Idee. Sonnenschutz und Insektenschutz sind besonders im Sommer und in Moorgebieten sinnvoll. Hochalpine Ausrüstung brauchst du hier definitiv nicht.

Was macht das Tannermoor so besonders?

Das Tannermoor bei Liebenau ist eines der größten Latschenhochmoore Österreichs und ein Naturjuwel von europäischer Bedeutung. Es beherbergt eine einzigartige Flora und Fauna, darunter fleischfressende Pflanzen wie den Sonnentau und seltene Moorvögel. Der dunkle Rubner Teich verleiht dem Moor eine geradezu mystische Atmosphäre.

Über gut angelegte Holzstege kannst du diese empfindliche Landschaft schonend durchwandern, ohne den Boden zu betreten. Besonders stimmungsvoll ist das Moor bei Nebel oder im Herbst, wenn die Torfmoose in warmen Farben leuchten. Bitte bleibe unbedingt auf den markierten Wegen, um den geschützten Lebensraum und dich selbst zu schützen, denn Moorböden können trügerisch sein.

Kann man im Mühlviertel mehrtägige Touren gehen?

Ja, das Mühlviertel eignet sich hervorragend für Mehrtagestouren. Neben dem beliebten Johannesweg gibt es den Nordwaldkammweg entlang der tschechischen Grenze sowie Teilstücke historischer Handelsrouten wie den Goldenen Steig. Diese Wege lassen sich in mehreren Etappen mit Übernachtungen in Gasthöfen und Pensionen erwandern.

Viele Unterkünfte sind auf Weitwanderer eingestellt und bieten Services wie Gepäcktransport, wanderfreundliches Frühstück und Tipps zur nächsten Etappe. Die dichte Besiedelung mit kleinen Dörfern sorgt dafür, dass du nie lange ohne Verpflegung oder Nachtquartier bleibst. So kannst du entspannt mehrere Tage unterwegs sein, ohne schweres Zeltgepäck schleppen zu müssen.

Gibt es besondere Aussichtspunkte, die sich lohnen?

Definitiv. Der Sternstein bei Bad Leonfelden ist mit seinem Aussichtsturm der Klassiker und bietet an klaren Tagen Fernsicht über die gesamte Alpenkette bis zum Böhmerwald. Auch der Viehberg und der Blasenstein gehören zu den lohnenden Aussichtsbergen der Region.

Da das Mühlviertel aus zahllosen Hügeln besteht, öffnen sich immer wieder überraschende Weitblicke, oft ganz unerwartet hinter der nächsten Kuppe. Besonders magisch sind die frühen Morgenstunden, wenn die Täler noch in Nebel liegen und die Hügelkuppen wie Inseln aus einem weißen Meer ragen. Für Fotografen und Sonnenaufgangsjäger ist das ein unvergessliches Erlebnis.

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