Harz, Schmalspurbahn auf dem Brocken
Wandern • Harz

Wandern im Harz: Wo Hexen tanzen, Brocken rauchen und Wälder Geschichten erzählen

Wilde Wälder, sagenhafte Gipfel und Hexenmythen – der Harz lädt dich zu Wanderungen ein, die du nicht so schnell vergisst.

Wandern im Harz: Berge, Hexen & Wälder

Der Harz ist kein gewöhnliches Mittelgebirge – er ist ein Ort, an dem sich Sage und Wirklichkeit so eng verweben, dass du nach einer Wanderung selbst nicht mehr ganz sicher bist, ob du eben nicht doch eine Hexe auf dem Besen gesehen hast. Hier, im nördlichsten Hochgebirge Deutschlands, ragt der sagenumwobene Brocken über dunkle Fichtenwälder, neblige Hochmoore und tief eingeschnittene Täler hinaus. Es ist eine Landschaft, die dich gleichermaßen mit rauer Wildheit und stiller Romantik empfängt.

Wer im Harz wandert, taucht ein in eine Welt aus rauschenden Bächen, moosbewachsenen Felsen und Wäldern, die im Wandel begriffen sind. Der Borkenkäfer hat den Fichtenforsten zugesetzt, doch genau dort entsteht gerade etwas Faszinierendes: Aus den abgestorbenen Stämmen wächst eine neue, urwüchsige Wildnis heran. Junge Birken, Vogelbeeren und Buchen erobern das Land zurück, und du wanderst mitten durch einen lebenden Naturprozess.

Zwischen Fachwerkstädtchen wie Wernigerode, Quedlinburg und Goslar, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, und einsamen Hochflächen findest du eine Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Mal stapfst du über den berühmten Harzer-Hexen-Stieg, mal sitzt du an einer Bode-Schlucht und lauschst dem Tosen des Wassers, mal genießt du auf dem Brockengipfel eine Aussicht, die bei klarer Sicht über halb Norddeutschland reicht.

Der Harz ist Heimat für gemütliche Genusswanderer ebenso wie für ambitionierte Gipfelstürmer. Über 8.000 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen die Region, gespickt mit den begehrten Stempelstellen der Harzer Wandernadel – einem Sammelfieber, das schon viele in einen liebevollen Wahnsinn getrieben hat. Schnür die Stiefel, der Harz wartet mit Nebel, Sagen und atemberaubenden Ausblicken.

Topografie & Landschaft

Bewaldetes Mittelgebirge

Höhenlage

Bis 1.141 m (Brocken)

Geländecharakter

Waldwege, Felspfade, Hochmoore

Infrastruktur

Sehr gut ausgebaut, beschildert

Beste Reisezeit

Mai bis Oktober

Navigation

Sehenswürdigkeiten & Naturwunder im Harz

Der Brocken – König der norddeutschen Berge

Mit 1.141 Metern ist der Brocken nicht nur der höchste Gipfel des Harzes, sondern auch der höchste Berg Norddeutschlands – und zugleich der wohl sagenumwobenste. Hier sollen sich der Legende nach in der Walpurgisnacht die Hexen versammeln, um ein wildes Fest zu feiern. Schon Goethe ließ seinen Faust hier hinaufsteigen, und tatsächlich hat dieser Berg etwas Magisches, das sich kaum in Worte fassen lässt.

Oben angekommen erwartet dich – wenn der Nebel mitspielt, was er hier oft genug nicht tut – ein weiter Blick über das Harzer Hochland. Der berühmte Brockengarten zeigt alpine Pflanzen, und mit etwas Glück erlebst du das seltene "Brockengespenst", eine optische Erscheinung, bei der dein eigener Schatten riesengroß auf eine Nebelwand projiziert wird. Wusstest du schon? Der Brocken zählt mit durchschnittlich nur rund 100 nebelfreien Tagen im Jahr zu den nebligsten Orten Deutschlands.

Fachwerkromantik in Quedlinburg, Wernigerode und Goslar

Der Harz ist nicht nur Natur, sondern auch ein lebendiges Freilichtmuseum mittelalterlicher Baukunst. Quedlinburg gehört mit seinen über 1.300 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn du durch die kopfsteingepflasterten Gassen schlenderst, fühlst du dich um Jahrhunderte zurückversetzt – nur dass es heute zum Glück Cafés mit hervorragendem Kuchen gibt.

Wernigerode wird liebevoll die "bunte Stadt am Harz" genannt, überragt vom märchenhaften Schloss auf dem Bergrücken. Goslar wiederum beeindruckt mit seiner Kaiserpfalz und dem Bergwerk Rammelsberg, ebenfalls Weltkulturerbe. Diese Städte sind ideale Ausgangspunkte für Wanderungen und belohnen müde Wanderbeine mit Gemütlichkeit und regionaler Küche.

Bodetal und Rosstrappe – wilde Schluchten und Sagen

Das Bodetal gilt als eine der eindrucksvollsten Felsschluchten nördlich der Alpen. Steil fallen die Hänge zur tosenden Bode ab, während sich der Wanderweg an Felswänden entlangschlängelt. Über dem Tal thronen die Rosstrappe und der Hexentanzplatz – zwei Aussichtsfelsen voller Sagen über Prinzessinnen, Teufel und Pferdehufe.

Die Wanderung von Thale durch das Bodetal ist ein echtes Naturschauspiel. Im Frühjahr rauscht das Wasser besonders kraftvoll, im Herbst leuchten die Laubwälder in allen Farben. Geheimtipp: Steh früh auf und wandere bei Sonnenaufgang los, dann hast du die ansonsten beliebte Schlucht fast für dich allein.

Kulinarik und Land & Leute

Nach einer Wanderung schmeckt im Harz alles besser. Deftige Spezialitäten wie der Harzer Käse (Vorsicht: streng im Geruch, aber herzhaft im Geschmack), Wildgerichte aus den Wäldern und der berühmte Schierker Feuerstein, ein Kräuterlikör, der ursprünglich gegen Magenbeschwerden erfunden wurde, gehören dazu.

Die Harzer sind bodenständig, herzlich und stolz auf ihre Heimat. In den Berggasthöfen wirst du oft mit Geschichten über Bergbau, Hexen und alte Sagen unterhalten. Wusstest du schon? Im Harz wurde über 1.000 Jahre lang Bergbau betrieben – Silber, Kupfer und Blei prägten die Region und ihre Menschen tiefgreifend.

Warum der Harz ein Wanderparadies ist

Ein Wandernetz, das seinesgleichen sucht

Der Harz ist ein wahres Eldorado für Wanderer. Über 8.000 Kilometer bestens markierte Wege durchziehen die Mittelgebirgslandschaft, von gemütlichen Spazierwegen bis zu anspruchsvollen Mehrtagestouren. Die Beschilderung ist vorbildlich, sodass du dich auch ohne GPS gut zurechtfindest – auch wenn ein Blick auf die Karte im Nebel nie schadet.

Das Herzstück ist der berühmte Harzer-Hexen-Stieg, der auf rund 100 Kilometern von Osterode bis nach Thale führt und dabei den Brocken überquert. Wer es kompakter mag, findet unzählige Rundwanderwege, die sich perfekt für Tagesausflüge eignen. Egal ob Anfänger oder Profi – hier wirst du fündig.

Die Harzer Wandernadel – Sammelfieber inklusive

Eine echte Besonderheit des Harzes ist die Harzer Wandernadel mit ihren über 200 Stempelstellen. An markanten Punkten findest du kleine Holzkästen mit einem individuellen Stempel, den du in dein Wanderheft drückst. Was als nette Idee begann, hat sich zu einem regelrechten Phänomen entwickelt: Tausende sammeln eifrig Stempel, um Abzeichen wie den "Harzer Wanderkaiser" zu erlangen.

Dieses System hat einen wunderbaren Nebeneffekt – es führt dich zu Orten, die du sonst vielleicht nie entdeckt hättest. Versteckte Quellen, einsame Aussichtspunkte und stille Waldwinkel werden so zum Ziel. Für Familien mit Kindern ist das Stempelsammeln ein genialer Motivationstrick gegen Wandermüdigkeit.

Landschaftliche Vielfalt auf engem Raum

Was den Harz so besonders macht, ist die enorme landschaftliche Bandbreite auf vergleichsweise kleinem Gebiet. Du wanderst durch dunkle Fichtenwälder, über offene Hochmoore mit Wollgras, entlang rauschender Bäche und durch tief eingeschnittene Felsschluchten. Stauseen wie die Okertalsperre oder der Oderteich bieten erfrischende Spiegelungen, während die Hochflächen rund um den Brocken eine fast nordisch-karge Atmosphäre verströmen.

Der Strukturwandel des Waldes durch den Borkenkäfer hat zudem eine neue Wildnis geschaffen. Wo früher dichte Monokulturen standen, entsteht heute ein dynamischer Naturwald. Diese Veränderung mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, ist aber ein faszinierendes Naturschauspiel und macht Wanderungen abwechslungsreicher.

Für wen ist der Harz das richtige Ziel?

Der Harz ist erstaunlich vielseitig in seinen Zielgruppen. Familien profitieren von kurzen, abwechslungsreichen Wegen mit Brockenbahn, Stempelstellen und Tierparks. Genusswanderer finden gemütliche Touren zu Berggasthöfen, während ambitionierte Wanderer mit dem Hexen-Stieg oder anspruchsvollen Bodetal-Routen gefordert werden.

Auch Hundebesitzer kommen auf ihre Kosten, denn die meisten Wege sind tierfreundlich. Die moderate Höhe sorgt dafür, dass auch ungeübte Wanderer keine alpinen Strapazen fürchten müssen – und trotzdem ein echtes Bergerlebnis bekommen. Im Sommer locken kühle Wälder, im Winter verwandelt sich der Harz in ein verschneites Wintermärchen.

Übernachten im Harz: Gemütliche Unterkünfte für Wanderfreunde

Die schönsten Wandertouren im Harz

Brockenwanderung über den Goetheweg

Diese klassische Tour startet am Bahnhof Drei Annen Hohne und führt über den historischen Goetheweg hinauf auf den Brockengipfel. Der Weg ist nach Johann Wolfgang von Goethe benannt, der diese Route 1777 selbst gegangen ist – du wanderst also buchstäblich auf den Spuren des Dichterfürsten.

Unterwegs passierst du das eindrucksvolle Eckerloch-Hochmoor mit seinem typischen Wollgras und überquerst mehrfach die Gleise der dampfenden Brockenbahn. Der letzte Anstieg zur Brockenkuppe führt durch eine fast baumlose, raue Landschaft, die an Skandinavien erinnert. Oben angekommen belohnt dich – bei gutem Wetter – ein weiter Rundumblick.

Die etwa 16 Kilometer lange Strecke ist konditionell fordernd, aber technisch unkompliziert. Plane ausreichend Zeit ein und nimm warme Kleidung mit, denn auf dem Gipfel ist es selbst im Sommer oft windig und kühl. Wer absteigen mag, kann bequem die Brockenbahn zurück nehmen.

Bodetal-Rundwanderung von Thale nach Treseburg

Diese spektakuläre Tour führt dich durch eine der wildesten Felsschluchten Norddeutschlands. Vom Kurort Thale folgst du dem Wanderweg entlang der tosenden Bode, vorbei an steil aufragenden Granitfelsen und durch dichten Mischwald bis nach Treseburg.

Unterwegs passierst du Aussichtspunkte wie die Teufelsbrücke und kannst Blicke auf die hoch über dem Tal thronende Rosstrappe und den Hexentanzplatz werfen. Das Rauschen des Wassers begleitet dich auf dem gesamten Weg, und im Frühjahr ist die Wasserkraft besonders eindrucksvoll.

Die etwa 10 Kilometer lange Strecke hat einige felsige und schmale Passagen, ist aber gut machbar. Für den Rückweg kannst du den höher gelegenen Hangweg wählen oder ab Thale die Seilbahn zum Hexentanzplatz nehmen, um auch die Aussicht von oben zu genießen. Festes Schuhwerk ist hier Pflicht.

Harzer-Hexen-Stieg – die große Durchquerung

Der Harzer-Hexen-Stieg ist die Königsetappe unter den Harzer Wanderwegen. Auf rund 100 Kilometern durchquert er den gesamten Harz von Osterode am Westrand bis nach Thale im Osten und überquert dabei den Brocken. Die Tour wird üblicherweise in vier bis fünf Tagesetappen gegangen.

Du wanderst durch dichte Wälder, entlang historischer Bergbaugräben wie dem Oberharzer Wasserregal (ebenfalls UNESCO-Welterbe), über den Brockengipfel und schließlich hinab ins dramatische Bodetal. Die Landschaft wechselt ständig – von stillen Stauseen über Hochmoore bis zu wilden Schluchten.

Diese Mehrtagestour eignet sich für konditionsstarke Wanderer, die das Naturerlebnis intensiv auskosten wollen. Unterkünfte findest du in den Orten entlang der Route, etwa in Altenau, Torfhaus oder Schierke. Der Weg ist durchgehend mit dem Hexen-Symbol markiert und gilt als einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands.

Okertal und Romkerhaller Wasserfall

Diese Tour entlang der Okertalsperre und durch das wildromantische Okertal verbindet Wasser, Wald und beeindruckende Granitformationen. Du startest an der Staumauer der Okertalsperre und folgst dem Weg flussabwärts entlang der rauschenden Oker.

Auf dem Weg begegnen dir markante Felsklippen wie der Studentenklippe und der Feigenbaumklippe, die schon Kletterer aus ganz Deutschland anziehen. Highlight ist der Romkerhaller Wasserfall, ein künstlich angelegter, aber dennoch eindrucksvoller Wasserfall, der über eine Felswand in die Tiefe stürzt.

Die etwa 12 Kilometer lange Strecke ist abwechslungsreich und mittelschwer. Sie eignet sich gut für Familien und Genusswanderer, die Natur und kleine Pausen verbinden möchten. An warmen Tagen laden ruhige Uferstellen zum Rasten ein, und im Berggasthof am Wasserfall kannst du einkehren.

Rundweg um die Rappbodetalsperre

Die Rappbodetalsperre ist die höchste Staumauer Deutschlands und ein echtes Ausflugsziel. Der Rundweg führt dich um den Stausee herum, durch dichte Wälder und immer wieder mit Blicken auf das tiefblaue Wasser und die imposante Mauer.

Ein absolutes Highlight ist die Hängebrücke Titan RT, eine der längsten Fußgänger-Hängebrücken der Welt, die in schwindelerregender Höhe über das Tal gespannt ist. Wer schwindelfrei ist, sollte diesen Nervenkitzel nicht verpassen – der Blick hinunter ist atemberaubend.

Die Wanderung lässt sich je nach Variante zwischen 8 und 15 Kilometern gestalten und ist überwiegend gut begehbar. Sie eignet sich für Familien und Naturliebhaber gleichermaßen. Rund um die Talsperre gibt es zudem Adrenalin-Attraktionen wie Megazipline und Wallrunning, falls dir das reine Wandern zu zahm sein sollte.

Wanderung zur Teufelsmauer bei Blankenburg

Die Teufelsmauer ist eine bizarre Felsformation aus hartem Sandstein, die wie eine natürliche Mauer durch die Landschaft zieht. Der Sage nach soll sie der Teufel in einer einzigen Nacht errichtet haben – tatsächlich ist sie das Ergebnis von Millionen Jahren Erosion.

Vom Städtchen Blankenburg oder Weddersleben aus folgst du dem Teufelsmauerstieg entlang der markanten Felszacken. Besonders eindrucksvoll sind die Abschnitte bei Weddersleben mit den charakteristischen Felstürmen, die hoch über dem Land aufragen und herrliche Ausblicke bieten.

Die Tour ist mit etwa 8 bis 10 Kilometern angenehm zu gehen und auch für weniger geübte Wanderer geeignet. Die Felsformation ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Vom höchsten Punkt aus überblickst du das Harzvorland bis weit ins Flachland – ein lohnendes Ziel für einen Halbtagesausflug.

Häufige Fragen

Ist der Harz auch zum Wandern mit Kindern geeignet?

Absolut, der Harz ist sogar ein ideales Wanderziel für Familien. Die moderaten Höhenunterschiede und das gut ausgebaute Wegenetz machen viele Touren auch für kleine Beine machbar. Besonders beliebt ist das Sammeln der Stempel der Harzer Wandernadel, das selbst Wandermuffel zu echten Entdeckern macht.

Empfehlenswerte Familienziele sind das Bodetal mit Seilbahn, der Tierpark in Christianental oder eine Fahrt mit der dampfenden Brockenbahn, die das Wandern auflockert. Achte darauf, die Tourenlänge an das Alter der Kinder anzupassen und genügend Pausen mit Verpflegung einzuplanen, dann wird der Ausflug für alle ein Erfolg.

Kann ich im Harz mit Hund wandern?

Ja, der Harz ist ein sehr hundefreundliches Wandergebiet. Die meisten Wege dürfen mit Hund begangen werden, und viele Berggasthöfe heißen Vierbeiner willkommen. Deinem Hund werden die kühlen Wälder, die zahlreichen Bäche zum Erfrischen und die abwechslungsreichen Wege gefallen.

Beachte allerdings, dass im Nationalpark Harz teilweise Leinenpflicht besteht, um die Tierwelt zu schützen. Gerade in der Brut- und Setzzeit solltest du deinen Hund an der Leine führen. Nimm ausreichend Wasser mit, besonders im Sommer auf den offenen Hochflächen, wo es wenig Schatten gibt.

Wann ist die beste Reisezeit zum Wandern im Harz?

Der Harz ist ein Ganzjahresziel, doch jede Jahreszeit hat ihren eigenen Reiz. Der Frühling lockt mit frischem Grün und kraftvoll rauschenden Bächen, der Sommer bietet angenehm kühle Wälder als Schutz vor der Hitze. Der Herbst verzaubert mit bunten Laubwäldern und oft klarer Fernsicht.

Auch der Winter hat seinen Charme, wenn sich der Harz in eine verschneite Märchenlandschaft verwandelt – dann sind allerdings festes Schuhwerk und gegebenenfalls Grödel ratsam. Generell gilt: Auf dem Brocken kann es zu jeder Jahreszeit neblig, windig und kühl werden, also packe immer warme und wetterfeste Kleidung ein.

Wie anspruchsvoll sind die Wanderungen im Harz?

Die Schwierigkeit reicht von gemütlichen Spaziergängen bis zu fordernden Mehrtagestouren. Da der Harz ein Mittelgebirge ist, musst du keine alpinen Strapazen fürchten, aber durchaus mit ordentlichen Höhenunterschieden rechnen, etwa beim Aufstieg zum Brocken mit rund 1.141 Metern.

Für Einsteiger eignen sich Rundwege wie an der Teufelsmauer oder im Okertal, während ambitionierte Wanderer den Harzer-Hexen-Stieg oder das Bodetal mit seinen felsigen Passagen genießen. Wichtig sind in jedem Fall gutes Schuhwerk und eine realistische Einschätzung der eigenen Kondition.

Brauche ich eine Wanderkarte oder reicht eine App?

Das Wegenetz im Harz ist hervorragend markiert, sodass du dich grundsätzlich gut zurechtfindest. Dennoch empfehlen wir, eine zusätzliche Orientierung dabeizuhaben, denn besonders auf dem Brocken kann dichter Nebel die Sicht stark einschränken.

Eine Wander-App auf dem Smartphone ist praktisch, allerdings ist der Handyempfang in manchen Tälern lückenhaft. Lade deine Karten daher offline herunter. Eine klassische Papierkarte als Backup hat noch nie geschadet, vor allem auf längeren Touren. Die Karten der Harzer Wandernadel sind besonders hilfreich, da sie alle Stempelstellen verzeichnen.

Was hat es mit der Harzer Wandernadel auf sich?

Die Harzer Wandernadel ist ein einzigartiges Stempelsammelsystem mit über 200 Stempelstellen, die über den gesamten Harz verteilt sind. An markanten Punkten findest du kleine Holzkästen mit individuellen Stempeln, die du in ein Wanderheft drückst.

Je mehr Stempel du sammelst, desto höhere Auszeichnungen kannst du erlangen, bis hin zum begehrten "Harzer Wanderkaiser". Dieses System ist nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern führt dich auch zu versteckten Orten, die du sonst womöglich nie entdeckt hättest. Das Wanderheft bekommst du in Touristinformationen und vielen Geschäften der Region.

Wie komme ich auf den Brocken, wenn ich nicht wandern möchte?

Falls dir der Aufstieg zu beschwerlich ist oder das Wetter nicht mitspielt, kannst du den Brocken bequem mit der historischen Brockenbahn erreichen. Diese dampfbetriebene Schmalspurbahn schnauft seit über 100 Jahren den Berg hinauf und ist selbst ein echtes Erlebnis.

Die Bahn fährt von Wernigerode beziehungsweise von Drei Annen Hohne und Schierke aus. Viele Wanderer kombinieren beides: Sie wandern hinauf und fahren mit der Bahn wieder hinunter, oder umgekehrt. Beachte, dass der Gipfel mit dem Auto nicht erreichbar ist, da die Brockenstraße für den Individualverkehr gesperrt ist.

Gibt es im Harz Einkehrmöglichkeiten unterwegs?

Ja, der Harz ist mit zahlreichen Berggasthöfen, Hütten und Restaurants gut versorgt. Auf vielen beliebten Routen findest du gemütliche Einkehrmöglichkeiten, wo du dich mit deftiger Harzer Küche oder einem Stück Kuchen stärken kannst.

Auf dem Brocken gibt es das Brockenhaus mit Gastronomie, und entlang des Hexen-Stiegs liegen immer wieder Orte mit Verpflegungsmöglichkeiten. Dennoch solltest du gerade auf abgelegeneren Touren und im Hochland ausreichend eigene Verpflegung und Wasser mitnehmen, denn nicht jeder Weg führt an einer Hütte vorbei.

Ist der Harz mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar?

Der Harz ist erfreulich gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Städte wie Wernigerode, Goslar, Quedlinburg und Thale haben Bahnhöfe, von denen aus du mit Bussen und den historischen Schmalspurbahnen weiter in die Region kommst.

Die Harzer Schmalspurbahnen verbinden viele Wanderorte miteinander und sind selbst eine Attraktion. Mit der HarzCard oder regionalen Gästekarten kannst du oft kostengünstig Bus und Bahn nutzen. Das macht es möglich, Streckenwanderungen zu planen, bei denen du nicht zum Ausgangspunkt zurückkehren musst.

Warum sehen viele Wälder im Harz so abgestorben aus?

Wenn du durch den Harz wanderst, wirst du auf große Flächen mit toten, grauen Fichten stoßen. Das ist eine Folge des Borkenkäferbefalls, der die Fichtenmonokulturen stark geschädigt hat, verschärft durch trockene Sommer und den Klimawandel.

Was zunächst trist wirkt, ist jedoch Teil eines faszinierenden Naturprozesses. Im Nationalpark Harz lässt man die Natur sich selbst überlassen, und zwischen den abgestorbenen Stämmen wächst bereits ein neuer, vielfältiger Mischwald heran. Du wanderst also durch eine sich verändernde Wildnis – ein lebendiges Beispiel für den Wandel der Natur.

Welche Ausrüstung brauche ich für eine Wanderung im Harz?

Für Wanderungen im Harz sind festes, knöchelhohes Schuhwerk mit gutem Profil und wetterfeste Kleidung das A und O. Das Wetter kann sich gerade in den höheren Lagen schnell ändern, daher gehört eine Regenjacke immer ins Gepäck, ebenso wie eine warme Schicht für windige Gipfel.

Auch bei sommerlichen Touren empfiehlt es sich, ausreichend Wasser, Sonnenschutz und einen kleinen Snack mitzunehmen. Für längere Touren sind Wanderstöcke hilfreich, besonders in den felsigen Abschnitten wie im Bodetal. Eine Wanderkarte oder eine offline verfügbare App rundet die Ausrüstung ab.

Gibt es im Harz gefährliche Tiere oder Pflanzen?

Keine Sorge, der Harz birgt keine ernsthaften Gefahren durch Tiere. Du kannst mit Glück Rotwild, Luchse (sehr selten zu sehen) oder zahlreiche Vogelarten beobachten. Diese Tiere sind scheu und meiden den Menschen. Halte einfach respektvollen Abstand und genieße die Begegnung aus der Ferne.

Bei Pflanzen gilt die übliche Vorsicht: Pflücke nichts Unbekanntes und sei beim Sammeln von Beeren oder Pilzen sicher in der Bestimmung. Achte zudem in der wärmeren Jahreszeit auf Zecken und kontrolliere dich nach der Wanderung. Mit langer Kleidung und einem aufmerksamen Blick bist du gut geschützt.

Eignet sich der Harz für mehrtägige Wanderungen?

Der Harz ist geradezu prädestiniert für Mehrtagestouren. Der berühmte Harzer-Hexen-Stieg durchquert auf rund 100 Kilometern die gesamte Region und lässt sich in vier bis fünf Etappen erwandern. Entlang der Route findest du genügend Unterkünfte in Orten wie Altenau, Torfhaus oder Schierke.

Auch andere Fernwanderwege wie der Karstwanderweg im Südharz bieten mehrtägige Erlebnisse. Da das Wegenetz und die Infrastruktur sehr gut ausgebaut sind, kannst du Etappen flexibel planen und dein Gepäck teilweise sogar von Gepäcktransport-Services bringen lassen, sodass du leichter unterwegs bist.

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