Vulkanische Kegellandschaft in Ebene
Wandern in den Euganeischen Hügeln: Vulkankegel, Thermenzauber und stille Weinpfade in Venetien
Wandern in den Euganeischen Hügeln
Wie grüne Zuckerhüte tauchen sie plötzlich aus der schnurgeraden Poebene auf: die Euganeischen Hügel, ein Ensemble aus über hundert erloschenen Vulkankegeln, das südwestlich von Padua liegt und aussieht, als hätte ein Riese eine Handvoll grüner Kegel in die flache Landschaft geworfen. Wer hier zum ersten Mal wandert, reibt sich verwundert die Augen: Eben noch Maisfelder und Reisplantagen, im nächsten Moment steile Pfade durch dichte Kastanienwälder, Weinterrassen und mediterrane Macchia.
Die Colli Euganei sind der erste Regionalpark Venetiens und ein Mikrokosmos, in dem sich Vulkangeologie, Kultur und Genuss auf engstem Raum begegnen. Zwischen Thermalquellen von Abano und Montegrotto, den heißen Wassern, die schon die Römer schätzten, und mittelalterlichen Dörfern wie Arquà Petrarca, wo der Dichter Francesco Petrarca seine letzten Jahre verbrachte, ziehen sich unzählige markierte Wege über die bewaldeten Kuppen.
Es riecht nach Kastanien im Herbst, nach warmem Fels im Sommer, nach Rosmarin und wildem Thymian, der über die trockenen Südhänge kriecht. Von den höchsten Kegeln, dem Monte Venda und dem Monte Cero, reicht der Blick an klaren Tagen bis zu den Alpen im Norden und zur Adria im Osten. Dazwischen schmiegen sich Weinberge an die Hänge, in denen der kräftige Rotwein Colli Euganei DOC und der süße Fior d'Arancio heranreifen.
Was diese Region so besonders macht, ist ihre Ruhe. Während sich Touristenmassen in Venedig drängen, hat man hier oft ganze Höhenzüge fast für sich allein. Ein Landstrich für alle, die Natur, Geschichte und italienische Lebensart in einem einzigen Wandertag erleben wollen, ohne stundenlange Anfahrten oder überfüllte Gipfel.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
Höchster Punkt: Monte Venda, 601 m
Geländecharakter
Waldpfade, Weinhänge, Trachytböden
Infrastruktur
Gut markiert, Thermenorte, Agriturismi
Beste Reisezeit
Frühling und Herbst
Was die Euganeischen Hügel so besonders macht
Vulkankegel mitten in der Ebene
Die Euganeischen Hügel sind das Ergebnis eines gewaltigen vulkanischen Kapitels vor rund 35 Millionen Jahren. Statt eines einzigen Vulkans schoben sich hier zähflüssige Magmen an die Oberfläche und erstarrten zu markanten Kegeln aus Trachyt, Rhyolith und Basalt. Diese unterschiedlichen Gesteine sind der Grund, warum die Landschaft so abwechslungsreich wirkt: Mal wandert man über heiße, sonnenverbrannte Südhänge mit Feigenkakteen, mal durch schattige, fast schon nordische Waldkühle.
Der höchste Gipfel, der Monte Venda mit 601 Metern, wirkt aus der flachen Umgebung viel mächtiger, als seine Zahl vermuten lässt. Die geologische Vielfalt hat eine botanische Sensation zur Folge: Auf engstem Raum wachsen mediterrane und alpine Pflanzen nebeneinander, ein Phänomen, das Botaniker seit dem 18. Jahrhundert in die Region lockt.
Thermen, die schon Rom kannte
Das Wasser von Abano Terme und Montegrotto Terme gehört zu den ältesten Thermalgebieten Europas. Bereits die Veneter und später die Römer badeten in dem heißen, mineralreichen Wasser, das mit über 80 Grad aus dem Untergrund sprudelt. Wer einen langen Wandertag in den Beinen hat, findet hier die perfekte Belohnung: warmer Schlamm, dampfende Becken und ein Gefühl, das jeden Muskelkater vergessen lässt.
Rund um die Thermenorte finden sich römische Ausgrabungen, antike Thermalanlagen und Museen, die die lange Badegeschichte lebendig halten. Die Kombination aus aktiver Bewegung tagsüber und thermaler Entspannung am Abend macht die Region auch für Genusswanderer attraktiv, die nicht auf Komfort verzichten wollen.
Arquà Petrarca und mittelalterliche Dörfer
Arquà Petrarca zählt zu den schönsten Dörfern Italiens und wirkt wie ein in Stein gemeißeltes Gedicht. Enge Gassen, alte Steinhäuser und das Wohnhaus des großen Dichters Francesco Petrarca, der hier von 1370 bis zu seinem Tod 1374 lebte, versetzen einen zurück ins Mittelalter. Von den umliegenden Wegen aus taucht das Dorf immer wieder überraschend zwischen Olivenhainen und Weinbergen auf.
Auch die Abtei von Praglia, ein imposantes Benediktinerkloster, und das Katharinenkloster auf dem Monte Rua gehören zu den kulturellen Ankerpunkten. Die Mönche pflegen bis heute Kräutergärten und stellen Liköre her, ein Stück gelebte Tradition, das man auf vielen Touren streift.
Wein, Olivenöl und Kastanien
Kulinarisch sind die Colli Euganei ein kleines Paradies. Der vulkanische Boden bringt charaktervolle Weine hervor: kräftige Rote aus Merlot und Cabernet, spritzige Weiße und vor allem den goldenen Fior d'Arancio aus der Muskatellertraube, der von süß bis moussierend reicht. Viele Weingüter laden zu Verkostungen ein, und mancher Wanderweg endet ganz zufällig an einer Cantina.
Wusstest du schon? Die Kastanie von Teolo ist so berühmt, dass ihr im Herbst eigene Feste gewidmet werden. Und das Olivenöl der sonnigen Südhänge zählt zu den nördlichsten Anbaugebieten Italiens, ein kleines Wunder in diesem venezianischen Hügelland. Wer zur Erntezeit unterwegs ist, sollte unbedingt bei einem Bauernhof einkehren.
Warum die Euganeischen Hügel ein Wanderparadies sind
Ein Wegenetz für jede Kondition
Die Euganeischen Hügel sind mit einem dichten, gut markierten Netz aus Wanderwegen des CAI (Club Alpino Italiano) durchzogen. Der berühmteste ist der Anello dei Colli Euganei, ein Rundweg von rund 60 Kilometern, der sich hervorragend in Tagesetappen aufteilen lässt. Daneben gibt es unzählige kürzere Rundwege, die auch mit Familien machbar sind.
Das Schöne: Weil die Kegel einzeln aus der Ebene ragen, kann man fast jeden Gipfel als überschaubare Halbtagestour angehen. Die Höhenunterschiede sind moderat, selten mehr als 400 bis 500 Meter am Stück, und dennoch fühlt es sich dank der Steilheit der Kegel nach echtem Bergwandern an.
Aussichten, die überraschen
Kaum ein anderes Wandergebiet bietet so viele Rundumblicke bei so wenig Aufwand. Vom Monte Venda, vom Monte Cero oder vom Monte Ricco über Monselice reicht der Blick weit über die Poebene. An klaren Tagen erkennt man die schneebedeckten Dolomiten im Norden und die Lagune von Venedig im Osten.
Besonders magisch ist die Stimmung in den Morgenstunden, wenn Nebelschwaden zwischen den Kegeln hängen und die Hügel wie Inseln aus einem Wolkenmeer ragen. Fotografen kommen hier voll auf ihre Kosten, und selbst gestandene Wanderer bleiben immer wieder staunend stehen.
Für wen sich das Wandern lohnt
Die Region ist ein Allrounder. Genusswanderer schätzen die kurzen, weinseligen Runden durch Weinberge und Dörfer. Ambitionierte Tourengeher verketten mehrere Gipfel zu langen, fordernden Etappen. Familien finden sanfte Wege durch Kastanienwälder, und Kulturliebhaber verbinden das Gehen mit Klöstern, Burgen und Petrarcas Erbe.
Auch Naturfreunde kommen auf ihre Kosten: Der Regionalpark schützt seltene Orchideen, Reptilien und eine erstaunliche Vogelwelt. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, entdeckt trockene Steppenlandschaften direkt neben feuchten Wäldern, ein lebendiges Freilichtmuseum der Biologie.
Wegequalität und Orientierung
Die Wege sind überwiegend gut gepflegt und beschildert, doch die Trachyt-Böden können bei Nässe rutschig werden. Feste Wanderschuhe mit gutem Profil sind daher Pflicht. In den Sommermonaten empfiehlt es sich, früh zu starten, denn die sonnigen Südhänge heizen sich stark auf.
Eine gute topografische Karte oder eine Wander-App hilft, denn an manchen Kreuzungen begegnen sich mehrere markierte Routen. Wer sich an die CAI-Nummerierung hält, findet sich aber schnell zurecht und kann Touren flexibel kombinieren.
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Die schönsten Wanderungen durch die Euganeischen Hügel
Rundweg auf den Monte Venda: der höchste Gipfel der Euganeer
Diese Tour startet meist am Parkplatz beim Rifugio am Passo Roccolo bei Teolo und führt auf den 601 Meter hohen Monte Venda, den König der Euganeischen Hügel. Über breite Forstwege und schmale Pfade steigt man durch dichten Mischwald aus Kastanien, Robinien und Eichen bergan, immer wieder von kurzen Aussichtsfenstern begleitet.
Oben angekommen wartet ein besonderes Highlight: die Ruinen des ehemaligen Klosters der Olivetaner-Mönche sowie eine stillgelegte NATO-Militäranlage aus dem Kalten Krieg, die dem Gipfel eine geheimnisvolle Note verleiht. Der Rundblick reicht bei klarer Sicht bis zu den Alpen und zur Adria.
Die etwa 8 bis 10 Kilometer lange Runde mit rund 400 Höhenmetern eignet sich für konditionsstarke Genusswanderer und lässt sich in drei bis vier Stunden bewältigen. Wer möchte, kombiniert den Abstieg mit einem Besuch im nahen Katharinenkloster auf dem Monte Rua.
Von Arquà Petrarca zum Monte Piccolo und Monte Ventolone
Diese abwechslungsreiche Rundtour beginnt im malerischen Dichterdorf Arquà Petrarca, das allein schon einen Besuch wert ist. Von hier führt der markierte Weg durch Olivenhaine und Weinberge hinauf zum Monte Piccolo und weiter zum Monte Ventolone, zwei kleineren Kegeln mit herrlichen Ausblicken auf das umliegende Hügelmeer.
Der Aufstieg wechselt zwischen sonnigen, mediterran duftenden Hängen und schattigen Waldpassagen. Immer wieder öffnet sich der Blick auf das Dorf Arquà mit seinen Steinhäusern, das sich fotogen in die Landschaft schmiegt. Unterwegs passiert man den Laghetto della Costa, einen kleinen archäologisch bedeutsamen See.
Mit rund 7 Kilometern und etwa 300 Höhenmetern ist diese Tour auch für weniger geübte Wanderer und Familien mit älteren Kindern gut machbar. Ein Abstecher zum Petrarca-Haus und ein Glas Fior d'Arancio zum Abschluss runden den Tag perfekt ab.
Der Aussichtsberg Monte Cero über Baone
Der Monte Cero bei Baone ist ein echter Geheimtipp für Panoramaliebhaber. Vom Ortsteil aus führt ein gut markierter Pfad durch trockene Trachythänge und lichte Wälder stetig bergan. Der Kontrast zwischen kargen, fast steppenartigen Südflanken und dem grünen Wald ist eindrucksvoll.
Auf dem Gipfel steht ein markantes Gipfelkreuz, und der Rundblick zählt zu den schönsten der gesamten Colli Euganei: Man überblickt die südlichen Hügel, die Ebene bis Este und Monselice und an klaren Tagen die Alpenkette. Kletterfreunde finden an den Felswänden des Monte Cero sogar Sportkletterrouten.
Die Tour umfasst etwa 6 bis 8 Kilometer und rund 350 Höhenmeter. Sie richtet sich an trittsichere Wanderer, die schöne Aussichten schätzen. Wegen der offenen Südhänge sollte man an heißen Tagen ausreichend Wasser mitnehmen und die Mittagshitze meiden.
Von der Abtei Praglia über den Monte Lonzina
Diese kulturhistorisch reiche Wanderung startet an der beeindruckenden Benediktinerabtei von Praglia bei Bresseo di Teolo. Das Kloster mit seinen Kreuzgängen, der Bibliothek und den Kräutergärten ist ein lohnender Auftakt. Von dort führt der Weg hinauf in die bewaldeten Hänge des Monte Lonzina und der umliegenden Kuppen.
Die Route verläuft überwiegend im schattigen Wald, ideal für warme Tage, und bietet immer wieder Ausblicke auf die Ebene und die benachbarten Kegel. Die Ruhe ist bemerkenswert, oft begegnet man stundenlang keiner Menschenseele, nur dem Rascheln im Laub und dem Gesang der Vögel.
Mit etwa 9 Kilometern und moderaten Höhenmetern eignet sich die Tour gut als Halbtageswanderung. Wer die Zeit vor der Wanderung nutzt, kann in der klostereigenen Verkaufsstelle Liköre, Honig und Kräuterprodukte der Mönche erwerben, ein authentisches Souvenir.
Monselice: von der Rocca zum Colle della Rocca
Diese kurze, aber intensive Tour verbindet Stadtgeschichte mit Naturerlebnis. Ausgangspunkt ist die charmante Stadt Monselice mit ihrer mittelalterlichen Burg Ca' Marcello und der berühmten Via Sacra delle Sette Chiese, einem Pilgerweg mit sieben Kapellen, der zum Sanktuarium hinaufführt.
Vom Stadtzentrum aus steigt man über die alten Befestigungsanlagen und den Weg zum Colle della Rocca, dem markanten Hausberg von Monselice. Oben belohnt ein weiter Blick über die südlichen Euganeer und die Ebene bis zum Horizont. Die Verbindung aus Kultur, Geschichte und Aussicht macht diese Runde besonders reizvoll.
Die kompakte Tour von rund 5 Kilometern mit etwa 200 Höhenmetern ist auch für Einsteiger und Familien bestens geeignet. Sie lässt sich gut mit einem Bummel durch die historische Altstadt und einem Espresso auf der Piazza kombinieren.
Große Runde auf dem Anello dei Colli Euganei
Für ambitionierte Weitwanderer ist der Anello dei Colli Euganei das Nonplusultra. Der rund 60 Kilometer lange Rundweg umschließt das gesamte Hügelmassiv und lässt sich in drei bis vier Tagesetappen aufteilen. Eine besonders schöne Teilstrecke verläuft von Teolo über den Monte Grande und die Höhen bei Galzignano Terme.
Auf dieser Etappe erlebt man die ganze Bandbreite der Region: dichte Kastanienwälder, sonnige Weinhänge, versteckte Klöster und immer wieder grandiose Ausblicke über die Kegellandschaft. Die Wege sind mit dem markanten Logo des Weitwanderwegs beschildert und gut zu finden.
Diese Etappe umfasst je nach Variante 15 bis 20 Kilometer und mehrere hundert Höhenmeter, sie richtet sich an konditionsstarke, erfahrene Wanderer. Übernachten kann man in den Thermenorten oder in Agriturismi entlang der Strecke, wo abends Wein und regionale Küche warten.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit zum Wandern in den Euganeischen Hügeln?
Die ideale Wanderzeit sind Frühling und Herbst. Von April bis Juni blühen die Wiesen und Orchideen, die Temperaturen sind angenehm mild, und die Wälder leuchten in frischem Grün. Der Herbst von September bis November verwöhnt mit der Kastanien- und Weinlese, milden Temperaturen und einer besonders klaren Fernsicht.
Der Sommer ist grundsätzlich möglich, kann in der Poebene aber sehr heiß und schwül werden. Dann empfiehlt es sich, früh am Morgen zu starten und die schattigen Nordhänge zu bevorzugen. Der Winter ist mild und oft schneefrei, sodass auch dann problemlos gewandert werden kann, wenngleich die Tage kurz sind.
Sind die Euganeischen Hügel für Familien mit Kindern geeignet?
Ja, die Region ist ausgesprochen familienfreundlich. Viele Rundwege sind kurz, moderat im Anstieg und führen durch abwechslungsreiche Landschaften, die Kindern nicht langweilig werden. Besonders geeignet sind die Wege rund um Arquà Petrarca, Monselice und die Abtei Praglia, wo sich Wandern mit kulturellen Entdeckungen verbinden lässt.
Für kleinere Kinder eignen sich die sanften Kastanienwälder und die kurzen Aufstiege zu den Hausbergen. Unterwegs gibt es immer wieder Einkehrmöglichkeiten und Bauernhöfe. Ein Tipp: Die Thermalbäder in Abano und Montegrotto bieten auch familienfreundliche Erlebnisbereiche, ideal als Belohnung nach dem Wandertag.
Kann ich mit Hund in den Euganeischen Hügeln wandern?
Absolut, die Euganeischen Hügel sind ein tolles Ziel für Wanderungen mit Hund. Die meisten Wege verlaufen durch Wälder und über Feldwege, wo Vierbeiner viel Auslauf und Abwechslung finden. Da es sich um einen Regionalpark handelt, sollte der Hund in sensiblen Naturzonen und während der Brutzeit an der Leine geführt werden.
Achte im Sommer auf ausreichend Wasser, denn die sonnigen Südhänge können sehr heiß werden und Bäche sind nicht überall vorhanden. Viele Agriturismi und Hotels in der Region sind hundefreundlich. Erkundige dich vorab, ob in Weingütern und bei Verkostungen Hunde willkommen sind, das ist meist der Fall.
Wie komme ich am besten in die Region?
Die Euganeischen Hügel liegen sehr verkehrsgünstig südwestlich von Padua. Mit dem Auto erreicht man die Region über die Autobahn A13 Padua-Bologna, Ausfahrten wie Terme Euganee führen direkt hinein. Von Padua sind es nur etwa 20 Minuten Fahrt.
Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise gut machbar: Padua ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt mit Verbindungen aus ganz Italien und dem Ausland. Von dort verkehren Busse und Regionalzüge zu den Thermenorten und Dörfern am Fuß der Hügel. Der nächste größere Flughafen ist Venedig, rund eine Autostunde entfernt.
Wie anspruchsvoll sind die Wanderungen?
Das Spektrum reicht von einfachen Spaziergängen bis zu fordernden Tagesetappen. Die einzelnen Gipfel wie Monte Venda oder Monte Cero verlangen zwar Trittsicherheit und etwas Kondition, sind aber mit 300 bis 500 Höhenmetern für die meisten gut Trainierten machbar. Die Steilheit der Kegel sorgt für ein echtes Bergfeeling.
Wer es gemütlicher mag, wählt kürzere Rundwege durch Weinberge und Wälder. Für ambitionierte Wanderer bietet der Anello dei Colli Euganei mit rund 60 Kilometern eine mehrtägige Herausforderung. Insgesamt ist die Region für nahezu jedes Fitnesslevel geeignet, solange man die Touren passend auswählt.
Brauche ich spezielle Ausrüstung?
Für die meisten Touren genügen feste Wanderschuhe mit gutem Profil, da die Trachyt-Böden bei Nässe rutschig werden können. Wetterfeste Kleidung und ein kleiner Rucksack mit ausreichend Wasser, besonders im Sommer, gehören ins Gepäck. Sonnenschutz ist auf den offenen Südhängen wichtig.
Eine Wanderkarte oder eine Offline-App zur Orientierung ist empfehlenswert, da sich an manchen Kreuzungen mehrere markierte Wege treffen. Trekkingstöcke können bei steilen Abschnitten helfen. Ansonsten ist keine technische Spezialausrüstung nötig, es sei denn, man möchte am Monte Cero klettern.
Gibt es unterwegs Einkehrmöglichkeiten?
Ja, die Region ist kulinarisch gut versorgt. In den Dörfern und Thermenorten gibt es zahlreiche Trattorien, Osterien und Agriturismi, die regionale Küche und die berühmten Weine der Colli Euganei anbieten. Viele Weingüter laden zu Verkostungen ein, oft direkt an oder in der Nähe der Wanderwege.
Auf den Gipfeln selbst gibt es hingegen selten Verpflegungsmöglichkeiten, daher lohnt es sich, für längere Touren eine Brotzeit einzupacken. Ein Klassiker ist die Einkehr nach der Wanderung bei einem Glas Fior d'Arancio und lokalen Spezialitäten wie Kastanien, Käse und Wildgerichten im Herbst.
Kann ich Wandern und Thermenbesuch kombinieren?
Diese Kombination ist geradezu die Königsdisziplin der Region. Abano Terme und Montegrotto Terme gehören zu den bedeutendsten Thermalgebieten Europas. Nach einem anstrengenden Wandertag gibt es kaum Besseres, als die müden Muskeln im warmen, mineralreichen Thermalwasser zu entspannen.
Viele Hotels in den Thermenorten bieten eigene Wellnessbereiche und liegen ideal als Basislager für Tageswanderungen. So lassen sich Aktivität und Erholung perfekt verbinden. Wer eine Wanderwoche plant, sollte unbedingt einen oder mehrere Thermentage einbauen, um die berühmte heilsame Wirkung des Wassers zu genießen.
Sind die Wege gut markiert?
Die Wanderwege in den Euganeischen Hügeln sind überwiegend gut vom CAI, dem italienischen Alpenverein, markiert und mit Nummern versehen. Der Anello dei Colli Euganei trägt zusätzlich ein eigenes Wegzeichen. An den meisten Ausgangspunkten und Kreuzungen findet man Wegweiser mit Zielangaben und Gehzeiten.
Dennoch kann es an einigen Verzweigungen etwas unübersichtlich werden, da sich mehrere Routen kreuzen. Eine Wanderkarte oder eine digitale Navigation gibt zusätzliche Sicherheit. Wer sich an die Wegnummern hält, kann Touren flexibel verlängern, abkürzen oder verschiedene Gipfel miteinander verketten.
Was macht die Region geologisch so besonders?
Die Euganeischen Hügel sind vulkanischen Ursprungs und entstanden vor etwa 35 Millionen Jahren. Anders als bei klassischen Vulkanen drang das Magma damals nicht immer bis zur Oberfläche, sondern erstarrte teils im Untergrund. Dadurch entstanden Gesteine wie Trachyt, Rhyolith und Basalt, die den Hügeln ihre unterschiedlichen Formen geben.
Diese geologische Vielfalt hat spannende Folgen: Auf engstem Raum finden sich mediterrane Trockenhänge neben feuchten, fast alpinen Wäldern. Botaniker schätzen die Region seit Jahrhunderten für ihren Artenreichtum. Wer mit offenen Augen wandert, entdeckt seltene Orchideen, Feigenkakteen und eine erstaunliche Tierwelt.
Wo sollte ich am besten übernachten?
Als Basislager eignen sich die Thermenorte Abano Terme und Montegrotto Terme mit ihrer großen Auswahl an Hotels und Wellnessangeboten. Wer es ländlicher und authentischer mag, findet in den Dörfern rund um die Hügel, etwa in Teolo, Galzignano Terme oder Arquà Petrarca, charmante Agriturismi mit eigenen Weinbergen.
Ein Agriturismo bietet den Vorteil, dass man direkt inmitten der Natur wohnt, oft mit hausgemachten Speisen und Weinen aus eigenem Anbau. Die zentrale Lage der Region macht es leicht, verschiedene Ausgangspunkte in kurzer Zeit zu erreichen. So kann man vom selben Quartier aus ganz unterschiedliche Ecken erkunden.
Lohnt sich ein Besuch von Arquà Petrarca?
Unbedingt. Arquà Petrarca zählt zu den schönsten Dörfern Italiens und ist ein absolutes Highlight jeder Wanderung in der Region. Das mittelalterliche Steindorf wirkt wie aus der Zeit gefallen, mit engen Gassen, alten Häusern und dem Wohnhaus des berühmten Dichters Francesco Petrarca, das heute als Museum besichtigt werden kann.
Rund um das Dorf ziehen sich Wanderwege durch Olivenhaine und Weinberge, sodass sich ein Ortsbesuch wunderbar mit einer Tour verbinden lässt. Auch kulinarisch lohnt sich der Stopp: Arquà ist bekannt für seine Jujube-Früchte, aus denen der süße Likör Brodo di Giuggiole hergestellt wird, eine echte lokale Spezialität.