Zerklüftetes Kalkgebirge mit Almen
Wandern in den Carnischen Alpen: Wildes Friaul zwischen Almen, Dolomiten-Zacken und Weltkriegsgeschichte
Wandern in den Carnischen Alpen
Irgendwo zwischen den bekannten Dolomiten und dem türkisblauen Adria-Küstenstreifen liegt ein Bergland, das viele auf ihrer Reisekarte einfach überblättern – und das ist ihr Fehler. Die Carnischen Alpen im äußersten Norden Friauls sind so etwas wie das gut gehütete Familiengeheimnis der Ostalpen: rau, ehrlich, unaufgeregt schön und wunderbar frei von Massentourismus.
Hier ziehen sich zerklüftete Kalkgrate über sanfte, blumenübersäte Almwiesen, während unten in den Tälern das Wasser der Wildbäche über glatte Felsen springt. Der Karnische Höhenweg, einer der geschichtsträchtigsten Fernwanderwege der Alpen, folgt der Grenze zwischen Italien und Österreich – exakt dort, wo im Ersten Weltkrieg der sogenannte Gebirgskrieg tobte. Wer heute über diese Pfade wandert, spürt bei jedem Schritt die Doppelnatur dieser Landschaft: friedliche Bergstille und leise Erinnerung zugleich.
Die Carnia, wie die Einheimischen ihre Heimat nennen, ist ein Landstrich mit eigener Seele. Man spricht hier oft Friaulisch, kocht mit Wildkräutern und dem berühmten Frico-Käse und begrüßt Wanderer mit einer Herzlichkeit, die man in touristisch überlaufenen Regionen längst verlernt hat. Die Dörfer schmiegen sich in enge Täler, kleine Kirchen tragen mittelalterliche Fresken, und über allem thronen Gipfel wie der Monte Coglians, mit 2.780 Metern der höchste Berg Friauls.
Was diese Region so einzigartig macht, ist ihre Ungezähmtheit. Du findest hier keine perfekt durchgestylten Erlebniswelten, sondern echte Almen, auf denen noch Kühe grasen und Sennerinnen Käse machen. Du triffst auf Wanderwege, die manchmal ordentlich Waden fordern, und wirst mit Ausblicken belohnt, die du garantiert nicht mit hundert anderen Fotografen teilen musst. Kurz gesagt: Die Carnischen Alpen sind ein Ort für alle, die das Wandern noch als Abenteuer verstehen – und nicht als Instagram-Kulisse.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
bis 2.780 m (Monte Coglians)
Geländecharakter
Bergpfade, Militärwege, Almwiesen
Infrastruktur
Berghütten, kleine Bergdörfer
Beste Reisezeit
Mitte Juni bis Ende September
Natur, Kultur und Geheimtipps der Carnischen Alpen
Der Monte Coglians – Friauls stolzer König
Mit seinen 2.780 Metern ist der Monte Coglians (auf Deutsch Hohe Warte) der höchste Gipfel der gesamten Region und ein echter Sehnsuchtsberg für Wanderer und Bergsteiger. Von seinem Gipfelkreuz reicht der Blick an klaren Tagen über die gesamte Kette der Carnischen Alpen bis hinüber zu den Julischen Alpen und den fernen Dolomiten. Der Aufstieg ist anspruchsvoll und teilweise klettersteigartig gesichert, doch das Gipfelerlebnis entschädigt für jeden Schweißtropfen.
Rund um den Coglians erstreckt sich eine Landschaft, die geologisch zu den ältesten und spannendsten der Alpen gehört. Hier findest du Fossilienfelder aus der Devonzeit, uralte Korallenriffe, die einst auf dem Grund eines tropischen Meeres lagen. Der Naturpark der Carnischen Alpen schützt diesen Schatz und bietet geführte geologische Wanderungen an, bei denen du Versteinerungen von über 400 Millionen Jahren bestaunen kannst.
Kulinarik: Frico, Speck und Wildkräuter
Die Küche der Carnia ist deftig, ehrlich und tief mit dem Land verwurzelt. Das absolute Nationalgericht ist der Frico – ein knuspriger oder cremiger Käsekuchen aus Montasio-Käse, oft mit Kartoffeln und Zwiebeln zubereitet. Nach einer langen Bergtour gibt es kaum etwas Befriedigenderes als eine Portion Frico auf einer Almhütte, dazu ein Glas kräftigen Friulano-Wein aus dem Tal.
Neben dem Käse spielt Wild eine große Rolle, ebenso wilde Kräuter, die im Frühjahr auf den Wiesen gesammelt werden. Probiere unbedingt die Cjarsons, eine gefüllte Teigtasche mit einer verblüffenden süß-herzhaften Füllung aus Kräutern, Rosinen und Ricotta – ein Rezept, das von Familie zu Familie variiert und ein kleines Stück carnische Seele auf dem Teller ist.
Geschichte am Grat: Der Gebirgskrieg
Kaum eine Region trägt ihre Geschichte so sichtbar in den Bergen wie die Carnischen Alpen. Entlang des Grenzkamms verlief im Ersten Weltkrieg die Front zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Noch heute stößt du auf Schützengräben, Stellungen, Kavernen und Gedenktafeln, die an die dramatischen Ereignisse von 1915 bis 1917 erinnern.
Das Freilichtmuseum am Monte Freikofel und die Anlagen am Pal Piccolo machen diese Geschichte greifbar. Wandern hier bedeutet immer auch ein Stück Erinnerungskultur – ein nachdenklicher, aber wichtiger Aspekt, der diese Berge von rein sportlichen Zielen unterscheidet.
Wusstest du schon?
Die kleine Gemeinde Sauris (Zahre) im Herzen der Carnia ist eine deutschsprachige Sprachinsel, in der ein uralter bairischer Dialekt gesprochen wird. Hier wird noch heute der berühmte Speck von Sauris über Buchenholz geräuchert – ein geschütztes Produkt, das du in ganz Italien bekommst. Und Sauris besitzt eine der höchstgelegenen Brauereien Italiens sowie einen türkisblauen Stausee, der an skandinavische Fjorde erinnert.
Ein weiterer Geheimtipp ist das Bergdorf Ravascletto mit dem Skigebiet Zoncolan, dessen brutale Anstiege jedem Giro-d'Italia-Fan bekannt sind. Im Sommer verwandelt sich der Berg in ein ruhiges Wanderparadies mit Weitblick.
Warum Wandern in den Carnischen Alpen so besonders ist
Einsamkeit, die man heute suchen muss
Während sich in den benachbarten Dolomiten die Wanderer auf den bekannten Routen drängen, kannst du in den Carnischen Alpen stundenlang gehen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Genau diese Einsamkeit ist das größte Kapital der Region. Wer die Stille sucht, das Rauschen des Windes über den Graten und das ferne Läuten der Kuhglocken, ist hier goldrichtig.
Die Wege sind dabei überwiegend gut markiert, aber nicht überlaufen ausgebaut. Du wanderst über echte Bergpfade, alte Hirtensteige und historische Militärwege. Das erfordert manchmal Trittsicherheit, belohnt dich aber mit dem Gefühl, ein echtes Abenteuer zu erleben statt einen betonierten Erlebnisparcours abzulaufen.
Der Karnische Höhenweg – Fernwandern der Extraklasse
Das absolute Herzstück des Wanderangebots ist der Karnische Höhenweg (Traversata Carnica), der über rund 155 Kilometer entlang der Grenze zwischen Italien und Österreich verläuft. In mehreren Etappen führt er von Sillian im Osttirol bis nach Thörl-Maglern und verbindet dabei zahlreiche Schutzhütten miteinander.
Diese Mehrtagestour ist ein Klassiker für ambitionierte Wanderer, die Weite und Höhenmeter lieben. Du übernachtest auf urigen Hütten, genießt Sonnenaufgänge über endlosen Gratlinien und wanderst durch eine Landschaft, in der jeder Kilometer Geschichte erzählt. Ein Erlebnis, das sich tief einprägt.
Für wen sind die Carnischen Alpen geeignet?
Die Region spricht vor allem erfahrene Wanderer an, die konditionell fit sind und keine Angst vor längeren Anstiegen haben. Doch auch Familien und Genusswanderer kommen auf ihre Kosten: In den Tälern und rund um die Almen gibt es viele einfachere Routen, sanfte Wiesenwege und leicht erreichbare Hütten mit Panoramablick.
Wer es gemütlich mag, findet ruhige Talwanderungen entlang klarer Bäche, Themenwege zur Geologie oder zur Kriegsgeschichte und familienfreundliche Almwanderungen. Wer die Herausforderung sucht, dem stehen anspruchsvolle Gipfel und gesicherte Klettersteige offen. Diese Mischung macht die Carnia so vielseitig.
Naturerlebnis pur
Die Artenvielfalt der Carnischen Alpen ist beeindruckend. Im Frühsommer verwandeln sich die Almwiesen in ein Meer aus Enzian, Alpenrosen und seltenen Orchideen. Murmeltiere pfeifen von den Hängen, Gämsen ziehen über die Felsen, und mit etwas Glück siehst du hoch über dir einen Steinadler kreisen.
Besonders reizvoll sind die kristallklaren Bergseen und die zahlreichen Wasserfälle, die sich nach der Schneeschmelze über die Felswände stürzen. Die Kombination aus Kalkgestein, Wasser und üppiger Vegetation schafft eine Landschaft, die zu jeder Jahreszeit ein neues Gesicht zeigt.
Unterkünfte und Berghütten in den Carnischen Alpen
Die schönsten Wandertouren in den Carnischen Alpen
Auf den Monte Coglians (Hohe Warte) – Friauls höchster Gipfel
Diese Königstour startet am Rifugio Marinelli, das du über die Straße vom Ortsteil Collina oberhalb von Forni Avoltri erreichst. Vom Hüttenparkplatz führt der markierte Steig CAI 143 zunächst über Geröllfelder und blumige Hochwiesen hinauf zum Fuß des mächtigen Kalkmassivs. Der Aufstieg ist lang und fordernd, teilweise mit Drahtseilen und Trittstiften gesichert – hier ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit absolute Pflicht.
Der obere Teil verläuft über einen ausgesetzten Klettersteig-Abschnitt, für den ein Klettersteigset empfehlenswert ist. Doch die Mühe lohnt sich: Vom Gipfelkreuz auf 2.780 Metern öffnet sich ein grandioses Rundumpanorama über die gesamten Carnischen Alpen, die Julischen Alpen und bis zu den Hohen Tauern.
Die Tour richtet sich an erfahrene Bergsteiger und dauert insgesamt rund sieben bis acht Stunden. Am Rifugio Marinelli, einer der höchstgelegenen Hütten der Region, kannst du hervorragend einkehren und übernachten, um den Gipfel entspannt am nächsten Morgen anzugehen.
Etappe des Karnischen Höhenwegs: Vom Plöckenpass zum Rifugio Marinelli
Diese hochalpine Etappe des Karnischen Höhenwegs (Traversata Carnica) beginnt am geschichtsträchtigen Plöckenpass (Passo di Monte Croce Carnico), der die Grenze zwischen Italien und Österreich markiert. Von hier folgst du dem Grenzkamm über weite Hochflächen und alte Militärsteige, vorbei an den Kriegsschauplätzen von Pal Piccolo und Freikofel.
Der Weg zieht sich entlang der Wasserscheide und bietet ständig wechselnde Ausblicke nach Norden ins Gailtal und nach Süden in die friaulischen Täler. Immer wieder stößt du auf Reste von Schützengräben, Stellungen und Gedenktafeln aus dem Ersten Weltkrieg, was dieser Etappe einen besonders eindringlichen Charakter verleiht.
Nach mehreren Stunden erreichst du das Rifugio Marinelli, wo du einkehrst und übernachtest. Diese Etappe ist konditionell anspruchsvoll und richtet sich an fitte Wanderer mit Erfahrung im hochalpinen Gelände. Festes Schuhwerk und ausreichend Verpflegung sind Pflicht, da es unterwegs keine Einkehrmöglichkeiten gibt.
Rundwanderung am Lago di Sauris und durch die Sprachinsel Zahre
Diese entspannte Rundtour startet im deutschsprachigen Bergdorf Sauris di Sopra und führt hinunter zum türkisblauen Stausee Lago di Sauris. Der Weg schlängelt sich durch dichte Nadelwälder und über sonnige Lichtungen, während der See in immer neuen Farbnuancen zwischen den Bäumen aufblitzt.
Entlang der Route lernst du die Besonderheiten dieser einzigartigen bairischen Sprachinsel kennen. In Sauris di Sotto lohnt sich ein Abstecher zur berühmten Räucherei Wolf, wo der geschützte Prosciutto di Sauris über Buchenholz geräuchert wird. Auch die kleine Brauerei Zahre lädt zu einer wohlverdienten Pause ein.
Die Tour ist mit rund drei bis vier Stunden gut an einem halben Tag machbar und eignet sich hervorragend für Familien und Genusswanderer. Die moderaten Höhenunterschiede und die guten Wege machen sie zu einem idealen Einstieg in die carnische Bergwelt, kombiniert mit kulinarischem und kulturellem Erlebnis.
Zum Rifugio Fabiani und den Fossilienfeldern des Monte Zermula
Diese Tour startet im Bereich von Paularo und führt hinauf zum Rifugio Fabiani am Fuß des Monte Zermula. Der Aufstieg verläuft über gut markierte Steige durch Latschenkiefern und über blumenreiche Almwiesen, auf denen im Sommer Kühe grasen und der Duft von Bergkräutern in der Luft liegt.
Der Monte Zermula ist ein geologisches Highlight der Carnischen Alpen. In den Kalkfelsen finden sich zahlreiche Fossilien aus dem Devon und Karbon – versteinerte Korallen und Meerestiere, die belegen, dass diese Berge einst auf dem Grund eines tropischen Meeres lagen. Wer aufmerksam schaut, entdeckt die uralten Abdrücke direkt im Gestein.
Vom Rifugio Fabiani aus lässt sich der Gipfel des Zermula über einen gesicherten Steig erreichen. Die Tour eignet sich für konditionsstarke Wanderer und dauert je nach Route zwischen fünf und sieben Stunden. Die Hütte bietet regionale Küche und eine herrliche Terrasse mit Blick über die umliegenden Berge.
Familienwanderung zur Casera Razzo und den Almen des oberen Piave-Tals
Diese gemütliche Wanderung beginnt an der Passhöhe der Sella di Razzo und führt über sanfte Almflächen zur Casera Razzo. Der Weg ist breit und wenig steil, ideal für Familien mit Kindern und alle, die die Weite der carnischen Hochebenen ohne große Anstrengung genießen möchten.
Rund um die Casera erstrecken sich weite Weideflächen, auf denen Pferde und Kühe grasen. Die Landschaft wirkt hier fast skandinavisch weit, mit sanft geschwungenen Hügeln, kleinen Bachläufen und einem endlosen Himmel. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf die umliegenden Gipfel der Carnischen und der angrenzenden Dolomiten.
Die Tour lässt sich flexibel gestalten und je nach Kondition verlängern. Auf der Alm gibt es im Sommer meist frischen Käse und einfache Verpflegung. Mit rund zwei bis drei Stunden reiner Gehzeit ist diese Runde perfekt für einen entspannten Wandertag, an dem das Naturerlebnis und die Ruhe im Vordergrund stehen.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit zum Wandern in den Carnischen Alpen?
Die ideale Wandersaison in den Carnischen Alpen reicht von Mitte Juni bis Ende September. In diesem Zeitraum sind die höheren Steige in der Regel schneefrei und die Berghütten geöffnet. Der Frühsommer ist besonders reizvoll, weil dann die Almwiesen in voller Blüte stehen und die Bäche nach der Schneeschmelze kräftig fließen.
Der Hochsommer im Juli und August bietet die stabilste Wetterlage, kann aber gerade nachmittags Gewitter mit sich bringen – ein früher Start ist daher empfehlenswert. Der September ist bei vielen Kennern der Geheimtipp: klare Luft, angenehme Temperaturen und deutlich weniger Betrieb. Im Frühjahr und Herbst sind viele Hochtouren aufgrund von Schnee oder geschlossenen Hütten nur eingeschränkt möglich.
Kann ich in den Carnischen Alpen mit Hund wandern?
Ja, die Carnischen Alpen sind grundsätzlich sehr hundefreundlich und die Wanderwege bieten viel Freiraum für vierbeinige Begleiter. Auf den Talwanderungen und einfacheren Almwegen ist dein Hund bestens aufgehoben, solange du ihn im Bereich von Weideflächen an der Leine führst – hier grasen oft Kühe und teilweise auch Herdenschutztiere.
Bei anspruchsvolleren Touren wie dem Aufstieg auf den Monte Coglians solltest du gut abwägen, ob die klettersteigartigen und gesicherten Passagen für deinen Hund geeignet sind. Auf vielen Berghütten sind Hunde willkommen, es empfiehlt sich aber, vorab anzurufen. Denk immer an ausreichend Wasser für deinen Vierbeiner, denn nicht überall gibt es Bäche oder Tränken.
Sind die Carnischen Alpen für Familien mit Kindern geeignet?
Absolut. Auch wenn die Region für ihre anspruchsvollen Gipfeltouren bekannt ist, gibt es zahlreiche familienfreundliche Wanderungen. Besonders die Runde um den Lago di Sauris, die Almwanderung zur Casera Razzo oder gemütliche Talwege entlang der Bäche eignen sich hervorragend für Kinder.
Viele Almen und Hütten bieten kindgerechte Verpflegung, und das Naturerlebnis mit Murmeltieren, Kühen und klaren Bergbächen begeistert die Kleinen. Für ältere Kinder mit etwas Bergerfahrung sind auch längere Touren machbar. Wichtig ist, die Etappen an die Kondition der Kinder anzupassen und genügend Pausen einzuplanen. Themenwege zur Geologie oder Kriegsgeschichte machen das Wandern zusätzlich spannend.
Wie anspruchsvoll sind die Wanderungen in den Carnischen Alpen?
Das Spektrum reicht von einfachen Talwanderungen bis zu hochalpinen Klettersteigtouren. Für Einsteiger und Genusswanderer gibt es zahlreiche moderate Wege in den Tälern und auf den Almen, die keine besondere Erfahrung erfordern.
Anspruchsvoller wird es bei den Gipfeltouren und den Etappen des Karnischen Höhenwegs. Hier sind gute Kondition, Trittsicherheit und teilweise auch Klettersteigausrüstung nötig. Der Monte Coglians etwa verlangt Erfahrung im gesicherten Gelände. Grundsätzlich gilt: Die Wege sind gut markiert, aber weniger stark ausgebaut als in touristischeren Regionen, was einen gewissen Grad an Selbstständigkeit voraussetzt.
Muss ich auf den Berghütten reservieren?
Ja, besonders in der Hauptsaison von Juli bis September und speziell bei Übernachtungen auf beliebten Hütten wie dem Rifugio Marinelli ist eine Reservierung dringend zu empfehlen. Da die Region weniger überlaufen ist als die Dolomiten, sind die Hütten zwar meist nicht restlos ausgebucht, aber gerade an Wochenenden und Feiertagen kann es eng werden.
Ein Anruf oder eine E-Mail vorab sichert dir nicht nur einen Schlafplatz, sondern gibt dir auch die Möglichkeit, die aktuelle Wegesituation und die Wetterlage zu erfragen. Die Hüttenwirte kennen ihre Berge und geben dir wertvolle Tipps. Nimm für die Übernachtung einen Hüttenschlafsack mit, wie in italienischen Rifugios üblich.
Wie komme ich am besten in die Carnischen Alpen?
Die Carnischen Alpen erreichst du am besten mit dem Auto. Von Norden aus führt der Weg über Österreich und das Gailtal, von Süden über die Autobahn A23 bis Tolmezzo, dem Hauptort der Carnia. Von dort erschließen sich die einzelnen Täler wie das Val Pesarina, das Val Degano oder das Gebiet um Sauris.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Region erreichbar, aber weniger komfortabel: Es gibt Busverbindungen von Udine und Tolmezzo in die größeren Orte, doch die Taktung ist gerade in den kleinen Bergdörfern dünn. Wer flexibel wandern und verschiedene Ausgangspunkte anfahren möchte, ist mit dem eigenen Fahrzeug klar im Vorteil.
Brauche ich eine spezielle Ausrüstung?
Für einfache Tal- und Almwanderungen reichen feste Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung und ausreichend Wasser und Verpflegung. Da das Wetter im Gebirge schnell umschlagen kann, solltest du immer eine Regenjacke und eine wärmende Schicht dabei haben, selbst an sonnigen Tagen.
Für die anspruchsvolleren Gipfeltouren, insbesondere den Monte Coglians, empfiehlt sich ein Klettersteigset mit Helm und Klettergurt, da einige Passagen mit Drahtseilen gesichert sind. Wanderstöcke sind auf den langen Abstiegen eine große Hilfe. Nimm außerdem stets eine gute Karte oder eine offline verfügbare Wander-App mit, da die Handynetzabdeckung in den entlegenen Tälern lückenhaft sein kann.
Gibt es geführte Wanderungen in der Region?
Ja, in den Carnischen Alpen werden regelmäßig geführte Wanderungen angeboten, oft in Zusammenarbeit mit lokalen Bergführern und dem Naturpark. Besonders beliebt sind geologische Führungen zu den berühmten Fossilienfeldern sowie historische Wanderungen zu den Schauplätzen des Gebirgskriegs.
Für hochalpine Touren und Klettersteige empfiehlt es sich, einen zertifizierten Bergführer zu engagieren, wenn du nicht über ausreichend eigene Erfahrung verfügst. Die lokalen Tourismusbüros in Tolmezzo, Forni Avoltri oder Sauris geben Auskunft über aktuelle Angebote. Geführte Touren sind eine wunderbare Möglichkeit, tiefer in die Geschichte, Geologie und Kultur dieser besonderen Bergregion einzutauchen.
Wo kann ich unterwegs essen und einkehren?
Entlang der beliebteren Wanderrouten findest du zahlreiche Berghütten und Almen, die im Sommer geöffnet sind und regionale Spezialitäten anbieten. Auf den Rifugios kannst du dich mit dem berühmten Frico, Polenta, Wildgerichten und hausgemachten Nudeln stärken. Dazu gibt es oft einen guten friaulischen Wein oder ein kühles Craft-Bier aus Sauris.
Beachte jedoch, dass auf den abgelegeneren Etappen des Karnischen Höhenwegs teilweise keine Einkehrmöglichkeiten liegen. Hier solltest du dich mit ausreichend Proviant und Wasser eindecken. In den Tälern und Bergdörfern findest du zudem urige Trattorias und Agriturismi, die authentische carnische Küche servieren – ein kulinarisches Erlebnis für sich.
Ist die Region wirklich so ruhig wie ihr Ruf?
Ja, und das ist einer der größten Vorzüge der Carnischen Alpen. Im Vergleich zu den nahen Dolomiten oder den Julischen Alpen ist der Andrang hier deutlich geringer. Selbst in der Hochsaison kannst du auf vielen Wegen stundenlang unterwegs sein, ohne größeren Wandergruppen zu begegnen.
Diese Ruhe ist Fluch und Segen zugleich: Sie schenkt dir echte Naturerlebnisse und Einsamkeit, bedeutet aber auch, dass die Infrastruktur weniger dicht ist. Rechne mit weniger Beschilderung an manchen Stellen und einer selteneren Taktung bei Bussen. Wer die Stille und Ursprünglichkeit sucht, wird die Carnia genau dafür lieben.
Kann man den Karnischen Höhenweg als Anfänger gehen?
Der Karnische Höhenweg ist ein hochalpiner Fernwanderweg, der über mehrere Tage entlang des Grenzkamms verläuft. Für komplette Anfänger ist die gesamte Traversata eher nicht geeignet, da sie eine gute Grundkondition, Trittsicherheit und Erfahrung im mehrtägigen Bergwandern voraussetzt.
Allerdings lassen sich einzelne Etappen auch von ambitionierten Einsteigern mit solider Fitness bewältigen, sofern sie sich gut vorbereiten und das Wetter im Blick behalten. Wer erste Erfahrungen sammeln möchte, sollte mit einer einzelnen, gut erreichbaren Tagesetappe starten. Für die kompletten mehrtägigen Abschnitte empfiehlt sich Erfahrung oder die Begleitung durch einen Bergführer.
Was macht die Küche der Carnia so besonders?
Die carnische Küche ist geprägt von Einfachheit, Regionalität und einer langen Tradition der Selbstversorgung in den abgelegenen Bergtälern. Herzstück ist der Frico, ein Gericht aus dem lokalen Montasio-Käse, das in unzähligen Varianten zubereitet wird. Ebenso berühmt ist der über Buchenholz geräucherte Speck aus Sauris.
Eine echte Spezialität sind die Cjarsons, gefüllte Teigtaschen mit einer überraschenden süß-herzhaften Füllung aus Kräutern, Rosinen, Schokolade und Ricotta – jedes Tal, jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Dazu kommen Wildgerichte, Polenta und die friaulischen Weine. Diese bodenständige, geschmackvolle Küche ist untrennbar mit dem Wandererlebnis in der Region verbunden.