Wilde Dolomitentäler und Stausee
Radfahren im Naturpark Dolomiti Friulane: Wildes Friaul zwischen schroffen Gipfeln und einsamen Tälern
Radfahren im Naturpark Dolomiti Friulane
Zwischen dem Rauschen des Cellina und dem Schweigen menschenleerer Hochtäler liegt ein Stück Italien, das die meisten Reiseführer nur mit einer Randnotiz bedenken – und genau das macht den Naturpark Dolomiti Friulane so kostbar. Hier, im Nordwesten des Friaul, türmen sich Dolomitengipfel auf, die keine Seilbahn je berührt hat, und Flüsse haben Schluchten gefräst, in denen das Licht türkis auf dem Wasser tanzt.
Wer sich mit dem Rad hierher aufmacht, tauscht überfüllte Passstraßen gegen kurvige Nebenstrecken, auf denen du morgens dem eigenen Reifensummen lauschst und nicht dem Motorenlärm. Die Region rund um Cimolais, Erto, Barcis und Andreis ist ein Spielplatz für alle, die das Ursprüngliche suchen: sanft dahinrollende Talwege am smaragdgrünen Lago di Barcis, knackige Anstiege zum Passo Sant'Osvaldo und Schotterpisten, die tief in den Val Cimoliana führen, wo der berühmte Campanile di Val Montanaia wie ein steinerner Finger in den Himmel ragt.
Das Friaul ist kein Ort für Eiligkeit. Zwischen zwei Bergaufpassagen wartet ein Dorfplatz, auf dem der Espresso noch echt schmeckt und ältere Herren stundenlang über das Wetter diskutieren. Du radelst durch eine Landschaft, die 2009 zum UNESCO-Welterbe der Dolomiten geadelt wurde – und die dennoch angenehm unaufgeregt bleibt. Keine Instagram-Schlangen, keine Souvenirstände im Dutzend, sondern echtes Gebirge, echte Menschen, echte Ruhe.
Ob du als ambitionierter Rennradfahrer die Höhenmeter jagst, als Gravel-Fan die Schotterwege der Vajont-Region erkundest oder mit dem E-Bike gemütlich am Wasser entlanggleitest: Die Dolomiti Friulane empfangen dich mit einer Wildheit, die im heutigen Europa selten geworden ist. Pack die Trinkflasche ein – hier beginnt Radfahren wieder nach Abenteuer zu schmecken.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
400 bis über 2500 m (Cima dei Preti)
Geländecharakter
Passstraßen, Uferwege, Schotterpisten
Infrastruktur
Wenig, ruhig, naturbelassen
Beste Reisezeit
Ende Mai bis Oktober
Was den Naturpark Dolomiti Friulane so besonders macht
Der Lago di Barcis – türkiser Herzschlag des Parks
Wenn sich das Sonnenlicht im Lago di Barcis bricht, wirkt das Wasser fast unwirklich türkis, als hätte jemand einen tropischen See versehentlich in die friaulischen Berge gepflanzt. Der Stausee ist das gesellige Zentrum des Naturparks, und rund um sein Ufer schlängelt sich eine ideale Radstrecke, die sowohl Familien als auch sportliche Fahrer glücklich macht. Am Ostufer laden Uferbars zu einem Aperol ein, während am Westufer bereits die stille Bergwelt beginnt.
Barcis selbst ist ein charmantes Bergdorf mit venezianischer Vergangenheit, dessen Kirchturm sich im See spiegelt. Wusstest du schon, dass der See künstlich angelegt wurde, seine Farbe aber vollkommen natürlich aus dem gelösten Kalkgestein der umliegenden Berge entsteht? Genau dieses Mineralienspiel verleiht ihm sein unverwechselbares Leuchten, das je nach Tageszeit von Smaragd bis Milchblau wechselt.
Die Vajont-Schlucht und ihre bewegende Geschichte
Kaum ein Ort im Park berührt so sehr wie das Vajont-Tal. Hier ereignete sich 1963 eine der größten Katastrophen der italienischen Nachkriegsgeschichte, als eine gewaltige Bergrutschmasse in den Stausee stürzte und eine Flutwelle die Täler verwüstete. Die Staumauer selbst steht bis heute – ein stummes, beeindruckendes Bauwerk, das man mit dem Rad passieren kann und das zum Nachdenken zwingt.
Das Dorf Erto e Casso, hoch über der Schlucht gelegen, bewahrt die Erinnerung würdevoll. Die engen Gassen aus grauem Stein, die verwitterten Fassaden und die stillen Aussichtspunkte machen aus einer Radpause hier ein fast meditatives Erlebnis. Es ist ein Ort, der zeigt, wie eng Naturgewalt und Menschenschicksal in diesen Bergen verwoben sind.
Kulinarik: Deftig, ehrlich, friaulisch
Nach einer Etappe mit reichlich Höhenmetern belohnt dich das Friaul mit einer Küche, die keine Diät kennt. Der berühmte Formaggio Montasio, ein Bergkäse mit langer Tradition, findet sich in der cremigen Frico wieder – einem knusprigen Kartoffel-Käse-Fladen, der nach dem Radeln geradezu göttlich schmeckt. Dazu ein Glas Friulano, der trockene Weißwein der Region, und die Welt ist in Ordnung.
In den kleinen Osterien der Bergdörfer wird noch echt gekocht. Polenta, Wildgerichte und hausgemachte Salami stehen auf der Karte, und oft serviert dir dieselbe Person, die morgens den Käse gemacht hat. Die friaulische Gastfreundschaft ist nicht aufgesetzt, sondern herzlich und geerdet – man merkt schnell, dass hier Qualität über Quantität geht.
Geheimtipp: Val Cimoliana und der Campanile di Val Montanaia
Wer den Massentourismus komplett hinter sich lassen will, biegt in das Val Cimoliana ein. Die schmale Schotterstraße führt tief in eine wilde Bergwelt, in der Gämsen und Steinadler zu Hause sind. Am Ende wartet der Campanile di Val Montanaia, ein 300 Meter hoher Felsturm, der zu den bekanntesten Naturdenkmälern der Dolomiten zählt und Bergsteiger aus aller Welt anzieht.
Für Radfahrer ist die Anfahrt bis zum Rifugio Pordenone ein echtes Gravel-Abenteuer. Die Straße ist rau, die Landschaft grandios, und die Wahrscheinlichkeit, dabei einem anderen Menschen zu begegnen, herrlich gering. Wusstest du schon, dass dieses Tal als eines der letzten wirklich unberührten Alpentäler Italiens gilt? Genau diese Wildheit ist es, die den Naturpark Dolomiti Friulane so unwiderstehlich macht.
Radfahren zwischen Wildbächen und Dolomitengipfeln
Kontraste, die das Radlerherz höherschlagen lassen
Das Besondere am Radfahren im Naturpark Dolomiti Friulane ist die enorme Bandbreite auf engstem Raum. An einem Morgen rollst du entspannt am Ufer des Lago di Barcis entlang, spürst kaum Steigung und lässt den Blick über spiegelglattes Wasser schweifen. Am Nachmittag kämpfst du dich vielleicht schon die serpentinenreiche Auffahrt zum Passo Sant'Osvaldo hinauf und wirst mit einem Panorama belohnt, das dich jeden Tropfen Schweiß vergessen lässt.
Diese Vielfalt macht die Region zu einem Ort, an dem verschiedene Radfahrertypen glücklich werden. Rennradfahrer lieben die kurvenreichen, verkehrsarmen Passstraßen, Gravel-Biker stürzen sich auf die Schotterpisten der Seitentäler, und E-Biker erschließen sich mühelos auch die anspruchsvolleren Höhen. Selten liegen entspanntes Genussradeln und alpine Herausforderung so nah beieinander.
Ruhe statt Rummel – die verkehrsarmen Straßen
Wer schon einmal an einem Sommertag über einen berühmten Dolomitenpass gefahren ist und dabei mehr Wohnmobile als Wiesen gesehen hat, wird die Dolomiti Friulane lieben. Die Straßen hier sind wunderbar leer. Auf vielen Nebenstrecken begegnest du in einer Stunde mehr Kühen als Autos, und das macht das Fahren nicht nur sicherer, sondern auch ungleich meditativer.
Diese Ruhe ist kein Zufall, sondern Ergebnis der Lage abseits der großen Touristenrouten. Der Naturpark schützt seine Wildheit, und der sanfte Tourismus wird bewusst gefördert. Für Radfahrer bedeutet das: freie Fahrt, klare Luft und das seltene Gefühl, eine Landschaft ganz für sich allein zu haben.
Aussichtspunkte, die den Atem rauben
Die Dolomiti Friulane sind gespickt mit Aussichtspunkten, die sich das Erklimmen lohnen. Vom Passo Sant'Osvaldo aus überblickst du das Vajont-Tal und die schroffen Wände, die es einrahmen. Von der Höhe über Barcis reicht der Blick über den See bis zu den fernen Gipfeln des Monte Raut. Jeder Anstieg endet mit einem visuellen Geschenk.
Besonders schön ist das Licht in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag, wenn die Sonne die Kalkfelsen in warme Rosa- und Goldtöne taucht – jenes berühmte Enrosadira der Dolomiten. Wer seine Radtouren clever plant, erwischt diese magischen Momente und bringt Erinnerungen mit nach Hause, die keine Postkarte einfangen kann.
Für wen sich die Region eignet
Ambitionierte Bergfahrer finden hier ihr Glück in Anstiegen, die Kraft und Kondition fordern, ohne von Verkehr gestört zu werden. Gravel-Enthusiasten erschließen wilde Täler wie das Val Cimoliana, in denen der Untergrund abenteuerlich und die Natur unberührt ist. Genussradler und Familien wiederum finden am Lago di Barcis flache, sichere Strecken mit reichlich Einkehrmöglichkeiten.
Gerade die Kombination aus anspruchsvollen und entspannten Optionen macht die Dolomiti Friulane zu einem idealen Ziel für Gruppen mit unterschiedlichem Fitnesslevel. Während die einen den Pass jagen, genießen die anderen die Uferwege – und abends trifft man sich zufrieden bei Frico und einem Glas Wein wieder.
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Die schönsten Radtouren im Naturpark Dolomiti Friulane
Seerundfahrt am Lago di Barcis
Diese Tour ist der perfekte Einstieg in die Radwelt der Dolomiti Friulane und startet direkt im Dorf Barcis. Von hier aus umrundest du den türkisfarbenen Stausee auf einer weitgehend flachen, gut ausgebauten Strecke, die auch für Familien und Gelegenheitsradler bestens geeignet ist. Der Weg führt teilweise über die Uferstraße, teilweise über eigens angelegte Radabschnitte mit direktem Blick aufs Wasser.
Unterwegs passierst du schattige Buchten, kleine Strände und Aussichtspunkte, an denen du das Rad kurz abstellen und die Farben des Sees auf dich wirken lassen solltest. Am Ostufer laden mehrere Bars und Restaurants zur Pause ein – ein Aperol mit Seeblick gehört hier einfach dazu. Die Runde ist mit rund 15 Kilometern kurz genug für einen entspannten Halbtagesausflug und lang genug, um die entspannte Seele der Region zu spüren.
Wer möchte, kombiniert die Runde mit einem Abstecher in die venezianisch geprägte Altstadt von Barcis. Der Kontrast zwischen dem leuchtenden See und den grauen Steinhäusern ist reizvoll, und das gemütliche Tempo macht die Tour zu einem echten Genussmoment für alle, die das Friaul erst kennenlernen.
Auffahrt zum Passo Sant'Osvaldo
Diese Etappe ist etwas für alle, die ihre Waden gerne fordern. Vom Ort Cimolais aus führt die Straße hinauf zum Passo Sant'Osvaldo, der Barcis mit dem Vajont-Tal verbindet. Die Steigung ist über weite Strecken angenehm gleichmäßig, sodass du deinen Rhythmus finden kannst, während die Landschaft immer wilder und einsamer wird.
Oben auf dem Pass angekommen, öffnet sich der Blick auf die eindrucksvolle Bergkulisse rund um das Vajont-Tal. Die Abfahrt in Richtung Erto ist ein Genuss, verlangt aber Aufmerksamkeit auf den Kurven. Von hier aus ist der Abstecher zur berühmten Vajont-Staumauer nur einen Katzensprung entfernt – ein bewegender historischer Ort, der die Tour über das Sportliche hinaus bereichert.
Die Route eignet sich für konditionsstarke Rennradfahrer und E-Biker gleichermaßen. Wegen der geringen Verkehrsdichte ist die Auffahrt ein echtes Vergnügen, und die Kombination aus sportlicher Herausforderung und geschichtsträchtiger Landschaft macht sie zu einem der lohnendsten Erlebnisse im ganzen Naturpark.
Gravel-Abenteuer im Val Cimoliana
Für Gravel-Fans ist die Fahrt durch das Val Cimoliana ein absolutes Muss. Ausgangspunkt ist das Bergdorf Cimolais, von wo aus eine schmale Schotterstraße tief in eines der wildesten Täler der Dolomiten führt. Die Strecke folgt dem Lauf des Wildbachs Cimoliana und schlängelt sich durch dichte Wälder und offene Geröllfelder.
Das Ziel der Tour ist das Rifugio Pordenone, das idyllisch am Fuße des berühmten Campanile di Val Montanaia liegt. Dieser 300 Meter hohe Felsturm gehört zu den bekanntesten Naturdenkmälern der Region und ist allein den langen Anstieg wert. Auf dem Weg dorthin stehen die Chancen gut, Gämsen oder sogar einen Steinadler zu erspähen.
Diese Tour verlangt ein geländegängiges Rad und eine gute Grundkondition, denn der Untergrund ist rau und die Steigung teils fordernd. Belohnt wirst du mit absoluter Einsamkeit und einer unberührten Bergwelt, wie sie in den Alpen selten geworden ist. Die Einkehr auf der Hütte mit einer warmen Polenta rundet das Abenteuer perfekt ab.
Von Andreis durch das wilde Val Alba
Das kleine, farbenfrohe Dorf Andreis dient als Ausgangspunkt für diese aussichtsreiche Tour, die durch eine der ursprünglichsten Ecken des Naturparks führt. Andreis selbst ist bekannt für seine bunten Holzbalkone und die traditionelle Bauweise – ein charmanter Ort, um vor dem Start noch einen Espresso zu genießen.
Von hier aus geht es auf ruhigen Nebenstraßen und Forstwegen in die bewaldeten Höhen rund um den Monte Raut. Die Strecke wechselt zwischen schattigen Waldpassagen und offenen Abschnitten mit weitem Blick über die friaulischen Voralpen. Der Verkehr ist praktisch nicht vorhanden, sodass du dich ganz auf die Natur und das Rauschen der Bäche konzentrieren kannst.
Diese Tour eignet sich besonders für Gravel- und Tourenradler, die abseits der bekannten Routen fahren möchten. Sie ist ein Paradebeispiel für die stille Schönheit der Region und zeigt, dass die schönsten Erlebnisse oft dort warten, wo kaum jemand hinfährt. Trinkflasche und Proviant solltest du mitnehmen, denn Einkehrmöglichkeiten sind unterwegs rar.
Vajont-Runde: Erto, Casso und die Staumauer
Diese Tour verbindet Radsport mit einem Stück eindrücklicher Geschichte. Startpunkt ist die imposante Vajont-Staumauer, die trotz der Katastrophe von 1963 bis heute steht und ein beklemmendes Denkmal darstellt. Von hier aus radelst du hinauf zu den beiden Dörfern Erto und Casso, die hoch über der Schlucht thronen.
Die Straße windet sich in engen Kehren aufwärts und bietet immer wieder atemberaubende Tiefblicke in das Tal. In Erto e Casso lohnt es sich, das Rad abzustellen und durch die stillen Steingassen zu schlendern. Die verwitterten Fassaden und die Aussichtspunkte über die Schlucht machen aus einer Radpause ein fast andächtiges Erlebnis.
Die Runde ist konditionell durchaus anspruchsvoll, aber technisch gut fahrbar und daher auch für ambitionierte E-Biker geeignet. Sie verbindet sportliche Herausforderung mit einer Geschichtsstunde unter freiem Himmel und gehört zu den bewegendsten Touren, die der Naturpark zu bieten hat. Ein Ort, den man nicht so schnell vergisst.
Häufige Fragen
Welche Radtypen eignen sich am besten für den Naturpark Dolomiti Friulane?
Die Antwort hängt stark davon ab, welche Touren du planst. Für die asphaltierten Passstraßen und die Seerunde am Lago di Barcis ist ein Rennrad oder ein Tourenrad ideal, da diese Strecken gut ausgebaut und angenehm zu fahren sind.
Wer jedoch in die wilden Seitentäler wie das Val Cimoliana vordringen möchte, sollte unbedingt ein Gravel- oder Mountainbike mitbringen, denn dort erwarten dich raue Schotterpisten. E-Bikes sind in der gesamten Region eine hervorragende Wahl, weil sie auch die zahlreichen Höhenmeter mühelos machen und dir mehr Kraft für den Genuss der Landschaft lassen.
Ist die Region für Familien mit Kindern geeignet?
Ja, durchaus – allerdings nicht überall. Der flache Rundweg um den Lago di Barcis ist perfekt für Familien, weil er kaum Steigungen aufweist und mit Einkehrmöglichkeiten, Stränden und schönen Rastplätzen aufwartet. Hier können auch jüngere Kinder gut mithalten.
Von den anspruchsvollen Bergauffahrten und den langen Schotterstrecken in den Seitentälern solltest du mit kleinen Kindern eher absehen, da diese konditionell und teils auch fahrtechnisch fordernd sind. Mit E-Bikes und einem Kinderanhänger lässt sich der Aktionsradius jedoch angenehm erweitern.
Kann ich meinen Hund mit auf die Radtouren nehmen?
Grundsätzlich ist der Naturpark hundefreundlich, und viele Radler nehmen ihren Vierbeiner mit. Auf den ruhigen Nebenstraßen und in den einsamen Tälern ist die Verkehrsbelastung so gering, dass eine Tour mit Hund gut umsetzbar ist, sofern dein Tier gut trainiert ist und an das Tempo gewöhnt ist.
Beachte jedoch, dass in einem Naturschutzgebiet Rücksicht auf die Tierwelt geboten ist. Halte deinen Hund in Bereichen mit Wildbestand an der Leine und sorge für ausreichend Wasser, besonders im Sommer. In vielen Osterien und Berghütten sind gut erzogene Hunde willkommen.
Wann ist die beste Reisezeit zum Radfahren?
Die ideale Zeit erstreckt sich von Ende Mai bis in den Oktober hinein. Im Frühsommer sind die Wälder saftig grün, die Wildbäche führen viel Wasser und die Temperaturen sind angenehm zum Fahren, ohne dass die Hochsommerhitze quält.
Der Herbst ist besonders reizvoll, wenn sich die Wälder golden färben und das Licht die Dolomitenfelsen in warme Töne taucht. Die Sommermonate Juli und August sind ebenfalls schön, können in tieferen Lagen aber heiß werden. Für die höher gelegenen Schotterstrecken solltest du sicherheitshalber die Schneelage im Frühjahr prüfen.
Wie ist die Verkehrssituation auf den Straßen?
Das ist einer der größten Vorzüge der Region. Anders als auf den berühmten Dolomitenpässen weiter westlich sind die Straßen im Naturpark Dolomiti Friulane herrlich wenig befahren. Auf vielen Nebenstrecken begegnest du kaum einem Auto, was das Radfahren nicht nur sicherer, sondern auch entspannter macht.
Lediglich rund um Barcis kann es an schönen Sommerwochenenden etwas voller werden, wenn Tagesausflügler an den See strömen. Wer früh startet oder unter der Woche unterwegs ist, hat die Straßen aber oft fast für sich allein. Diese Ruhe ist ein echtes Geschenk für alle, die dem Trubel entfliehen möchten.
Gibt es genügend Einkehr- und Verpflegungsmöglichkeiten?
In den Dörfern rund um den Lago di Barcis sowie in Cimolais, Erto und Andreis findest du Bars, Restaurants und kleine Läden für die Verpflegung. Am See selbst gibt es mehrere gastronomische Angebote, sodass du dort gut versorgt bist.
In den abgelegenen Seitentälern sieht das anders aus. Auf Strecken wie im Val Cimoliana solltest du dich selbst versorgen und ausreichend Wasser und Proviant mitnehmen, da es dort außer der Berghütte Rifugio Pordenone kaum Einkehrmöglichkeiten gibt. Plane deine längeren Touren daher immer mit einem gewissen Vorrat.
Wie anspruchsvoll sind die Touren konditionell?
Das Spektrum ist breit. Die Seerunde am Lago di Barcis ist auch für weniger trainierte Radler und Familien gut zu bewältigen, da sie fast keine Höhenmeter aufweist. Sie eignet sich hervorragend als entspannter Einstieg.
Anspruchsvoller wird es bei den Passauffahrten wie zum Passo Sant'Osvaldo oder bei den langen Gravel-Etappen in den Bergtälern. Diese verlangen eine solide Grundkondition und Ausdauer. Wer sich unsicher ist, greift zum E-Bike, das die Höhenmeter deutlich erträglicher macht und den Genuss in den Vordergrund rückt.
Kann ich Fahrräder vor Ort leihen?
In Barcis und teilweise in den umliegenden größeren Orten gibt es Verleihstationen, insbesondere für E-Bikes, die bei Touristen sehr beliebt sind. In der Hauptsaison lohnt es sich, im Voraus zu reservieren, da die Nachfrage besonders an sonnigen Wochenenden hoch sein kann.
Wer spezielle Ansprüche hat, etwa ein hochwertiges Rennrad oder ein Gravelbike für die anspruchsvollen Strecken, sollte am besten sein eigenes Rad mitbringen. Die Auswahl an Spezialrädern vor Ort ist begrenzt, während E-Bikes und Trekkingräder für die entspannten Touren meist gut verfügbar sind.
Wie erreiche ich den Naturpark am besten?
Der Naturpark Dolomiti Friulane liegt im Nordwesten des Friaul und ist am bequemsten mit dem Auto erreichbar. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Pordenone und Belluno, von denen aus gut ausgebaute Straßen in die Täler führen. Von hier aus erreichst du Barcis in überschaubarer Fahrzeit.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise deutlich mühsamer, da das Busangebot in den abgelegenen Bergtälern dünn ist. Wer flexibel bleiben und die verschiedenen Ausgangspunkte für die Touren bequem erreichen möchte, ist mit einem eigenen Fahrzeug klar im Vorteil.
Gibt es geführte Radtouren in der Region?
Ja, vereinzelt werden geführte Touren und Aktivangebote angeboten, oft in Kombination mit E-Bike-Verleih rund um den Lago di Barcis. Diese sind besonders praktisch, wenn du die Region zum ersten Mal besuchst und die schönsten Strecken nicht selbst zusammensuchen möchtest.
Für die abgelegenen Gravel-Abenteuer in den Seitentälern gibt es weniger organisierte Angebote, da diese Region bewusst ursprünglich und unerschlossen bleibt. Wer diese wilden Ecken erkunden will, sollte sich mit GPS und guter Kartenvorbereitung ausstatten oder sich einer lokalen Radgruppe anschließen.
Was sollte ich unbedingt einpacken?
Neben der obligatorischen Radausrüstung wie Helm, Ersatzschlauch und Werkzeug empfiehlt sich in dieser Bergregion immer eine wetterfeste Jacke, denn das Wetter kann in den Dolomiten schnell umschlagen. Auch bei sonnigem Start solltest du auf einen Wetterwechsel vorbereitet sein.
Sonnenschutz, ausreichend Wasser und Proviant sind gerade auf den einsamen Strecken essenziell, da du dort nicht auf Einkehrmöglichkeiten zählen kannst. Ein kleines Erste-Hilfe-Set und dein Mobiltelefon runden die Ausrüstung ab, auch wenn der Empfang in den tiefen Tälern nicht überall verlässlich ist.
Ist die Vajont-Staumauer mit dem Rad zugänglich?
Ja, die berühmte Vajont-Staumauer lässt sich mit dem Rad erreichen und passieren, was sie zu einem festen Bestandteil vieler Touren in der Region macht. Der Anblick des gewaltigen Bauwerks, das die Katastrophe von 1963 überstanden hat, ist beeindruckend und bewegend zugleich.
Rund um die Staumauer gibt es Informationstafeln und Gedenkorte, die die Geschichte der Tragödie erzählen. Es lohnt sich, hier eine Pause einzulegen und die Dimension des Geschehens auf sich wirken zu lassen. Für viele Radler ist dieser Ort ein emotionaler Höhepunkt ihrer Reise durch den Naturpark.