Passo del San Bernardino

Splügen - Roveredo
Passo del San Bernardino - Motorradtouren und Pässe
© adobe stock, Michael Niehaus

Passprofil:
Passo del San Bernardino

62Km
  • Höhe 2066 Meter
  • Höhenmeter 845 Meter 1999 Meter
  • Steigung Durchschnitt3.4% 5.4 %
  • Steigung Maximal 12.5% 15 %
  • Länge 62 Kilometer
  • Kehren 77
  • Mautpflicht Nein
  • Wintersperre Ja
  • Schwierigkeit 3

Lage und geografische Einordnung

Der Passo del San Bernardino liegt im Schweizer Kanton Graubünden und verbindet das Rheinwald im Norden mit dem Misox (Val Mesolcina) im Süden. Er bildet die klassische Passstraße parallel zum San-Bernardino-Tunnel und stellt eine wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen Deutschschweiz und italienischsprachigem Süden dar.

Durch seine Lage im zentralen Alpenraum besitzt der Pass sowohl regionale als auch historische Bedeutung.

Kurzbeschreibung des Passes

Der Passo del San Bernardino ist eine hochgelegene, weitläufig angelegte Alpenstraße mit klarer Kurvenstruktur und moderatem bis anspruchsvollem Charakter. Er eignet sich besonders für Motorradfahrer, die lange, gleichmäßige Anstiege mit alpinem Panorama schätzen.

Im Vergleich zu stark kehrenbetonten Pässen wirkt die Strecke großzügiger und weniger technisch eng, bleibt jedoch aufgrund der Höhe und Streckenlänge anspruchsvoll.

Streckenführung und Fahrdynamik

Die Nordrampe aus dem Rheinwald verläuft gleichmäßig ansteigend durch offene Hochalpenlandschaft mit mehreren klar angelegten Kehren. Die Südseite ins Misox ist länger und weist eine deutlichere Kurvenfolge auf.

Die Straße ist breit ausgebaut und erlaubt flüssiges Kurvenfahren. Der fahrerische Anspruch entsteht aus der Streckenlänge, der Höhenlage und dem Wechsel zwischen offenen und bewaldeten Abschnitten.

Öffnung, Saison und empfohlene Reisezeit

Der Passo del San Bernardino ist in der Regel von spätem Frühjahr bis in den Herbst geöffnet. In den Wintermonaten erfolgt der Verkehr überwiegend durch den Tunnel.

Die beste Reisezeit liegt zwischen Juni und September. Auch im Sommer sind kühlere Temperaturen auf der Passhöhe möglich.

Verkehrsaufkommen und Streckenbesonderheiten

Durch den parallel verlaufenden Tunnel ist die Passstraße vom Großteil des Transitverkehrs entlastet. Sie wird vorwiegend touristisch genutzt.

Motorräder, Pkw und Ausflugsverkehr sind typisch. In der Hochsaison kann das Verkehrsaufkommen ansteigen, bleibt jedoch meist moderat.

Wichtige Hinweise für Motorradfahrer

In exponierten Bereichen ist mit Wind zu rechnen. Durch die Höhenlage sind schnelle Wetterwechsel möglich.

Auf der langen Südabfahrt ist eine angepasste Bremsdosierung sinnvoll. In schattigen Abschnitten kann bei Nässe rutschiger Asphalt auftreten.

Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke

Im Bereich der Passhöhe befinden sich saisonale Einrichtungen. In Hinterrhein sowie im Misox bestehen weitere Restaurants und Versorgungsmöglichkeiten.

Die Infrastruktur ist funktional und weniger touristisch inszeniert als bei stark vermarkteten Hochalpenpässen.

Geschichte und Bedeutung

Der San-Bernardino-Pass wurde früh als Alpenübergang genutzt und im 19. Jahrhundert zur modernen Straße ausgebaut. Mit dem Bau des Tunnels gewann die Route zusätzliche verkehrstechnische Bedeutung.

Heute dient die Passstraße vor allem dem regionalen Verkehr und dem Tourismus.

Landschaft und regionaler Charakter

Die Strecke führt durch offene Hochalpenflächen, vorbei an Seen und kargen Hängen. Besonders markant ist der landschaftliche Übergang vom nördlichen Rheinwald ins südlich geprägte Misox.

Der Pass vermittelt deutlich den Wechsel zwischen deutsch- und italienischsprachigem Kulturraum.

Anschlussrouten und Tourenkombinationen

Der Passo del San Bernardino eignet sich hervorragend als Bestandteil einer Nord-Süd-Alpenroute durch die Schweiz. Er lässt sich gut mit weiteren Bündner Pässen kombinieren.

Durch seine Lage bildet er ein zentrales Verbindungselement innerhalb der Region.

Redaktionelle Einschätzung

Der Passo del San Bernardino ist eine hochgelegene, großzügig angelegte Alpenroute mit klarer Struktur und moderatem Anspruch. Er verbindet Panorama, verlässliche Fahrbarkeit und kulturellen Übergang.

Für Motorradfahrer, die eine gut ausgebaute Hochalpenstraße ohne extreme Enge suchen, ist der San Bernardino eine ausgewogene Wahl innerhalb der Schweizer Alpen.

Bereits der erste Abschnitt der Passstrecke ab Thusis ist ein kurvenreicher Leckerbissen durch die atemberaubende Viamala-Schlucht. Ab 1772 wurde an der Strecke gebaut, auf der Passhöhe wurde der Weg so verlegt, dass er den natürlichen Felssattel an der tiefsten Stelle überwand. Zwischen 1818 und 23 wurde das obligatorische Hospiz erbaut, ein beliebter Treff vor allem der Schweizer Bikerschar. Die Südrampe ist gut ausgebaut mit einigen recht schmalen Tunnels.

Ganz am südlichen Ende der Passstraße zweigt eine Sackgasse in das herrliche Val Calanca ab. Unbedingt den Blinker setzen und einen Abstecher wagen, mitten hinein in eine stille Bergbauernwelt, wie sie urtümlicher kaum noch zu finden ist. Noch mit kräftezehrender Handarbeit werden die steilen Hänge bearbeitet, freundlich, aufgeschlossen und mit sich und der Welt zufrieden leben die Menschen hier frei von Hektik und Termindruck. Welch ein sehenswerter Kontrast!

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