Schluchten, Kalkalpen, Almen
Wandern in den Ötscher-Tormäuern und Mostviertler Alpen: Schluchten, Gipfel und wilde Wasserwelten
Wandern im Ötscher-Land & Mostviertel
Es gibt Landschaften, die man nicht einfach nur betritt, sondern die einen regelrecht verschlucken. Die Ötscher-Tormäuer gehören genau dazu. Hier hat sich die Erlauf über Jahrtausende durch massiven Kalkstein gefräst und dabei eine Schlucht geschaffen, die zu den spektakulärsten Naturschauspielen Niederösterreichs zählt. Türkisgrüne Gumpen, rauschende Wasserfälle und schwindelerregende Steganlagen, die sich an senkrechten Felswänden entlangwinden – das ist kein Wanderweg, das ist ein Abenteuer mit Postkartengarantie.
Über dem Ganzen thront majestätisch der Ötscher, mit 1.893 Metern der Hausberg dieser Region und ein echter Charakterkopf unter den niederösterreichischen Bergen. Rundherum breiten sich die Mostviertler Alpen aus: sanfte Almwiesen, dunkle Wälder, versteckte Täler und Bauernhöfe, auf denen der Most noch nach altem Rezept gepresst wird. Die Region ist ein herrlicher Kontrast aus Wildheit und Gemütlichkeit – vormittags durch eine dramatische Klamm, nachmittags bei Most und Speck auf einer sonnigen Terrasse.
Das Beste daran: Die Ötscher-Tormäuer sind ein Naturpark, in dem der Schutz der Landschaft großgeschrieben wird. Du wanderst hier durch ein weitgehend unverbautes Stück Natur, in dem Wasseramseln über die Erlauf huschen, Gämsen an den Felswänden kleben und der Wald so grün leuchtet, dass man meint, ein Farbfilter läge über allem.
Ob du auf der Suche nach der ganz großen Bergtour bist, mit der Familie durch die Schluchten spazieren möchtest oder einfach die Seele bei einer gemütlichen Talwanderung baumeln lassen willst – diese Region liefert für jeden Geschmack die passende Route. Und ganz nebenbei ist sie mit der nostalgischen Mariazellerbahn auch noch herrlich erreichbar, ganz ohne Stau und Parkplatzsuche.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
bis 1.893 m (Ötscher)
Geländecharakter
Holzstege, Waldpfade, Almwege
Infrastruktur
Hütten, Bahnanbindung, Naturpark
Beste Reisezeit
Mai bis Oktober
Naturjuwelen und Kulturschätze zwischen Ötscher und Mostviertel
Die Ötscher-Tormäuer: Ein Naturpark zum Staunen
Der Naturpark Ötscher-Tormäuer ist das unbestrittene Herzstück der Region und mit rund 170 Quadratkilometern einer der größten Naturparks Niederösterreichs. Hier gräbt sich die Erlauf in gleich mehreren beeindruckenden Schluchten durch das Gestein, allen voran die berühmten Tormäuer selbst. Der Name kommt nicht von ungefähr: Die Felswände türmen sich wie mächtige Tore auf, zwischen denen sich das Wasser seinen Weg bahnt.
Besonders eindrucksvoll sind die Wasserfälle. Der Mirafall stürzt tosend in die Tiefe und ist einer der schönsten Wasserfälle des Landes, während der Lassingfall mit seinem feinen Sprühnebel ganze Wälder in ein diffuses Licht taucht. An heißen Sommertagen locken die türkisgrünen Gumpen zu einer erfrischenden Pause – wobei das Wasser selbst im Hochsommer eher als Nervenkitzel denn als Badespaß taugt, so kalt ist es.
Der Ötscher: Wetterkönig des Mostviertels
Mit seinen 1.893 Metern ist der Ötscher weithin sichtbar und gilt als eine der markantesten Erhebungen der Region. Wer oben steht, blickt bei klarer Sicht über halb Niederösterreich, bis hin zu den Wiener Hausbergen und tief in die Kalkalpen hinein. Nicht umsonst gilt der Berg als Wetterprophet: Trägt er ein Wolkenhütchen, wird es meist bald regnen – eine Bauernregel, auf die die Einheimischen bis heute schwören.
Am Fuße des Berges liegt das Wintersport- und Ausflugsgebiet Lackenhof, das im Sommer als idealer Ausgangspunkt für Bergtouren dient. Von hier führen mehrere Wege hinauf, und die Sesselbahn nimmt Gipfelstürmern gerne einen Teil der Höhenmeter ab. Ein Gipfelkreuz, eine Almhütte und dieser Rundumblick – mehr braucht ein Wanderherz eigentlich nicht.
Kulinarik: Most, Speck und Bauernkrapfen
Das Mostviertel trägt den Most nicht ohne Grund im Namen. Die Landschaft ist geprägt von unzähligen Birn- und Apfelbäumen, aus deren Früchten der charakteristische Most gekeltert wird – ein leicht herbes, erfrischendes Getränk, das perfekt zur deftigen Jause passt. Auf den zahlreichen Mostheurigen und Buschenschänken bekommst du hausgemachten Speck, kräftiges Bauernbrot und süße Bauernkrapfen serviert.
Ein besonderer Genuss ist die sogenannte Moststraße, entlang der du von Hof zu Hof wandern und dabei die verschiedenen Mostsorten verkosten kannst. Wusstest du schon, dass es hier Mostbaronen gibt? So werden die stolzen Besitzer besonders großer Streuobstwiesen genannt, die ihr Handwerk mit fast schon aristokratischem Selbstbewusstsein pflegen.
Geheimtipps abseits der Massen
Wer die Ötscher-Tormäuer einmal ohne Trubel erleben möchte, sollte früh am Morgen oder unter der Woche losziehen. Ein echter Geheimtipp ist der Ötschergraben in den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel noch über dem Wasser hängt und die Stege menschenleer sind. Auch die Trefflingfälle im hinteren Teil der Schlucht sind weit weniger überlaufen als der berühmte Mirafall.
Ein weiterer Tipp: Nimm dir die Zeit für die kleine Wallfahrtskirche und die vielen Marterl entlang der Wege – sie erzählen von einer tief verwurzelten Volksfrömmigkeit und geben der wilden Landschaft eine überraschend kontemplative Note.
Was das Wandern im Ötscher-Land so besonders macht
Wandern zwischen Wildwasser und Almidylle
Was das Wandern in den Ötscher-Tormäuern so unverwechselbar macht, ist der ständige Wechsel der Kulissen. Selten liegen dramatische Wildnis und liebliche Almidylle so nah beieinander. In der Schlucht führen dich schmale Stege und Brücken direkt über das rauschende Wasser, während dich oben auf den Höhen weite Almwiesen mit grasenden Kühen und einem endlosen Bergpanorama empfangen. Diese Vielfalt macht jede Wanderung zu einem kleinen Best-of der Voralpen.
Die Wege sind dabei erstaunlich abwechslungsreich: Mal geht es über gut gesicherte Holzstege entlang senkrechter Felswände, mal über wurzelige Waldpfade, mal über breite Almwege. Diese Mischung sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt und du dich immer wieder auf den nächsten Abschnitt freust.
Für wen sich die Region eignet
Die Ötscher-Tormäuer sind ein wahres Paradies für unterschiedlichste Wandertypen. Familien lieben die spektakulären Stege und die vielen Wasserstellen, an denen Kinder Steine flitschen lassen und Wasseramseln beobachten können. Ambitionierte Bergwanderer finden am Ötscher und in den umliegenden Gipfeln der Mostviertler Alpen anspruchsvolle Touren mit ordentlichen Höhenmetern.
Genusswanderer wiederum kommen entlang der Moststraße und auf den sanften Talwegen voll auf ihre Kosten. Wichtig zu wissen: Die klassischen Schluchtenwanderungen erfordern trotz guter Wegsicherung Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, denn manche Passagen führen recht luftig über dem Abgrund entlang. Wer damit kein Problem hat, wird mit unvergesslichen Ausblicken belohnt.
Aussichtspunkte und Naturerlebnisse
Aussichten gibt es hier reichlich, und jede hat ihren eigenen Charakter. Vom Ötschergipfel aus reicht der Blick an klaren Tagen bis zum Schneeberg und zur Rax. Aber auch weniger prominente Punkte belohnen mit Panoramen: Der Weg über die Vorderötscher-Alm etwa öffnet sich immer wieder zu weiten Ausblicken über das Erlauftal.
Das größte Naturerlebnis bleibt aber das Wasser. Die Erlauf zeigt in den Tormäuern alle Facetten – von wild tosenden Katarakten bis zu stillen, spiegelglatten Becken, in denen sich der Himmel und die Felsen spiegeln. Wer Glück hat, entdeckt Forellen im kristallklaren Wasser oder beobachtet den blitzschnellen Sturzflug eines Eisvogels. Diese Nähe zum ursprünglichen Element macht das Wandern hier zu einem echten Sinneserlebnis.
Unterkünfte und gemütliche Rastplätze rund um den Ötscher
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Die schönsten Wanderungen in den Ötscher-Tormäuern
Der große Ötschergraben: Von Wienerbruck nach Erlaufboden
Diese Wanderung ist der absolute Klassiker der Region und für viele der schönste Schluchtenweg Niederösterreichs. Startpunkt ist der Bahnhof Wienerbruck-Josefsberg, der bequem mit der Mariazellerbahn erreichbar ist. Von hier steigst du zunächst hinab zum Stausee und tauchst dann in die spektakuläre Welt des Ötschergrabens ein.
Entlang der Erlauf führt der Weg über Holzstege und Brücken direkt am tosenden Wasser vorbei. Highlights sind der beeindruckende Mirafall und die türkisgrünen Gumpen, in denen sich das Licht magisch bricht. Bei der Ötscherhias-Hütte lohnt sich eine Einkehr, bevor es weiter durch die Schlucht bis nach Erlaufboden geht. Von dort bringt dich die Bahn wieder zurück.
Mit rund 15 Kilometern und mehreren Stunden Gehzeit ist die Tour konditionell fordernd, technisch aber gut machbar. Trittsicherheit ist auf den Stegen gefragt. Eine ideale Tour für alle, die den vollen Ötscher-Zauber erleben wollen.
Gipfelsturm auf den Ötscher von Lackenhof
Wer den König der Region unter die Wanderschuhe nehmen will, startet am besten in Lackenhof am Ötscher. Von hier führt ein gut markierter Weg über die Bergstation der Sesselbahn hinauf zum Rauhen Kamm oder alternativ über die sanftere Route zur Ötscherschutzhaus-Region und weiter zum Gipfelkreuz auf 1.893 Metern.
Der Aufstieg über den Rauhen Kamm ist ein alpiner Höhepunkt: ausgesetzt, teils mit Drahtseilen gesichert und nur für trittsichere, schwindelfreie Bergwanderer geeignet. Wer es gemütlicher mag, wählt die einfachere Route. Belohnt wirst du in jedem Fall mit einem grandiosen Rundblick über die Mostviertler Alpen bis zum Hochschwab.
Am Gipfel gibt es beim Ötscher-Schutzhaus eine wohlverdiente Jause. Plane für die gesamte Tour einen ganzen Tag ein und achte auf das Wetter, denn der Ötscher macht seinem Ruf als Wetterberg alle Ehre.
Die Trefflingfälle im hinteren Ötschergraben
Diese Tour ist etwas ruhiger als der große Klassiker und führt dich zu den bezaubernden Trefflingfällen. Ausgangspunkt ist erneut die Gegend um Wienerbruck oder Erlaufboden. Der Weg zweigt vom Hauptweg ab und folgt dem Trefflingbach immer weiter bergwärts.
Über mehrere Stufen und kleine Kaskaden fällt das Wasser hier durch einen moosgrünen, verwunschenen Waldabschnitt. Der obere Trefflingfall ist besonders eindrucksvoll und wird von deutlich weniger Menschen besucht als der berühmte Mirafall. Ein herrlicher Ort, um innezuhalten und dem Rauschen des Wassers zu lauschen.
Die Wanderung ist mittelschwer und aufgrund der ruhigeren Atmosphäre ein echter Geheimtipp für alle, die die Schlucht ohne allzu viel Trubel genießen möchten. Festes Schuhwerk ist Pflicht, da die Wege feucht und teils rutschig sein können.
Vorderer Ötschergraben und Ötscherhias
Für Familien und alle, die es etwas kürzer mögen, ist der vordere Ötschergraben perfekt. Vom Bahnhof Wienerbruck geht es hinab in die Schlucht, entlang der Stausee-Staumauer und weiter zur beliebten Einkehr Ötscherhias, einer urigen Hütte mitten in der Schlucht.
Der Weg ist gut gesichert und führt an einigen der schönsten Gumpen und kleinen Wasserfällen vorbei. Kinder sind begeistert von den Stegen und Brücken, und die zahlreichen Wasserstellen laden zum Verweilen ein. Bei der Ötscherhias gibt es Hausmannskost und Kaiserschmarrn zur Belohnung.
Für den Rückweg kannst du entweder denselben Weg wählen oder die Tour zu einer Runde erweitern. Diese Wanderung ist eine wunderbare Einführung in die Welt der Tormäuer und auch für weniger geübte Wanderer gut zu bewältigen.
Panoramaweg über die Vorderötscher-Alm
Diese Höhenwanderung bietet die perfekte Ergänzung zu den Schluchtentouren, denn statt in die Tiefe geht es hier in luftige Höhen. Von der Gegend um Wienerbruck steigst du auf zur Vorderötscher-Alm und genießt dabei immer wieder weite Ausblicke über das Erlauftal und die umliegenden Berge.
Die weiten Almwiesen mit ihren grasenden Kühen und die urigen Almhütten vermitteln ein Gefühl von Freiheit und Weite, das die enge Schlucht nicht bieten kann. Der Kontrast zwischen der wilden Tiefe und der offenen Höhe macht diese Tour besonders reizvoll.
Die Wanderung ist mittelschwer und aufgrund der Aussichten und der Almkulisse ein Genuss für alle Sinne. Eine Einkehr auf der Alm rundet den Tag perfekt ab. Ideal für Genusswanderer, die den Trubel der Schlucht meiden und dennoch die Schönheit der Region erleben möchten.
Rund um Lackenhof: Familienrunde am Fuße des Ötschers
Nicht jede Tour muss auf den Gipfel führen. Diese entspannte Rundwanderung rund um Lackenhof am Ötscher ist ideal für Familien und Genießer. Der Weg führt durch sanfte Almwiesen, lichte Wälder und immer wieder mit Blick auf die imposante Ötscher-Nordwand.
Unterwegs kommst du an mehreren Einkehrmöglichkeiten und urigen Hütten vorbei, die zum Verweilen einladen. Im Sommer ist die Region herrlich grün und blühend, und die vergleichsweise geringen Höhenunterschiede machen die Runde auch für Kinder gut machbar.
Wer Lust hat, kann die Sesselbahn nutzen und ein Stück weiter hinauf, um noch mehr vom Berg zu sehen. Diese Tour ist ein perfekter Einstieg oder Ausklang für einen Wanderurlaub in den Mostviertler Alpen und zeigt die freundliche, gemütliche Seite der Region.
Häufige Fragen
Sind die Ötscher-Tormäuer für Kinder geeignet?
Ja, die Region ist grundsätzlich sehr familienfreundlich, allerdings solltest du die Tour dem Alter und der Erfahrung deiner Kinder anpassen. Der vordere Ötschergraben bis zur Ötscherhias-Hütte ist ideal, da die Stege gut gesichert sind und die vielen Wasserstellen für kleine Entdecker eine wahre Wunderwelt darstellen.
Bei jüngeren Kindern solltest du an den ungesicherten Uferstellen und in der Nähe der Wasserfälle besonders aufpassen, da das Wasser stellenweise tief und die Strömung stark ist. Für längere Touren wie den kompletten Ötschergraben empfiehlt es sich, dass die Kinder bereits ausdauernd wandern können. Insgesamt sind die Tormäuer aber ein fantastisches Erlebnis für die ganze Familie.
Kann ich mit Hund durch die Schluchten wandern?
Hunde sind in den Ötscher-Tormäuern grundsätzlich erlaubt, müssen aber unbedingt an der Leine geführt werden, da es sich um einen Naturpark mit sensibler Tier- und Pflanzenwelt handelt. Auf den schmalen Stegen und Brücken solltest du deinen Vierbeiner besonders gut im Griff haben.
Für sehr ängstliche oder trittunsichere Hunde können die luftigen Steganlagen eine Herausforderung sein, da man durch die Gitterroste teilweise in die Tiefe blicken kann. Denke auch daran, ausreichend Wasser für deinen Hund mitzunehmen, auch wenn die Erlauf reichlich fließt – das eiskalte Wasser ist nicht immer die beste Wahl. Auf den Almen kann es zudem zu Begegnungen mit Weidevieh kommen, also halte hier besondere Vorsicht walten.
Wie komme ich am besten in die Region?
Ein echtes Highlight der Anreise ist die nostalgische Mariazellerbahn, die von St. Pölten aus direkt zu den wichtigsten Ausgangspunkten wie Wienerbruck-Josefsberg fährt. Diese Schmalspurbahn ist nicht nur umweltfreundlich, sondern selbst schon ein Erlebnis und ideal für Streckenwanderungen, bei denen Start und Ziel unterschiedlich sind.
Mit dem Auto erreichst du die Region über die Mariazeller Straße. In Lackenhof, Wienerbruck und an den anderen Ausgangspunkten gibt es Parkmöglichkeiten, die an Wochenenden im Sommer allerdings schnell voll sind. Ein früher Start lohnt sich also doppelt – wegen der Parkplätze und wegen der ruhigeren Wege.
Welche Ausrüstung brauche ich für die Schluchtenwanderungen?
Das Wichtigste sind gute, feste Wanderschuhe mit griffiger Sohle, denn die Stege und Wege können durch die Nähe zum Wasser feucht und rutschig sein. Knöchelhohe Schuhe geben zusätzlichen Halt auf den wurzeligen und steinigen Passagen.
Da sich das Wetter im Gebirge schnell ändern kann und es in der Schlucht auch bei Sonnenschein oft kühl und feucht ist, gehört eine wetterfeste Jacke in jeden Rucksack. Nimm ausreichend Wasser und eine Jause mit, auch wenn es unterwegs Einkehrmöglichkeiten gibt. Für die Gipfeltouren am Ötscher solltest du zudem an Sonnenschutz und bei den gesicherten Passagen an entsprechende Erfahrung denken.
Wann ist die beste Zeit für eine Wanderung?
Die ideale Wanderzeit für die Ötscher-Tormäuer erstreckt sich von Mai bis Oktober. Im Frühling führt die Erlauf durch die Schneeschmelze besonders viel Wasser, was die Wasserfälle noch spektakulärer macht. Der Frühsommer verzaubert mit sattem Grün und blühenden Almwiesen.
An heißen Sommertagen bietet die schattige, kühle Schlucht eine willkommene Abkühlung, während sich der Herbst mit seinen bunten Wäldern und der klaren Fernsicht besonders für die Gipfeltouren am Ötscher eignet. Im Winter sind viele Schluchtenwege gesperrt oder nur für erfahrene Winterwanderer und Schneeschuhgeher zugänglich. Prüfe daher vor der Anreise immer die aktuellen Wegeverhältnisse.
Brauche ich Schwindelfreiheit für die Tormäuer?
Für die klassischen Schluchtenwanderungen im Ötschergraben ist eine gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit von Vorteil, da die Stege teilweise luftig über der Erlauf und entlang steiler Felswände verlaufen. Durch die Gitterroste kann man an manchen Stellen in die Tiefe blicken, was empfindliche Personen irritieren kann.
Wer unter starker Höhenangst leidet, sollte die besonders ausgesetzten Abschnitte meiden und stattdessen auf die zahlreichen Talwege oder die sanften Almwanderungen ausweichen. Die Steganlagen sind jedoch gut gebaut und gesichert, sodass die meisten Wanderer sie problemlos bewältigen. Für den Rauhen Kamm am Ötscher hingegen ist ausgeprägte Schwindelfreiheit unbedingt erforderlich.
Gibt es Einkehrmöglichkeiten entlang der Wege?
Ja, die Region ist erfreulich gut mit urigen Hütten und Gasthäusern ausgestattet. Mitten in der Schlucht liegt die beliebte Ötscherhias-Hütte, die Hausmannskost, deftige Jausen und süße Mehlspeisen serviert. Auch die Ötscherbasis und weitere Einkehren am Rande der Schlucht laden zur Rast.
Am Ötscher selbst gibt es das Ötscher-Schutzhaus und die Hütten im Skigebiet Lackenhof, die im Sommer geöffnet haben. In den Tälern und entlang der Moststraße findest du zudem zahlreiche Mostheurige und Buschenschänken, in denen du regionale Spezialitäten und natürlich den berühmten Most verkosten kannst. Es empfiehlt sich, vorab die Öffnungszeiten zu prüfen, besonders außerhalb der Hauptsaison.
Wie schwierig sind die Wanderungen insgesamt?
Das Schwierigkeitsspektrum ist breit gefächert, sodass für jedes Fitnesslevel etwas dabei ist. Die einfachen Talwanderungen und der vordere Ötschergraben sind gut machbar und auch für weniger geübte Wanderer geeignet. Der komplette Ötschergraben ist mit etwa 15 Kilometern konditionell fordernd, technisch aber nicht schwierig.
Die Gipfeltouren auf den Ötscher, insbesondere über den Rauhen Kamm, gehören dagegen in den Bereich der anspruchsvollen Bergwanderungen und verlangen Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Grundsätzlich gilt: Informiere dich vorab über die konkrete Route, die Länge und die Höhenmeter, damit die Tour zu deinem Können passt und der Wandertag zum Genuss wird.
Kann man in den Gumpen der Erlauf baden?
Grundsätzlich ist das Wasser der Erlauf kristallklar und die türkisen Gumpen sehen unglaublich verlockend aus. Allerdings ist das Wasser selbst im Hochsommer eisig kalt, was ein längeres Bad zur echten Mutprobe macht. Eine kurze Abkühlung der Füße ist an geeigneten, flachen Stellen aber durchaus möglich und wunderbar erfrischend.
Wichtig ist, dass du auf die Strömung und die teilweise große Tiefe der Gumpen achtest. Manche Bereiche im Naturpark sind zudem aus Naturschutzgründen sensibel, weshalb du dich an die Beschilderung halten und die Natur respektieren solltest. Sprünge in unbekannte Wasserlöcher sind wegen versteckter Felsen und der Kälte grundsätzlich nicht zu empfehlen.
Sind die Wege gut beschildert?
Die Region ist als Naturpark gut erschlossen und die Hauptwege sind mit den üblichen rot-weiß-roten Markierungen und Wegweisern versehen. An den Ausgangspunkten wie Wienerbruck und Lackenhof findest du Übersichtstafeln, die dir bei der Orientierung helfen. Auch die Steganlagen im Ötschergraben sind klar geführt.
Dennoch empfiehlt es sich, eine Wanderkarte oder eine Wander-App mitzunehmen, besonders wenn du abseits der Hauptrouten unterwegs bist oder eine der weniger frequentierten Touren wie die Trefflingfälle wählst. So findest du auch die Abzweigungen zu den Geheimtipps zuverlässig. Bei Nebel oder schlechter Sicht am Ötscher ist eine gute Orientierung ohnehin unerlässlich.
Kann man mehrere Tage in der Region wandern?
Absolut, die Ötscher-Tormäuer und die Mostviertler Alpen eignen sich hervorragend für einen mehrtägigen Wanderurlaub. Die Vielfalt an Touren – von Schluchtenwanderungen über Almwege bis zu Gipfeltouren – sorgt dafür, dass dir mehrere Tage lang nicht langweilig wird. Du kannst jeden Tag eine völlig andere Facette der Landschaft erleben.
In Lackenhof, Gaming und den umliegenden Orten gibt es zahlreiche Unterkünfte vom gemütlichen Gasthof bis zum Hotel. Wer gerne von Hütte zu Hütte wandert, findet ebenfalls passende Etappen. Die gute Anbindung durch die Mariazellerbahn erleichtert zudem die Planung von Streckenwanderungen über mehrere Tage. Ein verlängertes Wochenende oder eine ganze Woche lassen sich hier wunderbar füllen.
Was macht das Mostviertel kulinarisch besonders?
Das Mostviertel ist berühmt für seinen Most, ein leicht herbes Getränk aus Birnen und Äpfeln, das auf den unzähligen Streuobstwiesen der Region gedeiht. Entlang der Moststraße kannst du bei verschiedenen Höfen die unterschiedlichen Mostsorten verkosten und lernst dabei viel über die traditionelle Herstellung.
Dazu gibt es deftige regionale Spezialitäten wie hausgemachten Speck, kräftiges Bauernbrot, Bratl und süße Bauernkrapfen. Die Mostheurigen und Buschenschänken sind gemütliche Orte, an denen die regionale Gastfreundschaft großgeschrieben wird. Nach einer ausgiebigen Wanderung schmeckt eine solche Jause gleich doppelt gut – und ein Glas Most darf zur Belohnung natürlich nicht fehlen.