Wilde Bergtäler und Schluchten
Nationalpark Val Grande: Wandern in der letzten Wildnis der Alpen
Val Grande: Wildnis pur im Piemont
Stell dir eine Landschaft vor, in der du stundenlang gehen kannst, ohne einem Menschen zu begegnen, in der verfallene Steinhütten von einem verschwundenen Bergbauernleben erzählen und der Wald sich Tal für Tal zurückerobert, was ihm der Mensch einst abgerungen hat. Willkommen im Nationalpark Val Grande, dem größten zusammenhängenden Wildnisgebiet der Alpen und einem der stillsten Flecken Italiens.
Zwischen dem Lago Maggiore und dem Ossolatal, im Norden des Piemont, erstreckt sich dieses raue, ungezähmte Herz der Lepontinischen Alpen. Hier gibt es keine Seilbahnen, keine Berghotels mit Sonnenterrasse, kaum markierte Wege im klassischen Sinne. Was es gibt, ist echte Ursprünglichkeit: dichte Buchen- und Kastanienwälder, steile Schluchten, in denen der Fluss Rio Val Grande tost, und Grate, von denen aus dein Blick bis zum Monte Rosa schweift.
Der Val Grande ist kein Ort für den bequemen Wochenendspaziergang. Er verlangt Respekt, gute Vorbereitung und ein Faible für das Einsame. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einem Naturerlebnis belohnt, das in den überlaufenen Alpen längst zur Rarität geworden ist. Die alten Alpwege, einst von Hirten und Köhlern getreten, führen dich zu verlassenen Weilern wie In La Piana oder Alpe Prà, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
Es ist eine Wildnis mit Geschichte: Bis in die 1960er-Jahre lebten und arbeiteten hier Menschen, dann kehrte die Natur zurück. Heute ist der Val Grande ein Freilichtmuseum der Stille, in dem Gämsen, Steinadler und sogar der eine oder andere scheue Wolf zu Hause sind. Wer hier wandert, taucht ein in eine Welt, die woanders längst verloren ging.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
bis 2.156 m (Monte Zeda)
Geländecharakter
Waldpfade, Grate, felsige Schluchten
Infrastruktur
Sehr gering, wenige Biwaks
Beste Reisezeit
Mai bis Oktober
Was den Val Grande so unvergleichlich macht
Die letzte echte Wildnis der Alpen
Der Val Grande trägt seinen Ruf zu Recht: Auf rund 15.000 Hektar erstreckt sich hier ein Gebiet, das über Jahrzehnte sich selbst überlassen wurde. Kein anderer Nationalpark im Alpenraum bietet eine derartige Weite an unberührter Natur, in der Wälder, Felsen und wilde Bachläufe die Regie führen. Der Mensch ist hier zu Gast, nicht Hausherr, und genau das spürst du mit jedem Schritt.
Was den Park so besonders macht, ist die Kombination aus dramatischer Topografie und tiefer Stille. Die engen Schluchten, allen voran die berüchtigte Val Grande-Schlucht mit dem gleichnamigen Wildbach, sind nur für erfahrene Bergsteiger zugänglich. Rundherum ziehen sich sanftere Wanderpfade über Grate und durch Wälder, die im Herbst in leuchtendem Gold und Rot erstrahlen. Wusstest du schon, dass der Val Grande deshalb auch die Wildnis vor der Haustür Mailands genannt wird? Vom Trubel der Metropole ist hier nichts mehr zu spüren.
Verlassene Alpen und die Spuren vergangenen Lebens
Der Val Grande ist ein einziges begehbares Geschichtsbuch. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebten in den hochgelegenen Weilern Hirten, Köhler und Kleinbauern, die dem kargen Land ihren Lebensunterhalt abrangen. Als sie fortzogen, blieben ihre Steinhäuser, Ställe und Kapellen zurück. Heute stößt du bei fast jeder Wanderung auf diese stillen Zeugen: verwitterte Mauern in Alpe In La Piana, moosbewachsene Dächer in Cortino oder die einsame Kapelle bei Pian Cavallone.
Besonders bewegend ist die Geschichte des Rastellamento vom Juni 1944, als der Val Grande Schauplatz einer der brutalsten Vergeltungsaktionen gegen italienische Partisanen wurde. Gedenktafeln entlang mancher Wege erinnern an diese dunkle Episode. So wird jede Wanderung im Val Grande auch zu einer Reise in die Vergangenheit, mal romantisch verklärt, mal erschütternd real.
Kulinarik im Ossolatal und am Lago Maggiore
Nach der Wildnis kommt der Genuss: Rund um den Nationalpark, im Ossolatal und am Ufer des Lago Maggiore, erwartet dich eine bodenständige, herzhafte Küche. Probier unbedingt den Bettelmatt, einen seltenen Bergkäse aus dem Val Formazza, der als einer der teuersten Käse Italiens gilt. Dazu ein Teller Gnocchi all'ossolana oder eine kräftige Polenta mit Wildragout, und du weißt, warum man sich das Wandern hier redlich verdienen muss.
In den Dörfern rund um den Park, etwa in Cicogna, Malesco oder Cannobio, findest du kleine Trattorien und Agriturismi, in denen noch nach überlieferten Rezepten gekocht wird. Ein Glas Nebbiolo aus dem nahen Piemont rundet den Tag perfekt ab. Geheimtipp: Der Wochenmarkt in Domodossola am Samstag ist ein Fest für alle Sinne und der ideale Ort, um regionale Spezialitäten für die nächste Wanderung einzupacken.
Cicogna, das Tor zur Wildnis
Das winzige Bergdorf Cicogna gilt als das inoffizielle Eingangstor zum Val Grande. Mit gerade einmal einer Handvoll ganzjähriger Bewohner ist es der höchstgelegene bewohnte Ort im Parkgebiet und Ausgangspunkt vieler Touren. Die kurvenreiche Straße hinauf ist bereits ein Abenteuer für sich, doch oben angekommen belohnt dich ein Panorama über das grüne Herz des Parks.
Von hier aus starten die meisten Wanderer ihre Erkundungen. Ein kleines Besucherzentrum informiert über Flora, Fauna und die Geschichte des Tals. Wusstest du schon, dass sich in den Wäldern des Val Grande wieder Steinadler und in manchen Wintern sogar Wölfe zeigen? Wer Glück hat, entdeckt frühmorgens Gämsen an den steilen Hängen oder hört das Klopfen des Schwarzspechts durch den Buchenwald hallen.
Wanderparadies Val Grande: Warum hier dein Herz höherschlägt
Wandern, wo die Wildnis regiert
Wandern im Val Grande ist anders. Vergiss breite, ausgeschilderte Alpenwege mit Rasthütte alle zwei Stunden. Hier folgst du oft schmalen, teils zugewachsenen Pfaden, die einst von Hirten getreten wurden. Das macht die Sache anspruchsvoll, aber auch unvergleichlich intensiv. Du gehst nicht nur durch die Natur, du wirst Teil von ihr.
Gerade diese Ursprünglichkeit zieht Wanderer an, die etwas Besonderes suchen. Wer die Ruhe liebt und den Trubel touristischer Hotspots meidet, findet hier sein Paradies. Es ist ein Terrain für Menschen, die gerne ihre eigene Route lesen, die Karte und Kompass nicht nur als Deko im Rucksack tragen und die den Reiz des Unerschlossenen zu schätzen wissen.
Für wen der Val Grande gemacht ist
Ehrlich gesagt: Der Val Grande ist kein Anfängerrevier. Die Wege sind teils weglos, die Orientierung fordernd, und Wasserstellen sind rar. Erfahrene Bergwanderer und Trekking-Enthusiasten kommen hier voll auf ihre Kosten, besonders bei mehrtägigen Durchquerungen mit Übernachtung in einer der einfachen Biwakhütten.
Für Einsteiger und Familien gibt es dennoch schöne Alternativen am Rand des Parks, etwa Rundwege bei Cicogna oder den Aufstieg zum Pian Cavallone mit grandiosem Blick auf den Lago Maggiore. Diese Touren geben einen Vorgeschmack auf die Wildnis, ohne gleich alpine Vollprofi-Ausrüstung zu verlangen. Der Grundsatz gilt aber überall: gute Ausrüstung, festes Schuhwerk und genug Wasser sind Pflicht, nicht Kür.
Aussichten, die den Schweiß wert sind
Die Belohnung für die Mühen sind Panoramen der Extraklasse. Vom Gipfel des Monte Zeda (2.156 m), dem höchsten Punkt im Parkgebiet, reicht der Blick an klaren Tagen vom Lago Maggiore über die Walliser Alpen bis zum mächtigen Monte-Rosa-Massiv. Es ist einer jener Momente, in denen dir die Weite der Alpen erst so richtig bewusst wird.
Auch der Pian Cavallone und der Cima della Laurasca bieten spektakuläre Ausblicke. Und selbst unterwegs, tief in den Wäldern, gibt es diese magischen Augenblicke: wenn sich der Nebel lichtet und der Blick plötzlich frei wird über ein Meer aus grünen Bergrücken, ohne eine einzige Straße, ohne ein einziges Dach in Sicht. Genau dafür kommt man in den Val Grande.
Wegequalität und was du wissen solltest
Die Wegequalität variiert stark. Manche Pfade rund um Cicogna und zu den bekannteren Alpen sind gut gepflegt und markiert. Sobald du tiefer ins Parkinnere vordringst, wird es wilder: Wege können ausgewaschen, überwachsen oder an Steilstellen ausgesetzt sein. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung.
Ein besonderer Reiz liegt in den mehrtägigen Trekkingtouren, bei denen du in Biwaks wie dem Bivacco Alpe Serena oder der Hütte am Pian Cavallone übernachtest. Plane solche Touren sorgfältig, informiere dich beim Parkbüro über die aktuelle Wegelage und trag dich in die Gästebücher der Biwaks ein. Die Wildnis verzeiht keine Nachlässigkeit, aber sie schenkt dir dafür Erlebnisse, die dich nie wieder loslassen.
Unterkünfte rund um den Val Grande: Von rustikal bis gemütlich
Die schönsten Wandertouren im Val Grande
Von Cicogna zur Alpe In La Piana
Diese Tour ist der perfekte Einstieg in die Welt des Val Grande und einer der beliebtesten Wege überhaupt. Ausgangspunkt ist das Bergdorf Cicogna, das du über eine kurvenreiche Straße von Verbania aus erreichst. Von hier steigst du zunächst hinab in die Schlucht des Rio Val Grande, überquerst den Wildbach an einer markanten Stelle und folgst dann dem alten Alpweg bergauf.
Nach rund zwei bis drei Stunden erreichst du Alpe In La Piana, einen der stimmungsvollsten verlassenen Weiler des Parks. Die verfallenen Steinhäuser, umgeben von Wiesen und Wald, erzählen von der einstigen Almwirtschaft. Es ist ein magischer Ort, um zu rasten und die Stille zu genießen. Der Weg ist gut markiert, verlangt aber Kondition und Trittsicherheit, vor allem beim Abstieg in die Schlucht. Für die Rundtour zurück nach Cicogna solltest du einen ganzen Tag einplanen und ausreichend Wasser mitnehmen, da unterwegs kaum verlässliche Quellen liegen.
Aufstieg zum Pian Cavallone
Der Pian Cavallone ist einer der klassischen Aussichtsberge am Südrand des Nationalparks und dank guter Wegführung auch für ambitionierte Einsteiger machbar. Startpunkt ist meist der Parkplatz bei Colle oberhalb von Aurano. Von dort führt ein gut ausgetretener Pfad in stetigem Anstieg durch Wald und über offene Almflächen nach oben.
Oben erwartet dich die kleine Wallfahrtskapelle und ein Panorama, das seinesgleichen sucht: Der Blick schweift über den gesamten Lago Maggiore, hinüber zu den Walliser Alpen und tief hinein ins wilde Herz des Val Grande. An klaren Tagen erkennst du sogar den Monte Rosa. In der Nähe befindet sich ein bewirtschaftetes Refugium, das in der Saison eine willkommene Einkehr bietet. Die Tour dauert je nach Ausgangspunkt vier bis sechs Stunden und eignet sich hervorragend für einen ersten intensiven Kontakt mit der Bergwelt des Parks.
Besteigung des Monte Zeda
Der Monte Zeda ist mit 2.156 Metern der höchste Gipfel im Parkgebiet und ein echtes Ziel für konditionsstarke Bergwanderer. Die anspruchsvolle Tour beginnt oft am Pian Cavallone oder von Cicogna aus über mehrere Etappen. Von der Hochebene führt der Weg über den Grat, vorbei an der Cima della Laurasca, hinauf zum Gipfel.
Der Aufstieg verlangt Ausdauer, Trittsicherheit und gutes Wetter, denn die letzten Meter sind teils ausgesetzt. Doch die Belohnung am Gipfelkreuz ist überwältigend: ein Rundumblick über die gesamte Wildnis des Val Grande, den Lago Maggiore und das Ossolatal bis hin zu den Viertausendern der Walliser Alpen. Diese Tour solltest du nur bei stabiler Wetterlage angehen und am besten als Zweitagestour mit Übernachtung im Biwak planen. Wer den Zeda bezwingt, gehört zu den wahren Kennern dieses stillen Bergreichs.
Trekking-Durchquerung von Cicogna nach Premosello
Für erfahrene Trekker ist die mehrtägige Durchquerung des Val Grande das ultimative Abenteuer. Die Route führt von Cicogna über verlassene Alpen wie Alpe Serena und Alpe Boschelli quer durch das Parkinnere bis hinab nach Premosello-Chiovenda im Ossolatal. Übernachtet wird in einfachen Biwakhütten ohne jeden Komfort.
Diese Tour ist nichts für schwache Nerven: Die Wege sind teils weglos, ausgesetzt und schlecht markiert, Wasserstellen selten. Du bist über weite Strecken vollkommen auf dich allein gestellt, umgeben von einer Wildnis, wie es sie in den Alpen kaum noch gibt. Genau das macht den Reiz aus. Wer die zwei bis drei Tage durchhält, erlebt eine Intensität und Einsamkeit, die man nie vergisst. Sorgfältige Planung, alpine Erfahrung und Abstimmung mit dem Parkbüro sind hier absolute Pflicht.
Rundweg bei Cicogna für Genusswanderer
Nicht jeder will gleich in die Vollwildnis. Für Familien und Genusswanderer bietet sich ein kürzerer Rundweg direkt rund um das Dorf Cicogna an. Der Pfad führt durch schattige Kastanien- und Buchenwälder, entlang alter Trockenmauern und vorbei an Aussichtspunkten mit Blick in die Schlucht des Rio Val Grande.
Diese Tour gibt einen wunderbaren ersten Eindruck vom Charakter des Parks, ohne alpine Vollausrüstung zu verlangen. Unterwegs kannst du am kleinen Besucherzentrum Halt machen und mehr über die Geschichte und Natur der Region erfahren. Die Gehzeit beträgt je nach Variante zwei bis drei Stunden, ideal für einen entspannten Halbtagesausflug. Anschließend lohnt sich eine Einkehr im Dorf, wo dich lokale Spezialitäten und die herzliche Ruhe des Bergdorfs erwarten.
Von Malesco zur Alpe Straolgio
Am nördlichen Rand des Parks, im Valle Vigezzo, startet diese aussichtsreiche Tour im Ort Malesco. Der Weg führt zunächst durch Wald und über alte Saumpfade hinauf zur Alpe Straolgio, einer teils noch bewirtschafteten Hochalm mit einem kleinen Bergsee in der Nähe.
Diese Route verbindet das Beste aus beiden Welten: die Wildheit des Val Grande und die etwas sanftere Kulisse des Vigezzotals. Der See lädt an heißen Sommertagen zu einer Rast ein, und die umliegenden Gipfel bieten ein grandioses Panorama. Die Tour ist mittelschwer, gut zu finden und mit rund fünf Stunden Gehzeit ein lohnendes Tagesziel. Als Ausgangsort ist Malesco zudem bequem mit der historischen Centovalli-Bahn erreichbar, was einen autofreien Wandertag ermöglicht, ein echter Geheimtipp für Bahnfans und Naturliebhaber gleichermaßen.
Häufige Fragen
Ist der Val Grande für Wanderanfänger geeignet?
Der Val Grande ist in seinem Kern kein Anfängergebiet. Viele Wege sind weglos, schlecht markiert oder ausgesetzt, und die Orientierung erfordert Erfahrung mit Karte und Kompass. Wer noch wenig Bergerfahrung hat, sollte sich zunächst an die einfacheren Routen am Parkrand halten.
Für Einsteiger empfehlen sich der Rundweg bei Cicogna oder der Aufstieg zum Pian Cavallone, die beide gut begehbar sind und trotzdem einen intensiven Eindruck der Landschaft vermitteln. Tiefergehende Touren ins Parkinnere solltest du erst angehen, wenn du sicher im alpinen Gelände unterwegs bist oder dich einem erfahrenen Bergführer anschließt. Sicherheit geht hier immer vor.
Kann ich im Val Grande mit Hund wandern?
Grundsätzlich sind Hunde im Nationalpark erlaubt, sollten aber unbedingt an der Leine geführt werden, um die Wildtiere nicht zu stören. Der Park beherbergt Gämsen, Steinadler und andere scheue Arten, die auf Ruhe angewiesen sind.
Bedenke außerdem, dass das Gelände für Hunde durchaus fordernd sein kann: steile, ausgesetzte Passagen, felsige Abschnitte und lange Strecken ohne Wasserstellen. Nimm ausreichend Wasser für deinen Vierbeiner mit und schätze seine Kondition realistisch ein. Für sehr anspruchsvolle Trekkingtouren durch das Parkinnere ist ein Hund oft überfordert. Auf den einfacheren Randwegen dagegen kann dein treuer Begleiter die Wildnis gut mit dir genießen.
Ist der Val Grande für Familien mit Kindern geeignet?
Für Familien eignen sich vor allem die Touren am Rand des Parks. Der Rundweg um Cicogna oder kürzere Abschnitte Richtung Pian Cavallone sind auch mit älteren, wandererfahrenen Kindern gut zu bewältigen und bieten viel zu entdecken.
Von längeren Touren ins Parkinnere ist mit Kindern eher abzuraten, da die Wege oft anspruchsvoll und ausgesetzt sind. Wichtig ist bei allen Familienwanderungen: genug Verpflegung und Wasser einpacken, feste Schuhe tragen und die Etappen dem Tempo der Kleinen anpassen. Die verlassenen Alpen und die spannende Geschichte der Köhler und Hirten faszinieren viele Kinder und machen aus der Wanderung ein echtes Abenteuer.
Wann ist die beste Zeit zum Wandern im Val Grande?
Die ideale Wandersaison reicht von Mai bis Oktober. Im Frühsommer erwachen die Wälder zu neuem Leben, die Bäche führen viel Wasser und die Wiesen der verlassenen Alpen blühen. Der Herbst wiederum verwandelt die Buchen- und Kastanienwälder in ein Farbenmeer aus Gold und Rot.
Der Hochsommer kann in den tieferen Lagen sehr heiß und schwül werden, weshalb frühe Startzeiten empfehlenswert sind. Im Winter ist der Park kaum begehbar, da Schnee und Vereisung die ohnehin anspruchsvollen Wege gefährlich machen. Prüfe vor jeder Tour die aktuelle Wettervorhersage, denn im Gebirge kann sich das Wetter rasch ändern und die Orientierung im Nebel wird schnell zur echten Herausforderung.
Gibt es im Val Grande Übernachtungsmöglichkeiten?
Im Parkinneren findest du einige einfache Biwakhütten, etwa das Bivacco Alpe Serena, die kostenlos und meist unbewirtschaftet sind. Sie bieten nur einen Notdurftschutz mit Pritschen, du musst also Schlafsack, Verpflegung und Wasser selbst mitbringen.
Komfortablere Unterkünfte gibt es in den Dörfern rund um den Park, etwa in Cicogna, Malesco, Cannobio oder im Ossolatal. Dort erwarten dich Agriturismi, kleine Hotels und Bed and Breakfasts mit familiärer Atmosphäre. Wer eine mehrtägige Durchquerung plant, sollte die Biwaks nicht als Reservierungsobjekt verstehen, sondern flexibel bleiben und sich vorab beim Parkbüro über die aktuelle Lage informieren.
Wie komme ich am besten zum Val Grande?
Der Nationalpark liegt zwischen dem Lago Maggiore und dem Ossolatal im Norden des Piemont. Der bekannteste Ausgangspunkt Cicogna erreichst du mit dem Auto über Verbania und eine kurvige Bergstraße. Die Anfahrt ist Teil des Abenteuers, verlangt aber etwas Fahrgeschick.
Alternativ sind einige Randorte wie Malesco per Bahn zu erreichen, etwa mit der landschaftlich reizvollen Centovalli-Bahn zwischen Domodossola und Locarno. Domodossola selbst ist gut an das italienische und schweizerische Bahnnetz angebunden. Von den größeren Orten aus verkehren teils Busse zu den Parkeingängen, allerdings mit eingeschränktem Fahrplan. Für maximale Flexibilität ist ein eigenes Fahrzeug meist die praktischste Wahl.
Brauche ich eine besondere Ausrüstung?
Ja, gute Ausrüstung ist im Val Grande unverzichtbar. Feste, knöchelhohe Wanderschuhe mit griffiger Sohle sind Pflicht, da das Gelände oft felsig, steil und teils weglos ist. Dazu gehören wetterfeste Kleidung, ausreichend Wasser und Proviant sowie eine gute Wanderkarte.
Da viele Wege schlecht markiert sind, empfiehlt sich zusätzlich ein GPS-Gerät oder eine Wander-App mit Offline-Karten, denn Handyempfang ist im Parkinneren oft nicht vorhanden. Für mehrtägige Touren brauchst du Schlafsack, Erste-Hilfe-Set und genügend Verpflegung, da es unterwegs keine Einkaufsmöglichkeiten gibt. Wer sicher unterwegs sein will, packt lieber etwas mehr ein und informiert Angehörige über die geplante Route.
Gibt es Wasserstellen entlang der Wege?
Wasserstellen sind im Val Grande leider rar, besonders im Hochsommer. Auf einigen der verlassenen Alpen findest du Brunnen oder Quellen, doch verlassen solltest du dich darauf keinesfalls. Viele Bäche führen im Sommer wenig oder kein Wasser.
Nimm daher immer ausreichend Trinkwasser für den ganzen Tag mit, besonders auf längeren Touren. Als Faustregel gelten mindestens zwei bis drei Liter pro Person bei einer Tagestour, bei Hitze entsprechend mehr. Wer eine Mehrtagestour plant, sollte sich vorab genau über verlässliche Wasserquellen informieren und im Zweifel Wasserfilter oder Entkeimungstabletten mitführen, um im Notfall aus Bächen schöpfen zu können.
Sind die Wege gut markiert?
Das hängt stark vom jeweiligen Abschnitt ab. Die Wege rund um Cicogna und zu den bekannteren Alpen sind meist ordentlich markiert und gut zu finden. Sobald du jedoch tiefer ins Parkinnere vordringst, wird die Markierung spärlich bis nicht vorhanden.
Manche historischen Pfade sind überwachsen oder durch Erosion schwer erkennbar. Deshalb ist Orientierungsvermögen hier besonders wichtig. Eine detaillierte topografische Karte, ein GPS-Gerät und die Fähigkeit, Gelände zu lesen, sind auf anspruchsvolleren Touren unverzichtbar. Verlass dich nicht allein auf Wegweiser, sondern plane deine Route im Vorfeld sorgfältig und behalte während der Wanderung stets die Übersicht über deinen Standort.
Welche Tiere kann ich im Val Grande beobachten?
Der Park ist ein Rückzugsort für viele Wildtiere. Am häufigsten begegnest du Gämsen, die sich an den steilen Hängen wohlfühlen, sowie Rehen und Rothirschen in den Waldgebieten. Mit etwas Glück und Geduld kannst du auch Steinadler beim Kreisen über den Graten beobachten.
In den letzten Jahren hat sich sogar der Wolf wieder in der Region angesiedelt, auch wenn Sichtungen extrem selten sind. Ebenso leben hier Füchse, Dachse und zahlreiche Vogelarten wie der Schwarzspecht, dessen Klopfen durch die Wälder hallt. Verhalte dich stets ruhig und respektvoll, halte Abstand und vermeide es, die Tiere zu füttern oder zu stören. Frühe Morgenstunden bieten die besten Chancen für Beobachtungen.
Kann ich im Val Grande zelten?
Wildes Zelten ist im Nationalpark grundsätzlich nicht erlaubt, da es sich um ein streng geschütztes Gebiet handelt. Um die empfindliche Natur zu schonen, gelten hier strenge Regeln zum Übernachten im Freien.
Für die Übernachtung stehen dir die einfachen Biwakhütten im Parkinneren zur Verfügung, die kostenlos genutzt werden dürfen. In den Randgebieten und den umliegenden Dörfern gibt es zudem einige Campingplätze und feste Unterkünfte. Wer den Park mehrtägig durchqueren möchte, sollte seine Route entlang der Biwaks planen und sich beim Parkbüro über die aktuellen Bestimmungen informieren. So bleibt die Wildnis für kommende Generationen erhalten.
Ist der Val Grande wirklich so einsam wie sein Ruf?
Ja, und das ist genau sein besonderer Reiz. Der Val Grande gilt als das größte zusammenhängende Wildnisgebiet der Alpen, und gerade im Parkinneren kannst du stundenlang wandern, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Diese Stille ist heute in den Alpen eine echte Seltenheit.
An den beliebten Randwegen rund um Cicogna oder am Pian Cavallone triffst du an schönen Wochenenden natürlich schon mal andere Wanderer. Doch sobald du dich tiefer ins Tal wagst, gehört die Wildnis dir fast allein. Wer die Einsamkeit sucht und die Natur ganz für sich erleben möchte, findet hier einen der letzten Orte in den Alpen, an dem das noch möglich ist. Genieße die Ruhe, aber sei dir der damit verbundenen Verantwortung bewusst.