Was lange währt...
Yamaha Ténéré 700

TEXT: Ulf Böhringer - BILDER: Yamaha & Ulf Böhringer

Ducati Multistrada 950S

… wird tatsächlich am Ende richtig gut. Zumindest im Falle der Yamaha Ténéré 700, auf die man so lange warten musste. Sie verzichtet auf Hightech-Features und gibt sich als pures Fahrgerät jedes Terrain.

204 Kilogramm für eine fahrfertige Reiseenduro sind heutzutage ungewohnt wenig: die meisten der heute am Markt befindlichen Sports-Adventure-Bikes wiegen einen halben oder sogar ganzen Zentner mehr. Zudem leistet der wassergekühlte Zweizylinder-Reihenmotor der neuen Yamaha Ténéré 700 nicht 100+ PS, sondern gerade mal 73 PS/54 kW, und es gibt weder elektronisch wählbare Fahrmodi noch eine Traktionskontrolle, keinen Joystick und keinen Quickshifter, kein spezielles OffroadABS und auch sonst keinerlei elektronische Helferlein, von der Smartphone-Einbindung mittels Connectivity ganz zu schweigen. Fehlt deshalb was? Nach 500 Kilometern über Asphalt, Stock und Stein lautet das Fazit: Nicht wirklich.

Anders als BMW, Honda, KTM und Triumph geht Yamaha das Wagnis ein, sich vom Hightech-Trend in der Reiseenduro-Szene abzukoppeln. „Zugunsten von weniger Gewicht, einem niedrigeren Preis und leichter Handhabung“, sagen die Verantwortlichen. Sie bieten dennoch allerhand: Mindestens 24 Zentimeter Bodenfreiheit, ausgezeichnet abgestimmte Feder- und Dämpfungselemente, eine ausgewogene Sitzposition sowie eine ordentliche Reichweite von an die 350 Kilometer ohne Nachtanken.

Nicht ganz konfliktfrei ist die Sitzhöhe von 87,5 Zentimetern; 1,80 Meter groß sollte man als Fahrer idealerweise schon sein. Zwar gibt es einen Tieferlegungs-Kit, der vier Zentimeter einsparen soll, aber er beeinträchtigt die Bodenfreiheit.

In Fahrt gibt sich die Siebenhunderter souverän: Das Fahrwerk mit 21 Zoll-Vorder- und 18 Zoll-Hinterrad glänzt mit Präzision und großem Schluckvermögen, ohne schaukelig zu sein.

Dazu tragen nicht zuletzt die sinnvoll gewählten Reifenformate wie auch der Reifentyp bei: Der Pirelli Scorpion Rally STR glänzt auf Asphalt und gefällt auch offroad gut. Der gegenüber der MT-07 in Details überarbeitete Motor, in seiner Klasse ohnehin ein Siegertyp, kann sich dank reduzierter Endübersetzung und geringfügigen Modifikationen bestens in Szene setzen, zieht bullig und dreht bei Bedarf willig.

Auch die Ergonomie – sitzend wie stehend – überzeugt. Arrangieren muss man sich im farbigen TFT-Zeitalter mit einem LC-Display im Cockpit, das sauber gegliedert, weitgehend vollständig und ordentlich ablesbar ist. Wichtige Informationen lassen sich vom Lenker aus abrufen.

Viel Wert haben die Entwickler aufs Drumherum gelegt: Es gibt ein sehr stabiles, sauber passendes Gepäckträgersystem mit exakt zu fixierenden Alu-Boxen, zudem diverses anderes Zubehör, das lange Reisen in unwirtliche Gegenden dieser Erde angenehmer machen kann.

Serienmäßig im Lieferumfang geboten sind extrem lange Wartungsintervalle, gute Zugänglichkeit für kleine Servicetätigkeiten wie beispielsweise das Reinigen des Luftfilters und allerlei mehr, so dass die Yamaha Ténéré 700 ausgesprochen praxistauglich wirkt. 9.599 Euro beträgt der Listenpreis. Günstig ist das, aber nicht billig. Denn der Fahrer muss die Traktionskontrolle im rechten Handgelenk haben und das Kurven-ABS im Kopf. Und er muss wissen – oder herausfinden können –, wie er gegebenenfalls die Federelemente (mechanisch) einzustellen hat.

Dass es kein spezielles Offroad-ABS mit Blockierkontrolle fürs Vorderrad und ABS-freiem Hinterrad gibt, hat uns nicht gestört; die ABS-Abstimmung zeigte sich so praxisgerecht, dass wir offroad nie auf den Gedanken kamen, das System zu deaktivieren, was aber möglich ist. Die Bremsanlage selbst überzeugt voll und ganz. Wie das gesamte Fahrzeug.

Technische Daten Ténéré

Motorleistung: 54 kW/73 PS, 68 Nm Drehmoment
Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen, USD-Telegabel/Zentralfederbein m. 20/21 cm Federweg, drei Scheiben-bremsen, Kette
Gewicht: 204 kg
Sitzhöhe: 87,5 cm
Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 186 km/h

Verbrauch: 4,3l/100 km
Farben: Weiß, Blau, Schwarz
Preis: ab 9.599 Euro + NK

Mehr Infos beim Hersteller

Heuer erhalten nur jene ihre Ténéré, die sie schon im Frühsommer bestellt haben; voll läuft die Auslieferung erst im nächsten Jahr. Das Warten, so unser Fazit, lohnt, denn es muss nicht immer die volle Schüttung sein.

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