Grün liegt voll im Trend
Vorstellung Kawasaki Versys 1000 SE

TEXT: Ulf Böhringer - BILDER: Kawasaki & Ulf Böhringer

Kawasaki traut der auf Vielseitigkeit ausgerichteten Versys-Baureihe auch künftig eine Menge zu und hat deshalb die zweite Generation der Versys 1000 in allen Belangen auf ein neues Niveau gebracht. Fürs große Abenteuer sind Reiseenduros zumeist eine gute Wahl.

Doch es geht auch anders, denn schließlich beginnen nicht für alle Motorradfahrer Abenteuer auf zwei Rädern erst bei Sahara-Durchquerungen oder Fahrten durch die endlosen Weiten der Mongolei. Auch sportlichkomfortable Tourenbikes mit längeren Federwegen können durchaus geeignet sein, um sich in Richtung Abenteuer zu bewegen.

So vermeiden es Kawasakis Marketingleute wie Produktentwickler, im Falle der neuen Versys 1000 von einem Abenteuermotorrad zu reden. Doch gleichzeitig suggerieren sie mit dem Slogan „Adventure calling!“, dass der geneigte Versys-Käufer ja nur darauf wartet, ins staubige Abenteuer zu starten – ganz schön listig!

Bei der Präsentation auf der sanddominierten Kanareninsel Fuerteventura hat’s zwar genauso wenig gestaubt wie auf der lavadurchsetzen Nachbarinsel Lanzarote, aber dennoch hat sich auf den mehr als 400 zurückgelegten Kilometern gezeigt, dass die neueste Auflage der Versys 1000, insbesondere in SE-Version, ein überaus vielfältig einsetzbares Motorrad geworden ist.

Selbstverständlich beherrscht sie als echte Kawasaki die schnelle Fahrt, aber nicht zuletzt dank einer sehr kompletten Ausstattung auch das genussvolle Reisen. Da dürfen – dem vorzüglichen semiaktiven Fahrwerksregelsystem der SE-Version sei Dank – die Straßen dann auch gerne mal allerletzter Ordnung sein, um eine versteckt im Outback liegende landestypische Unterkunft anzusteuern.

Die Versys 1000 SE ist ein echtes Top-Class-Motorrad geworden – freilich auch im Preis.

Denn mit den Kosten von 16.395 Euro hat sie den Rahmen der „Jedermann-Bikes“ klar verlassen. Doch auch ihr Gewicht von 257 Kilogramm wie auch die Motorleistung von 120 PS/88 kW verlangen nach einem Piloten mit Erfahrung – insbesondere wenn sich im geräumigen Passagierabteil die Dame des Herzens aufhält.

Sowohl für sie wie für den Fahrer ist die Unterbringung erstklassig: Sitze, Windschutz und Ergonomie gefallen. Für den durchaus selbstbewusst angesetzten Preis bietet die Tausender aber noch mehr: einen faszinierenden, gleichermaßen durchzugsstarken wie drehwilligen Vierzylindermotor sowie ein ausgefeiltes High-Tech-Paket mit dem Höhepunkt eines semiaktiv arbeitenden Fahrwerkssystems.

Dieses Technik-Schmankerl offeriert kein anderer japanischer Hersteller in dieser Klasse. Insofern sind „die Grünen“ mit der Versys 1000 SE erster Verfolger von BMWs GS-Modellen, den Ducati Multistradas wie auch Triumphs Explorern. Dies auch deshalb, weil selbstverständlich auch die weiteren Ingredienzien für ein hochklassiges Technik-Menü an Bord sind: elektronische Traktionskontrolle, Quickshifter, Kurvenlicht, Kurven-ABS und ein prima ablesbares TFT-Display werden ebenfalls geboten – praktisch das gesamte derzeit erhältliche Hightech-Programm. Weiterhin werden serienmäßig unter anderem eine mehrstufige Griffheizung, Hauptständer, stabil wirkende Handschützer und sogar Innentaschen für die mit einem Einschlüsselsystem bestückten Seitenkoffer geliefert.

Wer gar die „Grand Tourer“-Ausstattung ins Auge fasst, erhält zusätzlich neben Motorschutzbügeln, LED-Zusatzscheinwerfern und einem voluminösen Topcase samt Innentasche auch noch eine 12-V-Steckdose im Cockpit.

Der Preis steigt damit auf 17.495 Euro.

Im Spektrum zwischen Beschaulichkeit und Rasanz nimmt Kawasaki bekanntlich einen Platz auf der R-Seite ein. Das gilt auch für die Versys 1000, obwohl ihr sehr kultivierter Vierzylinder auch mit niedrigen Drehzahlen zu betreiben ist. Die Elastizität des Triebwerks beeindruckt, der Durchzug ist gut.

Trotzdem animiert die Tausender zu flotter Gangart. Wer höher als 6.000 Touren dreht, darf sich über mächtigen Schub freuen, wobei auch die Drehfreude des Sechzehnventilers beeindruckt. Angenehmerweise macht die Versys bis hin zu Dreiviertelgas nicht mit deftiger Lautstärke auf sich aufmerksam, sondern gefällt durch einen guten, stimmigen Sound.

Die sich fast wie von selbst einstellende flotte Fahrweise wird von der serienmäßigen Schräglagenanzeige im Cockpit dokumentiert: Sie zeigt gerne Werte jenseits der 40 Grad an. Von vorne erkennbar ist solches Treiben am Aufleuchten des intensiven LED-Kurvenlichtes; auch Abblend- und Fernlicht verfügen über neueste Lichttechnologie und machen die Nacht (fast) zum Tage.

Technische Daten Kawasaki Versys 1000 SE

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor
1043 ccm Hubraum, 88 kW/120 PS bei 9.000/min., 102 Nm bei 7.500 min, Einspritzung, 6 Gänge, Kette.

Fahrwerk: Aluminium-Brückenrahmen; vorne Showa USD-Gabel, Ø 43 mm, 150 mm Federweg, Dämpfung semiaktiv mit Regelung von Zug- und Druckstufe, Vorspannung manuell einstellbar; hinten Aluminiumguss-Zweiarmschwinge, liegendes, semiaktives Zentralfederbein mit Regelung von Zug- und Druckstufe, Vorspannung vorwählbar, 150 mm Federweg. Aluminiumgussräder, schlauchlose Reifen 120/70 ZR19 (vorne) und 180/55 ZR 17 (hinten), 310 mm Doppelscheibenbremse vorne mit radial montierten Vierkolbensätteln, 250 mm Einscheibenbremse hinten, Einkolbensattel.

Assistenzsysteme: Abschaltbares ABS inkl. Kurvenfunktion, elektronische Traktionskontrolle, 4 Fahrmodi (davon einer individuell konfigurierbar), Wheeliekontrolle, Zweiwege-Quickshifter, adaptives LED-Kurvenlicht, Temporegelung.

Maße und Gewichte: Radstand 1520 mm, Bodenfreiheit 150 mm, Sitzhöhe 840 mm, Gewicht fahrertig 257 kg, Zuladung 220 kg; Tankinhalt 21 l.
Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 217 km/h.
Farben: Emerald Blazed Green/Pearl Storm Grey; Metallic Flat Spark Black/Pearl Flat Stardust White.
Preis: ab 16.395 Euro (Baureihe ab 12.995 Euro), Als SE „Grand Tourer“ ab 17.495 Euro

Mehr Infos beim Hersteller

Voraussetzung für solch aktive Kurvenhatz ist klarerweise ein bestens austariertes Fahrwerk. Dieses kann man der Versys uneingeschränkt zusprechen, denn es wird als sehr ausgewogen empfunden. Sie lenkt leicht ein, bleibt stets stabil auf Kurs und bietet dabei stets guten Komfort. Auch üble Rüttelstrecken werden souverän passiert, ohne dass Fahrer wie Passagier die Plomben aus den Zähnen fallen. Die semiaktive Regelungsfunktion zeigte sich während des ausgiebigen Tests jeder Situation gewachsen. Dieselben guten Noten erhält das Dreischeiben-Bremssystem, das im Fall der SE-Version sogar über eine ABS-Kurvenfunktion verfügt. Dosierbarkeit und Wirkung der Bremsanlage überzeugten voll und ganz.

Dennoch gibt es ein paar Kleinigkeiten, in denen dieser grüne „Stelzentourer“ noch ein Quäntchen souveräner auftreten könnte: Die Windschildverstellung erfordert das Betätigen zweier Rän-delschrauben und ist deshalb nicht einhändig bedienbar. Schön wäre auch eine Blinker-Rückstellautomatik, und eine elektronische Reifendruckkontrolle sollte angesichts des ansonsten doch so hohen technischen Niveaus eigentlich ebenfalls im Lieferumfang enthalten sein.

Das Höchsttempo mit montierten Seitenkoffern – die Behälter sind ausreichend groß und funktional tadellos – ist auf 130 km/h limitiert. Ohne Koffer ist die Versys 1000 SE mit maximal 217 km/h angegeben.

Auch wenn die Kawasaki Versys 1000 die extreme Nutzungs-Bandbreite einer echten Reiseenduro nicht zu offerieren vermag, so liefert sie doch eine solide, anspruchsvolle Grundlage für vergnügliches Reisen auf Straßen aller Art über lange Distanzen. Zudem macht die Anmutung hinterm breiten Rohrlenker echt Laune: Der Vierzylinder ist ein feiner, mit 5,5 Litern pro 100 Kilometer keineswegs übertrieben durstiger Geselle, Fahrwerk, Bremsen und Ausstattung befinden sich auf sehr hohem Niveau.

Und wer – nach vielen hundert Tageskilometern im Vorraum des staubigen Abenteuers angekommen – die in kratzerverzeihendem Grünmetallic lackierte Kawasaki Versys 1000 SE anschaut und Pläne für den folgenden Tag schmiedet, wird sich nicht nur an der großen Reichweite von gut 350 Kilometern ohne Nachtanken erfreuen: „Go Green!“ hat traditionell mit hoher Fahrdynamik zu tun.

Die Versys 1000 bleibt dieser Linie treu und erweitert zugleich das Kawasaki-Spektrum.

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