Alpine Kalkgebirgstäler
Belluneser Dolomiten mit dem Rad: Wo Felszacken den Takt vorgeben
Radfahren in den Belluneser Dolomiten
Morgens hängt der Nebel noch wie ein Vorhang über dem Piavetal, dann reißt er auf und gibt den Blick frei auf eine Kulisse, die selbst hartgesottene Rennradfahrer kurz vom Sattel steigen lässt: die zerklüfteten Türme der Belluneser Dolomiten, die im Süden Venetiens fast unbemerkt in den Himmel stechen. Während sich die Touristenströme in Cortina drängen, rollst du hier über Straßen, auf denen dir eher ein Bauer mit Heuwagen als ein Reisebus begegnet.
Die Provinz Belluno ist das große, oft übersehene Rückgrat der Dolomiten. Hier liegt der Nationalpark Belluneser Dolomiten, ein UNESCO-Welterbe voller wilder Schluchten, blühender Almwiesen und Kalkgipfel, die im Abendlicht rosa glühen – das berühmte Enrosadira. Für Radfahrer bedeutet das eine seltene Mischung: sanfte Talrouten entlang der Piave, knackige Pässe wie der Passo Duran oder der Forcella Cibiana und Schotterwege, die dich tief in Täler führen, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
Belluno selbst, die elegante Provinzhauptstadt mit ihren Renaissancepalästen und dem Blick auf die Schiara, ist ein perfekter Ausgangspunkt. Von hier ziehen sich Radwege wie die Lunga Via delle Dolomiti auf alten Bahntrassen sanft bergauf Richtung Cortina, während anspruchsvollere Runden dich in die Val di Zoldo oder das Agordino locken. Es ist eine Landschaft, die nicht mit dem ganz großen Getöse wirbt, sondern dich langsam einwickelt: mit dem Rauschen der Bergbäche, dem Duft von frisch gemähtem Gras und einem Espresso in einer Dorfbar, in der man dich noch mit echter Neugier begrüßt.
Wer die Dolomiten abseits des Trubels erleben will, mit Waden aus Stahl oder auch mit dezenter E-Bike-Unterstützung, findet in den Belluneser Dolomiten ein Revier, das großzügig belohnt – und das Gefühl vermittelt, eine kleine Entdeckung ganz für sich gemacht zu haben.
Topografie & Landschaft
Höhenlage
390 bis 1.773 m (Passo Staulanza)
Geländecharakter
Asphaltpässe, Bahntrassen, Schotter
Infrastruktur
Gut, ruhige Bergstraßen
Beste Reisezeit
Mai bis Oktober
Zwischen Piave und Felsriesen: Was die Belluneser Dolomiten ausmacht
Der Nationalpark als grünes Herz
Der Nationalpark Belluneser Dolomiten ist das ökologische Prunkstück der Region und seit 2009 Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten. Auf über 30.000 Hektar erstrecken sich hier tief eingeschnittene Schluchten, urige Buchenwälder und Kalkplateaus, die im Frühsommer in einem Meer aus Enzian, Alpenrosen und seltenen Orchideen versinken. Für Radfahrer ist der Park weniger ein Durchfahrtsgebiet als eine ständige Kulisse – die Straßen umschmiegen ihn, kriechen an seinen Rändern hinauf und geben immer wieder den Blick auf Gipfel wie die Schiara oder den Monte Pizzocco frei.
Besonders reizvoll ist, dass der Park bewusst wild geblieben ist. Es gibt keine Skizirkusse, keine überlaufenen Panoramastraßen, sondern kleine Bergdörfer, in denen noch alte Traditionen leben. Wer sein Rad kurz abstellt, kann auf den zahlreichen Wanderwegen tief eintauchen – oder einfach an einer Alm einkehren und dem Murmeltier beim Pfeifen zuhören.
Belluno – elegante Stadt zwischen den Bergen
Die Provinzhauptstadt Belluno ist ein kleines Juwel, das viele Radreisende unterschätzen. Die venezianisch geprägte Altstadt mit ihrer Piazza dei Martiri, den arkadengesäumten Gassen und dem Dom aus dem 16. Jahrhundert ist der perfekte Ort, um nach einer langen Etappe die müden Beine bei einem Aperitivo auszustrecken. Von den Stadtmauern reicht der Blick über das Piavetal bis zu den Felswänden der Dolomiten – ein Anblick, der jeden Kaffee doppelt so gut schmecken lässt.
Belluno ist zugleich ein hervorragender Knotenpunkt: Von hier starten flache Radwege entlang der Piave ebenso wie die berühmte Bahntrassen-Route Richtung Norden. Wusstest du schon? Belluno gilt als Wiege der italienischen Brillenindustrie – in den umliegenden Tälern werden bis heute weltbekannte Marken gefertigt. Wer also mit stylischer Sonnenbrille durch die Berge kurbelt, trägt womöglich ein Stück lokale Handwerkskunst.
Kulinarik: Deftig, ehrlich, bergig
Die Belluneser Küche ist bodenständig und genau das, was hungrige Radlermägen brauchen. Casunziei, gefüllte Halbmond-Ravioli mit Roter Bete oder Kürbis, überzogen mit brauner Butter und Mohn, sind ein Klassiker. Dazu Polenta in allen Variationen, würziger Bergkäse aus Zoldo und die berühmten Pastin, eine gewürzte Hackfleischspezialität, die auf dem Grill ihr Aroma entfaltet.
Ein süßes Kapitel für sich ist das Speiseeis. Die Val di Zoldo gilt als Wiege der italienischen Gelatiere – von hier zogen einst Eismacher in alle Welt, bis nach Deutschland und Österreich. Ein Eisstopp an einer Dorfeisdiele ist also nicht nur Belohnung, sondern gelebte Kulturgeschichte. Wer nach kräftigem Anstieg eine Kugel Zoldano-Eis in der Hand hält, versteht plötzlich, warum sich die Mühe gelohnt hat.
Geheimtipp: Das Zoldotal und die Civetta
Abseits der bekannten Routen liegt die Val di Zoldo, eingerahmt von den mächtigen Wänden der Civetta und des Pelmo. Dieses Tal ist ein wahres Radfahrer-Refugium – ruhig, grün und mit Straßen, die sich elegant an die Hänge schmiegen. Hier findest du kleine Ortschaften wie Forno di Zoldo oder Pecol, in denen der Massentourismus nie richtig angekommen ist.
Ein besonderer Tipp ist der Blick auf den Monte Pelmo, den die Einheimischen liebevoll "Thron Gottes" nennen. Bei einer Umrundung über den Forcella Cibiana eröffnen sich Perspektiven auf diese Bergmajestät, die man sonst nur von Postkarten kennt. Wer früh am Morgen unterwegs ist, hat die Straße oft ganz für sich – nur das Rauschen des Windes und das eigene Kurbeln begleiten dich.
Warum Radfahrer sich in die Belluneser Dolomiten verlieben
Vom Genussradeln bis zum Passjagen
Die Belluneser Dolomiten sind ein erstaunlich vielseitiges Revier. Wer es entspannt mag, rollt entlang der Piave auf sanft ansteigenden Radwegen durch breite Talböden. Wer die Herausforderung sucht, findet in den umliegenden Pässen wie dem Passo Duran, dem Passo Staulanza oder der Forcella Cibiana würdige Gegner. Diese Mischung macht die Region so attraktiv: Familien und Genussradler kommen ebenso auf ihre Kosten wie ambitionierte Rennradfahrer und Bergziegen.
Das Besondere ist die Ruhe. Während die klassischen Dolomitenpässe rund um Cortina im Sommer von Motorrädern und Radgruppen bevölkert sind, geht es hier deutlich entspannter zu. Auf vielen Nebenstraßen bist du über weite Strecken allein mit der Landschaft – ein Luxus, den man erst zu schätzen weiß, wenn man ihn erlebt hat.
Die Lunga Via delle Dolomiti
Das Aushängeschild der Region ist die Lunga Via delle Dolomiti, ein Radweg auf der Trasse der ehemaligen Bahnlinie zwischen Calalzo di Cadore und Cortina d'Ampezzo. Sanft ansteigend, gut asphaltiert oder fein geschottert, führt sie über luftige Viadukte und durch Tunnel mitten in die Bergwelt. Diese Route ist ein Traum für alle, die die Dolomiten ohne extreme Steigungen erleben wollen.
Gerade für E-Biker und Familien ist die Trasse ein Geschenk: Die alte Bahnstrecke hält die Steigung im moderaten Bereich, sodass auch weniger trainierte Radler die Panoramen genießen können, ohne im roten Bereich zu strampeln. Unterwegs laden Rastplätze und umgebaute Bahnhöfe zum Verweilen ein – ein Erlebnis, das Naturgenuss und ein Stück Verkehrsgeschichte vereint.
Aussichtspunkte, die im Gedächtnis bleiben
Kaum eine Region belohnt Anstrengung so unmittelbar wie diese. Oben am Passo Duran etwa öffnet sich ein grandioses Panorama auf die Nordwand der Civetta, während die Forcella Cibiana den Blick auf den Pelmo freigibt. Diese Momente – schweißnass am Passschild lehnend, die Felsriesen im Rücken – sind der eigentliche Grund, warum man hier fährt.
Auch die kleinen Panoramen zählen: eine Kurve mit Blick ins Zoldotal, ein Aussichtspunkt über dem Stausee Lago di Centro Cadore, ein Rastplatz am Waldrand mit Blick auf die Marmarole. Die Belluneser Dolomiten geizen nicht mit Motiven, und wer eine Kamera dabei hat, wird kaum vorankommen, so oft möchte man anhalten.
Für wen sich die Region eignet
Die Belluneser Dolomiten sind für ein breites Publikum geeignet. Rennradfahrer finden anspruchsvolle Höhenmeter und einsame Pässe. Gravel-Fans stürzen sich auf die Schotterwege entlang der Piave und in die Seitentäler. Mountainbiker haben mit den zahlreichen Forststraßen und Trails im Nationalparkumfeld ein riesiges Spielfeld.
Und dank moderner E-Bike-Verleihe rückt auch die große Bergwelt für weniger geübte Fahrer in greifbare Nähe. Wichtig ist realistische Selbsteinschätzung: Die Talrouten sind entspannt, die Pässe verlangen jedoch Kondition und eine solide Bergabtechnik. Wer beides mitbringt oder sich elektrisch unterstützen lässt, erlebt eine der lohnendsten und zugleich am wenigsten überlaufenen Radregionen der Alpen.
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Die schönsten Radtouren in den Belluneser Dolomiten
Lunga Via delle Dolomiti: Calalzo nach Cortina
Diese Route auf der ehemaligen Bahntrasse ist der ideale Einstieg in die Bergwelt und startet in Calalzo di Cadore. Von hier folgst du der alten Strecke sanft ansteigend Richtung Norden, vorbei am Stausee des Cadore und durch das lang gestreckte Tal des Boite. Der Belag wechselt zwischen feinem Schotter und Asphalt, die Steigung bleibt dank der Bahntrassen-Herkunft angenehm moderat.
Höhepunkte sind die alten Viadukte und Tunnel, die dich mitten durch die Landschaft führen, sowie die umgebauten Bahnhöfe, die heute als Rastplätze dienen. Immer wieder öffnen sich Blicke auf die Antelao-Gruppe und die Marmarole. Kurz vor Cortina d'Ampezzo wird die Kulisse mit dem Cristallo und den Tofane besonders spektakulär.
Die Tour eignet sich hervorragend für Familien und E-Biker, die die Dolomiten ohne extreme Anstrengung genießen wollen. Rund 30 Kilometer bergauf lassen sich später entspannt zurückrollen. Wer möchte, nutzt in Cortina eine ausgiebige Kaffeepause, bevor die genussvolle Abfahrt zurück nach Calalzo beginnt.
Passo Duran: Der stille Klassiker
Der Passo Duran auf 1.601 Metern ist einer der schönsten und zugleich ruhigsten Dolomitenpässe. Von Agordo aus schraubst du dich in engen Kehren durch dichten Wald hinauf, immer wieder mit Ausblicken auf die imposante Nordwand der Civetta. Die Straße ist schmal und wenig befahren – ein Traum für alle, die das Passfahren ohne Motorradlärm suchen.
Oben am Pass, bei den beiden Rifugi, lohnt sich eine Rast. Der Blick auf die Zackengipfel der Civetta und des Moiazza-Massivs ist überwältigend. Von hier führt die Abfahrt Richtung Zoldo hinunter, wo du durch grüne Talwiesen und kleine Bergdörfer rollst.
Diese Tour verlangt Kondition, denn die Steigungsprozente sind ehrlich und teils steil. Als Belohnung wartet eine der authentischsten Passüberfahrten der Dolomiten. Wer die Runde ausdehnen will, kombiniert den Duran mit dem Passo Staulanza zu einer anspruchsvollen Bergrunde – ein Tag, an den man sich lange erinnert.
Runde um den Monte Pelmo über Staulanza und Cibiana
Diese Königsrunde führt dich rund um den mächtigen Monte Pelmo, den "Thron Gottes". Start ist in Forno di Zoldo, von wo du über den Passo Staulanza (1.773 m) hinauf zur Civetta-Seite kurbelst. Der Anstieg zieht sich durch Wälder und Almen, bis sich oben der Blick auf die Marmolada im Hintergrund öffnet.
Weiter geht es Richtung Selva di Cadore und über die Forcella Cibiana (1.530 m), die vielleicht schönsten Pelmo-Ansichten der ganzen Region bietet. Die Straße windet sich in perfekten Kehren, und der Fels des Pelmo scheint zum Greifen nah.
Die Runde ist lang und höhenmeterintensiv, richtet sich also an konditionsstarke Rennradfahrer oder gut ausgestattete E-Biker. Wer sie meistert, wird mit einem 360-Grad-Erlebnis der Dolomiten belohnt. Verpflegungsmöglichkeiten gibt es in den Bergdörfern und an den Passhöhen – ein Espresso mit Pelmo-Blick ist unbezahlbar.
Piave-Radweg: Genussfahrt durch das Tal
Wer es entspannt mag, folgt dem Piave-Radweg, der sich durch das breite Tal südlich von Belluno zieht. Von Belluno aus rollst du flussabwärts durch Auwälder, an Kiesbänken und kleinen Dörfern vorbei, immer die Dolomiten im Rücken. Die Strecke ist überwiegend flach und weitgehend autofrei – ideal für Familien und Genießer.
Unterwegs laden Orte wie Ponte nelle Alpi und die Flusslandschaft der Piave zu Pausen ein. Der Fluss, historisch bedeutsam als Frontlinie im Ersten Weltkrieg, erzählt an vielen Stellen seine Geschichte durch Gedenkstätten und Museen.
Diese Tour eignet sich perfekt als Ruhetag zwischen den Bergetappen oder als Familienausflug. Die Kombination aus Wasser, Wald und dem Panorama der Kalkgipfel macht sie zu einem entspannten Erlebnis. Zahlreiche Bars und Trattorien am Wegesrand sorgen dafür, dass niemand hungrig oder durstig bleibt.
Gravel-Abenteuer im Nationalpark bei Val Canzoi
Für Gravel-Fans ist die Val Canzoi im Herzen des Nationalparks ein Geheimtipp. Von Cesiomaggiore aus führt der Weg tief in das Tal hinein, entlang des türkisblauen Stausees Lago della Stua. Der Belag wechselt von Asphalt zu gut fahrbarem Schotter, während die Straße dem Bach Caorame folgt.
Umgeben von steilen Waldhängen und Kalkwänden fühlt man sich hier fernab jeder Zivilisation. Der Lago della Stua mit seinem Damm ist ein lohnendes Ziel, und wer möchte, schiebt sein Rad ein Stück weiter zu den Almen im hinteren Talschluss.
Diese Tour ist ideal für alle, die Ruhe und Naturerlebnis suchen. Sie ist nicht extrem lang, aber die Abgeschiedenheit macht sie besonders. Vögel, das Rauschen des Baches und vielleicht ein Reh am Wegesrand begleiten dich. Ein perfekter Ausflug für einen halben Tag, der zeigt, wie wild die Belluneser Dolomiten sein können.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit zum Radfahren in den Belluneser Dolomiten?
Die ideale Saison reicht von Mai bis Oktober. Im Frühsommer stehen die Almwiesen in voller Blüte und die Bergbäche führen viel Wasser – eine besonders lebendige Zeit, allerdings können hohe Pässe im Mai noch Schneereste tragen.
Der Hochsommer von Juli bis August bietet stabiles Wetter und offene Passstraßen, kann aber im Talgrund heiß werden. Wer die schönste Stimmung sucht, kommt im September und Oktober: klare Luft, herbstlich gefärbte Wälder und deutlich weniger Verkehr. Die berühmte Enrosadira, das rosa Leuchten der Felsen am Abend, ist in dieser Zeit besonders eindrucksvoll.
Sind die Belluneser Dolomiten für Anfänger geeignet?
Ja, aber es kommt auf die Streckenwahl an. Die Region bietet mit dem Piave-Radweg und Teilen der Lunga Via delle Dolomiti flache bis leicht ansteigende Routen, die auch für Einsteiger und Familien gut machbar sind.
Die Hochgebirgspässe wie der Passo Duran oder die Forcella Cibiana verlangen dagegen Kondition und Erfahrung, besonders bei den Abfahrten. Anfänger sollten sich zunächst an die Talrouten halten und ihre Distanzen langsam steigern. Ein E-Bike öffnet zusätzlich viele Möglichkeiten, auch höher gelegene Ziele ohne Überforderung zu erreichen.
Lohnt sich ein E-Bike in dieser Region?
Absolut. Die Belluneser Dolomiten sind bergig, und ein E-Bike verwandelt anstrengende Anstiege in Genussfahrten. Gerade wer die spektakulären Pässe erleben möchte, ohne sich dabei völlig zu verausgaben, profitiert enorm.
In Belluno, Agordo und den Talorten gibt es zahlreiche Verleihstationen mit gut gewarteten E-Mountainbikes und E-Trekkingrädern. Achte darauf, deine Route so zu planen, dass die Akkureichweite passt – bei langen Passrunden empfiehlt sich ein voll geladener Akku und ein wenig Puffer. Viele Rifugi und Bars bieten inzwischen Lademöglichkeiten an.
Kann ich mit dem Hund radfahren?
Auf den flachen Talrouten wie dem Piave-Radweg lässt sich gut mit einem gut trainierten Hund im Fahrradanhänger oder an lockerer Leine unterwegs sein. Wichtig ist, auf ausreichend Pausen, Schatten und Wasser zu achten, besonders im Sommer.
Auf den Bergpässen ist Vorsicht geboten: Die langen Anstiege und schnellen Abfahrten sind für Hunde belastend und teils gefährlich. Im Nationalpark gelten zudem Regeln zum Schutz der Tierwelt, hier gilt meist Leinenpflicht. Erkundige dich vor Ort über die aktuellen Bestimmungen im Schutzgebiet.
Wie komme ich am besten in die Region?
Belluno ist mit dem Zug gut erreichbar, unter anderem über Verbindungen aus Venedig und Treviso. Der Bahnhof Calalzo di Cadore ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Lunga Via delle Dolomiti und ebenfalls per Bahn angebunden.
Mit dem Auto erreicht man die Region über die Autobahn A27 bis Pian di Vedoia bei Ponte nelle Alpi, von dort geht es weiter in die Täler. Viele Radreisende kombinieren Zug und Rad, da die Bahnstrecke ins Cadore selbst schon landschaftlich reizvoll ist. In den Regionalzügen lassen sich Fahrräder in der Regel gegen einen kleinen Aufpreis mitnehmen.
Gibt es genügend Einkehr- und Verpflegungsmöglichkeiten?
Ja, entlang der meisten Routen findest du Bars, Trattorien und Rifugi. In den Talorten wie Belluno, Agordo oder Forno di Zoldo gibt es reichlich Auswahl, von der einfachen Dorfbar bis zum guten Restaurant.
Auf den Passhöhen warten oft Berghütten mit deftiger Küche und atemberaubender Aussicht. Bei abgelegenen Gravel-Touren, etwa in der Val Canzoi, solltest du jedoch ausreichend Proviant und Wasser mitnehmen, da die Versorgung dort dünner ist. Ein Vorrat an Snacks im Trikot ist in den Bergen nie verkehrt.
Welche Ausrüstung brauche ich?
Für die Talrouten reicht ein solides Trekking- oder Gravelbike. Wer die Pässe fahren möchte, sollte ein Rad mit einer bergtauglichen Übersetzung wählen, denn die Steigungen sind teils happig.
Wichtig sind außerdem Regenkleidung und eine Windjacke, da das Bergwetter schnell umschlagen kann und die Abfahrten kühl werden. Ein Ersatzschlauch, Werkzeug und eine Pumpe gehören ins Gepäck, ebenso ausreichend Wasser. Für die abgelegeneren Gravel-Strecken empfiehlt sich zusätzlich ein GPS-Gerät oder eine Karten-App, da die Beschilderung nicht überall lückenlos ist.
Sind die Straßen stark befahren?
Im Vergleich zu den bekannten Dolomitenpässen rund um Cortina sind die Belluneser Straßen erfreulich ruhig. Auf Nebenstraßen und in den Seitentälern begegnet dir oft mehr Natur als Verkehr.
An Wochenenden und in der Hochsaison kann auf den Hauptverbindungsstraßen mehr los sein, besonders im Talgrund. Die schönsten Radrouten führen jedoch bewusst über kleinere Straßen und Radwege, wo du die Landschaft in Ruhe genießen kannst. Der Passo Duran etwa gilt als einer der stillsten Pässe der gesamten Dolomiten.
Ist die Region gut ausgeschildert?
Die Hauptradwege wie die Lunga Via delle Dolomiti und der Piave-Radweg sind gut beschildert und leicht zu finden. Auch viele Passstraßen sind als Radrouten ausgewiesen.
Bei anspruchsvolleren Bergrunden und Gravel-Touren in die Seitentäler lohnt sich dennoch eine digitale Navigation, da nicht jede Abzweigung markiert ist. Zahlreiche vorbereitete GPS-Tracks findest du in gängigen Rad-Apps. Mit einer Kombination aus Beschilderung und digitaler Karte bist du in den Belluneser Dolomiten bestens orientiert.
Kann man Mehrtagestouren mit Gepäck fahren?
Ja, die Region eignet sich hervorragend für Mehrtagesreisen. Von Belluno aus lassen sich Rundtouren über mehrere Pässe planen, mit Übernachtungen in den Talorten oder auf bewirtschafteten Hütten.
Für Bikepacking bieten sich die kombinierten Asphalt- und Schotterrouten an, die Täler wie Zoldo, Agordino und das Cadore verbinden. Da die Distanzen zwischen den Orten überschaubar sind, findest du fast überall Unterkünfte. Viele Hotels sind auf Radfahrer eingestellt und bieten abschließbare Radräume sowie Werkzeug. Plane die Etappen mit Blick auf die Höhenmeter, nicht nur die Kilometer.
Wie schwierig sind die Passabfahrten?
Die Abfahrten sind landschaftlich fantastisch, verlangen aber Aufmerksamkeit. Die Straßen sind teils schmal, kurvig und können nach Regen rutschig sein. Vom Passo Duran etwa geht es in engen Kehren steil bergab.
Wichtig ist, das Tempo an die eigene Fahrsicherheit anzupassen und die Bremsen kontrolliert einzusetzen. Kühle Bergluft in der Abfahrt macht eine Windweste sinnvoll. Wer defensiv fährt und vorausschauend bremst, erlebt die Abfahrten als puren Genuss statt als Nervenprobe. Rennradfahrer schätzen den Belag, der auf den meisten Pässen in gutem Zustand ist.
Eignet sich die Region für Familien mit Kindern?
Ja, sofern man die passenden Routen wählt. Die Lunga Via delle Dolomiti und der Piave-Radweg sind dank moderater Steigungen und überwiegender Verkehrsfreiheit ideal für Familienausflüge.
Kinder freuen sich unterwegs über die Tunnel und Viadukte der alten Bahntrasse, die Rastplätze und natürlich die vielen Eisdielen – schließlich stammt das berühmte Zoldo-Eis aus dieser Gegend. Für kleinere Kinder eignen sich Anhänger oder Tandemstangen. Von den hochalpinen Passrunden sollte man mit Kindern allerdings absehen und lieber die entspannten Talstrecken genießen.